Nachrichten vom NABU Landes- und Bundesverband

PRESSEMITTEILUNG NABU NRW | NR. 51/19 | 03.Oktober 2019

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Landeshaushalt 2020 – Demontage des Natur- und Umweltschutzes

NABU NRW: Land muss zur Zukunftssicherung deutlich mehr in den Erhalt der Artenvielfalt und den Klimaschutz investieren

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Düsseldorf – „Eine Demontage des Natur- und Umweltschutzes“ so bewertet der NABU NRW den Entwurf des Landeshaushaltes der Landesregierung für das Jahr 2020. „Angesichts der Herausforderungen durch den Klimawandel und das Artensterben muss der Haushaltsansatz unbedingt erhöht werden“, sagt Dr. Heide Naderer, Landesvorsitzende des NABU NRW. Mit 1,2 Milliarden Euro bei einem Gesamthaushalt von rund 80 Milliarden gehen nur 1,5 Prozent in Umwelt, Landwirtschaft, Natur-, Klima- und Verbraucherschutz

 

Investitionen in eine gesunde Zukunft sind heutzutage unverzichtbar. Demnach müssen gute Luft, Gewässerschutz, Waldumbau, Wärmedämmung, Solar-Dächer, Insektenschutz, Ökologische Landwirtschaft und vieles mehr langfristig gefördert werden. Die jungen Menschen, die freitags auf die Straße gehen, fordern wie der NABU genau solche Zukunftsinvestitionen. „Der Haushaltsentwurf der Landesregierung mit diesem viel zu geringen Ansatz für Umwelt und Natur ist genau das Gegenteil dessen, was aktuell so wichtig ist und in Zukunft deutlich mehr kostet“, sagt Naderer.

 

Der eigentliche Naturschutzetat stagniert seit 10 Jahren bei 36 Millionen Euro. Für die Umsetzung der Biodiversitätsstrategie und die vom Ministerpräsident Laschet angekündigten Maßnahmen zum Insektenschutz sind offensichtlich keine Mittel vorgesehen. Auch die erarbeiteten Maßnahmenkonzepte für die 545 Natura2000-Gebiete in NRW sind scheinbar finanziell nicht abgesichert. Stattdessen werden im Etat des Umweltministeriums erneut globale Minderausgaben in beträchtlicher Höhe von über 40 Millionen Euro ausgewiesen. Naderer: „Es ist nicht nachvollziehbar, warum nicht offengelegt wird, wo diese Kürzungen erfolgen sollen. Es entsteht der Eindruck, dass die Landesregierung systematisch vertuscht, wie der Natur- und Umweltschutz demontiert wird.“ Das passe zu den gesetzlichen „Entfesselungspaketen“, die zu einem beispiellosen Abbau von Natur- und Umweltschutz führen – z. B. der ungehinderten Flächenversiegelung durch den neuen Landesentwicklungsplan..

 

Der NABU fordert die Landtagsfraktionen auf, den Ansatz für den Naturschutz in dieser Legislaturperiode schrittweise auf 300 Millionen Euro zu erhöhen, um den Bedrohungen durch den Artenverlust in NRW und den Veränderungen durch die Klimakrise wirksame Umsetzungen entgegenzustellen.

 

Für Rückfragen:

Dr. Heide Naderer, Vorsitzende NABU NRW, Tel.: 0173 6872 250

 

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Herausgeber: NABU Nordrhein-Westfalen, 40219 Düsseldorf

 

Redaktion: NABU-Pressestelle NRW, Birgit Königs (verantwortlich)

Tel. 0211.15 92 51 - 14 | Fax -15 | E-Mail: B.Koenigs@NABU-NRW.de


NABU NRW-PRESSEMITTEILUNG | NR 43/19 | 20. August 2019

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NABU: Erneut massives Amselsterben durch Usutu

