Kolumne Karlheinz Büchner

Für alle, die sich Gedanken machen über Natur und Umweltschutz

Natur pur im „Schrebergarten“

 

 

 

„Betonflut in unseren Städten, der Einsatz von Pestiziden und der Anbau von Monokulturen in der Landwirtschaft haben dafür gesorgt, dass die Zahl der Insekten schon um 75 Prozent zurückgegangen ist. Umso wichtiger ist es, dass jeder von uns seinen Beitrag für mehr Artenvielfalt leistet“, schreibt Hans Jürgen Schneider, Vorstandsvorsitzender des Landesverbands Rheinland der Gartenfreunde e.V. in der Mitgliederzeitschrift „Kleingartenmagazin“ Heft 4, Juli/August 2019.

 

Zahlreiche „Schrebergärtner“ denken mittlerweile ökologisch um und gestalten entsprechend ihren Kleingarten für Wildblumen und Insekten um.

 

Einen vielfältigen, naturnahen Garten gibt es z.B. in der Kleingartenanlage „Vorster Busch“ in Mönchengladbach-Hardt. Dort hat das Ehepaar Heike und Winfried Gymnich vor einigen Jahren einen Kleingarten übernommen und mit Liebe naturnah weiterentwickelt. Hier dürfen zahlreiche Wildblumen blühen und Insekten finden genügend Nahrung zum Wohlfühlen. Der Garten ist unterteilt in die Bereiche Wildblumenwiese, Hochbeet mit Gemüse, Obstgehölze, Ruhebereiche mit kleinen Rasenflächen, einen Wasserbereich sowie der Laube mit Geräteraum. Auch eine Kompost-Ecke ist vorhanden. Der Garten  liegt an der Südost-Ecke der  Kleingartenanlage und ist in der Sommerblüte ein Schmuckstück für die Augen. Während der Öffnungszeiten der Anlagen können Kleingärten vom Hauptweg aus besichtigt werden.

 

Der NABU Mönchengladbach und der Kreisverband Mönchengladbach der Gartenfreunde e.V. mit ihrem Vorsitzenden Johannes Kernbach arbeiten inzwischen gemeinsam erfolgreich zusammen, um weitere Wildblumenareale in den zahlreichen Kleingartenanlagen der Stadt Mönchengladbach aufzubauen.

 

Karlheinz Büchner 31.07.2019   (update WGy 27.8.2019)


Hans Jonas und Fridays for Future

Von  Karlheinz  Büchner

25.06.2019

 

Angesichts des Zusammenbruchs der Biodiversität , der um uns herum im Gange ist, erscheint es höchste Zeit, an einen im Jahr 1903  in Mönchengladbach geborenen  Philosophen zu erinnern, der sich Gedanken über die  Verantwortung des Menschen im Umgang mit der Natur gemacht hat. Die Rede ist von Hans Jonas, dem 1987 der Friedenspreis des deutschen Buchhandels verliehen und der 1989 mit der Ehrenbürgerschaft der Stadt Mönchengladbach ausgezeichnet wurde. Hans Jonas verstarb am 05. Februar 1993 in New Rochelle bei New York.

 

Hier und heute soll an ein philosophisches Werk von Hans Jonas erinnert werden, das auch von den politischen und  wirtschaftlichen Entscheidern in Stadt, Land  und Bund gelesen (und verstanden) werden sollte. Gemeint ist das 1979 erschienene Buch „Das Prinzip Verantwortung“. In diesem Werk beschreibt Hans Jonas die Verantwortung, die wir Menschen haben, wenn wir die Technik benutzen, um in die Natur einzugreifen und diese ggf.  zerstören (mit den sich daraus für die Menschheit ergebenden Konsequenzen).

 

In Anlehnung an Kants kategorischen Imperativ, der da lautet: „Handle so, dass Du willst, dass Deine Handlung allgemeines Gesetz wird“, postuliert Hans Jonas für den Umgang der Menschen mit der Natur seinen eigenen Imperativ: „Handle so, dass die Wirkungen Deiner Handlungen verträglich sind mit der Permanenz echten menschlichen Lebens auf der Erde“.

 

Das heißt, jeder Mensch hat bei Eingriffen in die Natur „das Prinzip Verantwortung“ zu beachten, nämlich die Verantwortung, den uns nachfolgenden Generationen eine intakte Welt  zu hinterlassen.

 

Angesichts der heutigen permanenten Umweltvernichtung (Bodenversiegelung, Meeresverschmutzung und Überfischung, Artenschwund, Luftverschmutzung pp.) stellt sich die Frage, ob unsere gegenwärtigen politischen und wirtschaftlichen Führungspersönlichkeiten diese Maxime von Hans Jonas verinnerlicht haben und  umsetzen. Die Antwort kann sich jeder selber geben.