Wieder viele Fälle in Nordrhein-Westfalen/Kranke und tote Vögel melden

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Düsseldorf – Das massive Amselsterben des Hitzesommers 2018 wiederholt sich. Auch in diesem Jahr nimmt das durch das tropische Usutu-Virus ausgelöste Vogelsterben im Laufe des Augusts an Fahrt auf. NABU und Tropenmediziner bitten die Bevölkerung, kranke oder verendete Tiere zu melden und möglichst zur Untersuchung einzusenden. Seit Jahresbeginn bis zum 12. August wurden dem NABU für Nordrhein-Westfalen bereits 199 Verdachtsfälle gemeldet, die 319 tote und 231 kranke Vögel betrafen. Deutschlandweit wurden bereits über 1.300 Verdachtsfälle mit über 2.500 kranken oder toten Vögeln gemeldet. Beim bisher stärksten Auftreten der Usutu-Epidemie im vergangenen Jahr waren es im gleichen Zeitraum lediglich 800 Meldungen.

 

Seit dem erstmaligen Auftreten dieses Vogelsterbens im Jahr 2011 breitet sich das von Stechmücken auf Vögel übertragene Usutu-Virus zunehmend in Deutschland aus. Waren in den ersten Jahren nur wärmebegünstigte Regionen entlang des Rheintals und am Untermain betroffen, konnte seit 2016 eine Ausbreitung über Nordrhein-Westfalen nach Norden und vor allem im Hitzejahr 2018 eine Ausbreitung in die nördlichen und östlichen Landesteile festgestellt werden. Im Sommer 2018 wurden erstmals Usutu-Infektionen für Bremen, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Thüringen und Bayern nachgewiesen. NABU-Vogelschutzexperte Lars Lachmann: „Damit ist kein deutsches Bundesland mehr Usutu-frei. Nur aus höher gelegenen Mittelgebirgsregionen werden bisher noch keine toten Vögel gemeldet.“

 

Den Höhepunkt des Vogelsterbens erwarten Vogelkundler und Virologen in den kommenden Wochen, denn die meisten Usutu-Fälle treten im August und September auf. Im Jahr 2018 entfielen 93 Prozent der insgesamt fast 13.500 Meldungen auf diese beiden Monate. „Der trocken-heiße Sommer 2018 war offensichtlich günstig für die Ausbreitung des wärmebedürftigen Usutu-Virus, auch wenn die Zahl der Mücken als potentielle Überträger aufgrund der Trockenheit allgemein eher gering war“, so Dr. Renke Lühken vom Bernhard-Nocht-Instituts für Tropenmedizin. 2019 ist genauso heiß, dabei aber deutlich feuchter und mückenreicher als das Vorjahr. Lühken: „Daher könnte die diesjährige Usutu-Saison noch stärker ausfallen.“

 

Alle im Labor eingesandten toten Vögel werden neben dem Usutu- auch auf das West-Nil-Virus getestet, das im vergangenen Jahr erstmals in Deutschland in Vögeln und Pferden nachgewiesen wurde. „Beide Viren können in seltenen Fällen auch die menschliche Gesundheit beeinträchtigen“, so Lühken.

 

Die Vogelschützer des NABU interessieren vor allem die Auswirkungen der neuen Vogelkrankheit auf die Bestände von Deutschlands häufigstem Vogel, der Amsel. Dazu vergleichen sie die Informationen über die Verbreitung des Virus mit den Ergebnissen der großen NABU-Gartenvogelzählung, der „Stunde der Gartenvögel“. Eine erste Auswertung hatte gezeigt, dass die Amselzahlen in von Usutu betroffenen Gebieten stärker zurückgegangen waren als im übrigen Deutschland. Bisher ist jedoch noch völlig unklar, ob sich betroffene Bestände wieder vollständig erholen können, dauerhaft reduziert bleiben oder gar immer weiter abnehmen werden.

 

Lachmann: „Leider kann man Usutu-Infektionen weder verhindern noch behandeln. Der NABU ruft daher alle Vogelfreunde dazu auf, zumindest dafür zu sorgen, dass Amseln und andere Gartenvögel in naturnahen Gärten gute Lebensbedingungen vorfinden, um die Verluste durch die neue Vogelkrankheit durch guten Bruterfolg wieder ausgleichen zu können.“

 

Aufruf zur Meldung und Einsendung toter Amseln: www.nabu.de/usutu-melden

 

Mehr Infos zu Usutu: www.nabu.de/usutu

 