 

Lesen Sie das Buch von Hans Jonas mit dem Titel „Das Prinzip Verantwortung“ und helfen Sie mit, die Welt zu retten. Den jungen Menschen von „Fridays for Future“, deren Engagement hoffentlich nicht zu spät kommt, sage ich: Fordert von den Älteren „das Prinzip Verantwortung“ ein und bleibt aktiv, um die Natur wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Engagiert euch beim Naturschutzbund Deutschland (NABU).

 

Zum Abschluss zwei Zitate zum Nachdenken:

 

„Wer glaubt, dass in einer endlichen Welt unendliches  Wachstum möglich sei, … kann nur verrückt sein – oder Ökonom (Serge Latouche).

 

„Nicht der Mensch ist Herr der Schöpfung sondern die Technik, der er als defizitäres Wesen gegenübersteht und die in letzter Konsequenz zu seinem Verschwinden führt (Günther Anders).


Stadt  und  Natur  in  Mönchengladbach  Der „kontrollierbare Konzern“ MG zerstört weiterhin Natur in der Stadt

Von  Karlheinz  Büchner

„Der Mensch ist Teil der Natur. Stirbt die Natur, dann stirbt auch der Mensch“  (Bertrand Russell,  britischer Philosoph, Mathematiker und Logiker).

 

Die Natur in Mönchengladbach wird seit der Industrialisierung  kontinuierlich zerstört. Ein weiterer Baustein der Naturzerstörung ist wohl der erklärte Wunsch unserer gewählten „Stadtväter“, die Stadt Mönchengladbach zu einem „kontrollierbaren Konzern“ zu gestalten (Rheinischen Post 28. und 29.06.2018). Urheber der marktwirtschaftlichen Stadtvision ist Dr. Gregor Bonin (CDU), der mittlerweile zugleich als Stadtdirektor, Planungs- und Umweltdezernent in der „wachsenden Stadt“ Mönchengladbach tätig ist. In der Beratungsvorlage Nr. 16661/IX vom 24.05.2016  für den Rat heißt es u. a.: „Effekte der Umsetzung der Strategie sind Verkaufserlöse aus städtischen Grundstücken und die Erhöhung der Einnahmen im Bereich Grundsteuer, die Förderung der lokalen Wirtschaft durch erhöhte Bautätigkeit, die Schaffung zusätzlicher Arbeitsplätze sowie die Erhöhung der Gewerbesteuereinnahmen durch die Ansiedlung von Unternehmen.“ Darin wird nicht einmal der Begriff „Schutz der Natur“ erwähnt. Wir wollen daher einmal hinterfragen, was der „Konzern Mönchengladbach“ für die Menschen und die Natur in Mönchengladbach bedeutet:

 

„Als Konzern bezeichnet man den Zusammenschluss eines herrschenden und eines oder mehrerer abhängiger Unternehmen unter Leitung des herrschenden Unternehmens“ (Wikipedia). Ganz allgemein formuliert, ist ein Konzern ein großes, auf Gewinn ausgerichtetes Unternehmen. Der Gewinn kann neoliberal geschöpft werden aus der Ausbeutung von vorhandenen Ressourcen sowie aus der Herstellung und dem Vertrieb  von Produkten.

      

Die Stadt Mönchengladbach hat in den letzten Jahren viele neue Gesellschaften wie z. B. die GEM, MAGS, EWMG, MGMG gebildet, die dem Konzern Stadt Mönchengladbach Gewinne zuführen sollen. Im oben angeführten Artikel der Rheinischen Post vom 29.06.2018 wird u. a. ausgeführt: „Mönchengladbach soll wachsen – an Einwohnern, an neuen Baugebieten, an Wasserflächen, an Ansiedlungen und insgesamt an Attraktivität.“ Anhand der Fakten, die von den politisch Handelnden in der Zeit ab 2015 bis heute geschaffen wurden, kann man ersehen, dass auch die Bereiche Verkehrslandeplatz Mönchengladbach, Straßenbau und Sauberkeit zu den Tätigkeitsfeldern des kontrollierbaren Konzerns Stadt MG gehören. Inzwischen dürfte wohl den meisten Bürgern klar sein, dass wirtschaftliches Wachstum in unserer Welt vor Allem durch die Ausbeutung von Ressourcen generiert wird.

 

Das heißt für Mönchengladbach: Im Norden und Westen unserer Stadt gibt es noch größere Freiraumbereiche, die im Sinne der Konzernstrategie gewinnbringend ausgebeutet werden müssen. So soll das geplante Gewerbegebiet Mackenstein nördlich von Hardt Gewinn an Gewerbesteuer erbringen, auf Kosten der Natur, die zerstört wird.