Kostenfreie Pressebilder: www.NABU.de/pressebilder_usutu

 

Für Rückfragen:

Lars Lachmann, Funktion Ressort, Tel. +49 (0)30.28 49 84-1620, E-Mail: Lars.Lachmann@NABU.de

 

Dr. Renke Lühken, Usutu-Experte des Bernhard-Nocht-Instituts für Tropenmedizin, Tel. +49 (0)40-42818 862, E-Mail: luehken@bnitm.de

 

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Herausgeber: NABU Nordrhein-Westfalen, 40219 Düsseldorf

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PRESSEMITTEILUNG EDELKREBSPROJEKT NRW| Nr. 42/19 | 09. August 2019

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Gewässer für den Edelkrebs gesucht

Edelkrebsprojekt NRW bittet Bevölkerung um Mithilfe

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Düsseldorf Ursprünglich war der Edelkrebs (Astacus astacus) in Mitteleuropa weit verbreitet. Heute finden sich die wenigen verbliebenen Edelkrebsbestände überwiegend in Oberläufen von Fließgewässern oder in abgeschlossenen Gewässern. Für den Erhalt der heimischen Flusskrebse sucht das Edelkrebsprojekt NRW nun weitere geeignete Wiederansiedlungsgewässer und bittet dabei die Bevölkerung um Mithilfe.

Die größte Gefahr geht von invasiven, amerikanischen Flusskrebsarten und der von ihnen eingeschleppten Krankheit - der „Krebspest“ - aus. Natürliche Vorkommen des heimischen Edelkrebses in Nordrhein-Westfalen existieren fast nicht mehr. Um den Edelkrebs in NRW zu erhalten, müssen die weiter auftretenden Verluste durch Wiederansiedlungsmaßnahmen in geeigneten Gewässern ausgeglichen werden.

Seit 2016 führt das Edelkrebsprojekt NRW mit regionalen Kooperationspartnern aktiv Wiederansiedlungen des Edelkrebses durch. Alle Gewässer werden vorher von Mitarbeitern des Edelkrebsprojektes auf ihre Eignung geprüft: Gewässer die im Sommer eine Mindesttemperatur von 15 °C erreichen, über lehmige Ufer und viele Versteckmöglichkeiten, wie grobe Steine, Wurzeln und Totholz verfügen, sind als Lebensrum geeignet. Ganz wichtig ist: Es dürfen keine amerikanischen Flusskrebsarten im Gewässer selbst und im näheren Umfeld vorkommen, damit die Gefahr der Krebspestübertragung möglichst gering bleibt.  Grundsätzlich ergeben sich aus einer Edelkrebswiederansiedlung keine Nutzungsbeschränkungen.

Wem ein Gewässer bekannt ist, das für die Wiederansiedlung von Edelkrebsen geeignet sein könnte oder wer weitere Informationen zum Aufruf wünscht, wenden sich gerne an:

Edelkrebsprojekt NRW, Marina Nowak, Neustraße 7, 53902 Bad Münstereifel, Tel.: 01577 6216374, E-Mail: info@edelkrebsprojektnrw.de

Das Edelkrebsprojekt NRW ist ein gemeinsames Projekt des Fischereiverbandes NRW und des NABU NRW . Gefördert wird es vom Umweltministerium NRW und der HIT-Umwelt und Naturschutz Stiftungs-GmbH. Weitere Informationen zum Projekt gibt es unter www.edelkrebsprojektNRW.de.

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Herausgeber: NABU Nordrhein-Westfalen, 40219 Düsseldorf

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PRESSEMITTEILUNG NABU NRW | Nr. 41/19 | 07. August 2019

 

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Siebenschläfer haben wieder Nachwuchs

 

Webcam des NABU Leverkusen gewährt Einblicke in Jungenaufzucht und Familienleben der Bilche________________________________________________________________

Leverkusen/Düsseldorf – Nachdem auch in diesem Jahr schon viele schöne Situationen in den Höhlen der Leverkusener Siebenschläfer live zu beobachten waren, ist es jetzt endlich soweit: Ein Siebenschläferweibchen hat Junge geboren und gewährte erste Blicke auf die neuen Erdenbürger. Gestern gegen 9 Uhr kamen die ersten beiden Jungen zur Welt. Bis heute ist ihre Zahl auf vier Jungtiere angewachsen.

„Diese Nisthöhle war von Anfang an gut besucht“, so Regine Kossler, Projektdurchführende des seit März 2015 laufenden Leverkusener Siebenschläferprojekts. Das Muttertier habe Buchen- und Eichenblätter eingetragen, damit die Jungen weich und warm liegen und gut versteckt werden können, wenn die Mutter nachts auf Futtersuche geht. Mit etwas Glück konnten die vielen Internet-Betrachter, die dank der im Rahmen des Projektes installierten Webcam die Jungenaufzucht jetzt wieder weltweit live im Internet verfolgen können, die Geburt miterleben. Bei dem anhaltend warmen Wetter sei auch die Chance groß, nun einen Blick auf die Jungtiere zu erhaschen.

„Drei bis vier nackte und blinde Leichtgewichte, die gerade einmal je 5 Gramm auf die Waage bringen haben das Licht der Welt erblickt. So frisch nach der Geburt präsentieren sie sich noch in einem kräftigen rosa - aber diese Phase dauert nicht lange. Schon nach 12 Tagen wird das erste hellgraue Jugendfell gewachsen sein“, erklärt Kossler.

Bei Siebenschläfern kommen die Jungen ohne Fell auf die Welt. Sie sind bei der Geburt so groß wie eine Bohne, haben die Augen noch geschlossen und könnten in den ersten Tagen noch nicht sehen. Sie sind daher vollkommen hilflos auf ihre Mutter angewiesen, die sich fürsorglich um sie kümmert. Über die weltweit einzige Nistkastenkamera bei Siebenschläfern kann nun beobachtet werden, wie sie krabbeln und gesäugt werden. Kossler: „Da die Kleinen noch kein Fell haben, werden sie häufig von der Mutter gewärmt und sind dann natürlich schwerer zu erkennen - Naturbeobachtungen brauchen halt ein wenig Geduld.“

Durch die nährreiche Muttermilch wachsen die Jungen enorm schnell. In den kommenden sechs Wochen werden sie immer frecher und selbstständiger und trainieren ihre Fähigkeiten. Nach dieser Zeit unternehmen sie bereits die ersten Ausflüge in die Umgebung, kommen aber immer wieder in die Höhle zurück. Der Siebenschläfervater jedoch ist während der gesamten Aufzucht der Jungen von Natur aus nicht mehr zu sehen.

 

„Wir freuen uns, dass wir bereits im sechsten Jahr hintereinander Junge bei den Leverkusener Siebenschläfern haben“ berichtet Erich Schulz, der erste Vorsitzende des NABU Leverkusen. Die Resonanz auf dieses einzigartige Projekt ist riesig. So war unsere live-Webcam mit Bildern aus dem Nest der Leverkusener Siebenschläfer auch 2018 weltweit wieder sehr beliebt! Über 88.000 Zuschauer aus mehr als 60 Ländern haben sich das Familienleben der kleinen Kobolde der Nacht über das Siebenschläfer-TV angeschaut. Zum Vergleich: Im ersten Jahr des Projektes (2015) starteten wir mit 10.000 Zuschauern.

Bis Mitte Oktober ist der Blick in die Wohnstube der Siebenschläfer über die Live-Webcam des NABU Leverkusen möglich: http://nabu-leverkusen.de/nabubund-leverkusen/wir-ueber-uns/projekt-siebenschlaefer/live-webcam-2/. Ermöglicht wird das Projekt durch umfangreiche ehrenamtliche Arbeit der Mitglieder des NABU Leverkusen und die Förderung durch die deutsche Postcode-Lotterie.