 

Im Westen von Rheindahlen wurde im Freiraum die Firma Amazon angesiedelt und nebenan soll Bad Reuter eine Niederlassung bauen. Im Süden soll das bestehende Gewerbegebiet Güdderath vergrößert werden. Das ist Naturzerstörung in großem Stil. Überall in der Stadt wird Raum auch vernichtet für den Bau neuer Wohngebiete, die v. a. die Reichen in die Stadt locken sollen. Leiden müssen wieder Natur und Biodiversität. Der Bestand an Insekten, Vögeln und wildlebenden Säugetieren geht in der Stadt Mönchengladbach zwangsläufig dramatisch zurück.

 

Abschließend sei noch festgehalten, dass der „Konzern“ Stadt Mönchengladbach seine Bürger auch durch Gebührenerhöhungen  (z. B. Anhebung der Grundsteuer) zur Gewinnmaximierung heranziehen kann. Warum lassen wir Bürger/innen, welche die Natur lieben und schützen, dies uns eigentlich gefallen? Der Schutz der Natur wird in Mönchengladbach durch die derzeit regierenden Parteien offensichtlich nicht ausreichend gefördert. Im Jahr 2020 steht die nächste Kommunalwahl an. Wir, die Bürger/innen dieser Stadt, haben die Macht, durch unsere Wählerstimme den wachsenden „Konzern“ Stadt Mönchengladbach in die Schranken zu weisen und einen Wertewandel einzuleiten.


Wussten  Sie  schon ?

Von  Karlheinz  Büchner

 

Vor ein paar Monaten besuchten mich die Bücher der Autoren Stephan  Lessenich und Serge Latouche. Manches vom Inhalt war mir bekannt, und vieles hat meinen  Blickwinkel geschärft:

 

„Wussten Sie schon, dass der Anteil aller Beschäftigten allein in der deutschen Landwirtschaft von 25 %  zu Beginn der 1950er Jahre auf  1,6 %  im Jahre 2016 gesunken und gleichzeitig die Produktivität auf Kosten der Biodiversität extrem angewachsen ist?“

 

„Wussten Sie schon, dass Deutschland durch Agrarhandel kontinuierlich über 5 Millionen Hektar [Anm. K. Büchner: 50.000 km²] Land außerhalb der EU in Anspruch genommen hat (meistens für Soja-Anbau in Südamerika), damit hier in Deutschland die Tiermäster genug Futter für ihre Tiere in den Mastfabriken haben?“

 

„Wussten Sie schon, dass die USA allein im Jahre 2011  300.000 Tonnen Elektronikschrott nach Asien und 100.000 Tonnen nach Mexiko exportiert haben?“  

 

„Das alles sind Folgen der sogenannten Konsumgesellschaft, in der wir leben. Umweltschädigende Problemindustrien, Abfallstoffe werden kurzerhand ins Ausland exportiert und ganze Landstriche werden ausgebeutet wie z. B. der Regenwald in Brasilien und die Pampas in Argentinien. Wir alle, die wir auf der Nordhalbkugel leben, beuten die Erde, ihre Ressourcen und die Menschen auf der Südhalbkugel aus.“

 

Sogar vor unserer Haustüre findet diese Ausbeutung statt: RWE Power vernichtet für den Abbau der Braunkohle ganze Landstriche, vertreibt die Bewohner und verpestet die Luft. Täglich werden in Deutschland ca. 67 Hektar Naturfläche für Gewerbe-, Wohngebiete, Straßen u. a. vernichtet wird? Das sind alle 10 Jahre ca. 2440 km² Naturfläche! Und täglich werden in Mönchengladbach Sträucher und Bäume gefällt. Dies hat in den letzten beiden Jahren dramatische Ausmaße angenommen. Allenthalben entsteht Ödnis und die Pflanzen können keinen Sauerstoff mehr vor Ort produzieren. Wildlebende Säugetiere, Amphibien, Insekten und Vögel sterben aus. Sichtachsen zu schaffen, ist offenbar wichtiger als Biodiversität.

 

„Wussten Sie schon, dass die Deutschen ‚Reiseweltmeister‘ sind?  Im Jahr 2015 begaben sich 81,6 Millionen Passagiere von deutschen Flughäfen in die Lüfte. Und die Zahlen gehen weiter stark nach oben. Das schädigt den Planeten, auf dem wir leben.“

 

 Serge Latouche hat auch folgenden Satz geschrieben: „Wer glaubt, dass in einer endlichen Welt unendliches Wachstum möglich ist, kann nur verrückt sein – oder Ökonom.“

 

Ich darf empfehlen, beide Bücher zu lesen: 

 

Lessenich, Stephan: „Neben uns die Sintflut. Die Externalisierungsgesellschaft und ihr Preis.“ Hanser Verlag. Berlin, 5. Aufl. 2016

 

Latouche, Serge: „Es reicht! Abrechnung mit dem Wachstumswahn.“ Oekom Verlag. München 2015

 

Gemeinsam sind wir stark, die Welt positiv zu verändern.