Wer aktuell immer Bescheid wissen möchte, über die Facebookseite "Familie Siebenschläfer – geheimnisvolle Nachtschwärmer" werden immer die neuesten Infos zum Familienleben gepostet: https://www.facebook.com/familiesiebenschlaefer/

 

Für Rückfragen:
Regine Kossler, Projektkoordinatorin NABU-Siebenschläferprojekt, Tel.: +49 151 56 10 50 99, Mail:
regine.kossler@nabu-leverkusen.de  

 

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Herausgeber: NABU Nordrhein-Westfalen, 40219 Düsseldorf

 

Redaktion: NABU-Pressestelle NRW, Birgit Königs (verantwortlich)

 

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PRESSEMITTEILUNG NABU NRW | Nr. 40/19 | 05. August 2019

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Die ersten Zugvögel fliegen gen Süden

NABU:  Mauersegler haben NRW auf dem Weg in ihre Winterquartiere verlassen | Störche werden bald folgen

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Düsseldorf Noch sind die Tage sommerlich warm, doch für die ersten Zugvögel ist die Saison schon vorbei. Sie machen sich jetzt auf den Weg in ihre südlich gelegenen Winterquartiere. In den nächsten Wochen und Monaten wird wieder ein reger „Rückreiseverkehr“ einsetzen. Den Anfang haben die Mauersegler gemacht. Pünktlich Anfang August haben sie Nordrhein-Westfalen verlassen.

 

Mauersegler sind Langstreckenzieher, die südlich der Sahara in Äquatorialafrika, vor allem im Kongobecken überwintern. „Der Abflug der Mauersegler hängt nicht mit dem Wetter zusammen, sondern mit der Länge der Tage und dem zunehmend geringeren Nahrungsangebot“, erklärt Heinz Kowalski, Ornithologe beim NABU NRW. Viele Zugvögel verbringen den Winter in Afrika und rund um das Mittelmeer, weil sie dort dann genügend Insektennahrung finden. Im Spätwinter und zeitigen Frühjahr kommen sie bereits nach NRW zurück, weil sie dann hier wiederum die Insektennahrung finden, die sie zur Aufzucht ihrer Brut benötigen. Mauersegler kehren in der Regel bereits Ende April zum Brüten zu uns zurück. Kowalski: „Mit den Mauerseglern kann man fast den Kalender stellen - jedes Jahr um den 1. Mai kommen sie zu uns und um den 1. August sind sie wieder weg.“

 

Mit ihren durchdringenden „sriih-sriih“-Rufen kündigen sie dann für viele Menschen in der Stadt den Sommer an. Ihre Brutzeit erstreckt sich bis Ende Juli. Während dieser kann man die Mauersegler bei ihrem rasanten Flug um die Häuser beobachten. Sie sammeln dabei Fluginsekten aus der Luft, die sie trotz ihrer Geschwindigkeit von 80 Stundenkilometer erkennen und mit ihrem breiten Schnabel aufsammeln“, so Kowalski weiter. Mauersegler sind typische Stadtbewohner. Ursprünglich Felsbrüter sind sie heute an hohen Gebäuden wie Wohnblocks, Altbauten, Türmen und Fabriken anzutreffen. Die Vögel halten sich fast ausschließlich in der Luft auf und schlafen auch im Flug. Nur während der Brutzeit fliegen sie ihre Nistplätze an.

Den Mauerseglern folgen bald schon weitere Zugvögel gen Süden. Bis Ende August werden sich auch Weißstörche, Kuckuck und Nachtigall auf den Weg machen, während andere noch länger bei uns verbleiben, wie zum Beispiel die Mehl- und Rauchschwalben. Allerdings werden es von Jahr zu Jahr weniger, die im Frühjahr zu uns zurückkehren. „Ihre Nahrung wird weniger, denn sie sind von Insekten abhängig von denen es immer weniger gibt“, sagt Kowalski. „Das betrifft sowohl Mitteleuropa als auch Afrika, denn auch dort nehmen die Monokulturen mit dem Einsatz von Pestiziden und Dünger zu.“

 

Für Rückfragen:

Heinz Kowalski, Ornithologe beim NABU NRW, mobil: 0160-8856396

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Herausgeber: NABU Nordrhein-Westfalen, 40219 Düsseldorf

Redaktion: NABU-Pressestelle NRW, Birgit Königs (verantwortlich)

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PRESSEMITTEILUNG NABU NRW | NR 33 | 11. Juli 2019

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NRW weiter auf dem Weg in die ökologische Sackgasse

NABU: Aufgabe des 5-Hektar-Ziels im Landesentwicklungsplan ist eine Katastrophe für die Umwelt | Naturschutzetat viel zu gering

 

Düsseldorf – Anlässlich der heutigen Landtagssitzung kritisierte der NABU NRW die aktuelle Ausrichtung der Naturschutz - und Umweltpolitik der Landesregierung erneut als Weg in die ökologische Sackgasse. „Die Aufgabe des 5-Hektar-Ziels im gerade verabschiedeten Landesentwicklungsplan ist eine Katastrophe für Umwelt und Natur“, erklärte Heinz Kowalski, stellvertretender Landesvorsitzender des NABU. Damit würden dem ungezügelten Landschaftsverbrauch Tür und Tor geöffnet.

 

Denn trotz des bisher festgesetzten Ziels von 5 Hektar würden in NRW zurzeit täglich zwischen 12 und 20 Hektar unter Beton und Asphalt verschwinden. Das sind etwa 15 Fußballfelder täglich, die für die Natur und die Landwirtschaft verloren sind. Die Bundesregierung hatte deshalb bereits vor Jahren beschlossen, den Landschaftsverbrauch deutschlandweit auf 30 Hektar pro Tag zu begrenzen. Auf NRW würden davon rund 5 Hektar entfallen. „Tatsächlich werden aber  täglich weiter Logistikcenter, Baumärkte, Parkplätze oder Gewerbe- und Wohngebiete auf die grüne Wiese gesetzt, statt städtische Brachflächen zu nutzen, mehrstöckig zu bauen und die vielen Empfehlungen zu berücksichtigen, die inzwischen für ein flächensparendes Bauen bekannt und erfolgreich erprobt sind“, so Kowalski weiter.

 

Mit der Verabschiedung des neuen Landesentwicklungsplans habe sich Nordrhein-Westfalen von diesem Ziel der Bundesregierung nun vollends verabschiedet und überhaupt keine Zielgröße mehr benannt. Kowalski:  „Da muss man sich nicht mehr wundern, wenn die Insekten wegsterben und die Vögel immer weniger werden“. Gleichzeitig fordern die Bundeskanzlerin und die Landwirtschaftsministerin dazu auf, mehr Flächen für Baumpflanzungen zur Verfügung zu stellen, damit die Bäume als CO2-Speicher einen Beitrag zum Klimaschutz in der Übergangszeit bis zur klimaneutralen Energiewende leisten können. „Auf dem Beton der Landesregierung werden sie nicht wachsen können“, so Kowalski.

 

Angesichts der Herausforderungen durch den Klimawandel und das Artensterben müsse zudem der Naturschutzetat im Haushaltsentwurf der Landesregierung für 2020 deutlich erhöht werden. Der Anfang dieser Woche vorgestellte NRW-Haushalt für das kommende Jahr sieht mit 1.043.633 € bei einem Gesamthaushalt von rund 80 Milliarden gerade nur 1,3 Prozent für Umwelt, Natur, Landwirtschaft und Verbraucherschutz vor. „Viel zu wenig“, sagt der stellvertretende NABU-Landeschef. Investitionen in eine gesunde Zukunft seien heutzutage unverzichtbar und das müssten Investitionen in gute Luft, Gewässerschutz, Waldumbau, Wärmedämmung, Solar-Dächer-Programme, Insektenschutz, Biologische Landwirtschaft und ähnliches mehr sein.

 

Die jungen Generationen, die freitags auf die Straße gehen, fordern wie der NABU genau solche Zukunftsinvestitionen. „Der Haushaltsentwurf der Landesregierung mit diesem viel zu geringen Ansatz für Umwelt und Natur ist genau das Gegenteil dessen, was aktuell und in den kommenden Jahren unverzichtbar ist“, so Kowalski. Deshalb fordere der NABU die Landtagsfraktionen auf, den Ansatz auf mindestens 2 Milliarden Euro zu erhöhen. 

 

Für Rückfragen: Heinz Kowalski, stellvertretender Vorsitzender NABU NRW, mobil: 0160 885 63 96

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Herausgeber: NABU Nordrhein-Westfalen, 40219 Düsseldorf

 

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PRESSEMITTEILUNG NABU NRW | Nr. 38/19 | 27.07.2019

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Konsequentes Handeln ja, aber rechtssicher

NABU NRW stellt Schäfern Data-Logger zur Verfügung | Abschuss eines auffälligen Wolfs darf nur allerletztes Mittel sein

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Düsseldorf – Er ist zurück in NRW – der Wolf. Mittlerweile sind in Nordrhein-Westfalen drei Wolfsgebiete ausgewiesen. Zudem reicht das rheinland-pfälzische Wolfsgebiet „Stegskopf“ mit seiner Pufferzone bis nach NRW hinein. Die seit Juni 2018 standorttreue Wölfin im „Wolfsgebiet Schermbeck“ sorgt mit immer neuen Rissen von Schafen und Ziegen für zunehmende Besorgnis und Ärger insbesondere unter den Nutztierhaltern. Der NABU NRW lud nun gemeinsam mit der Stiftung Dingdener Heide zur Präsentation verschiedener Zaunelemente sowie zur Diskussion rund um die Möglichkeiten erfolgreichen Herdenschutzes in die Dingdener Heide. Treffpunkt war hier der neu errichtete Wolfinformationspfad. Komplettiert wurde das Programm durch die Wanderausstellung zur „Rückkehr des Wolfes nach NRW“.

„Wildtiere wie der Wolf nutzen die Nahrung, die für sie am einfachsten zu erreichen und am häufigsten vorhanden ist. Schafe sind relativ wehrlos und langsam und daher manchmal leichte Beute. Deshalb ist ein geeigneter Schutz notwendig“, so Christian Chwallek, stellvertretender Landesvorsitzender des NABU NRW. Mit entsprechend angepassten Herdenschutzmaßnahmen wie Elektrozäunen lassen sich Nutztiere in der Regel aber erfolgreich schützen – zum Beispiel auch gegen wildernde Hunde. Einen hundertprozentigen Schutz gebe es aber leider nicht.

Der Aufbau solcher wolfsabweisender Zäune bedeutet aber nicht nur einen erhöhten Arbeitsaufwand für Schafhalter, sondern auch zusätzliche finanzielle Aufwendungen.

An flächendeckendem, fachgerechtem Herdenschutz in Wolfsgebieten führt jedoch kein Weg vorbei“, sagt Thomas Pusch, Wolfsexperte des NABU NRW. Prävention müsse immer das erste Mittel der Wahl bleiben und helfe dabei, dass Lerneffekte bei Wölfen und damit auch Entnahme-Situationen gar nicht erst entstehen.

 

In Schermbeck sei insgesamt zu langsam gehandelt worden. Dennoch müsse man nun schauen wie man mit den zur Verfügung stehenden Mitteln einen Herdenschutz gewährleisten kann, der es der Wölfin zunehmend schwerer macht weiter Schafe zu reißen. Neben der Erhöhung der Zäune auf 120 cm käme hierfür der Einsatz neuester Technik in Frage. Data-Logger würden die am Zaun anliegende Spannung dauerhaft kontrollieren und dem Schäfer bei Abfall der Spannung sofort ein Signal melden. Mit Hilfe dieser Technik ließe sich also sicherstellen, dass der Zaun jederzeit die notwendige Spannung aufweist.

 

Dies hält nicht nur den Wolf von der Herde fern. Im Falle eines Risses dienen die Aufzeichnungen des Gerätes auch als Nachweis für einen ordnungsgemäß ausgeführten Herdenschutz. “Das schafft letztendlich Rechtssicherheit in der Beurteilung, wenn ein Wolf diesen dennoch überwunden hat“, so Pusch weiter.

 

Die Tötung von Wölfen darf nur im Einzelfall, nach Prüfung aller zur Verfügung stehenden Alternativen erfolgen.“ Noch sei der Wolf eine streng geschützte Art und habe nicht den Status des günstigen Erhaltungszustandes erreicht.

 

Den Ängsten der Bevölkerung begegnet der NABU NRW weiterhin mit Aufklärungsarbeit. Das von der Stiftung Umwelt und Entwicklung NRW geförderte neue Bildungsprojekt „Der Wolf macht Schule“ wird ab September mit einer überarbeiteten und erweiterten interaktiven Wanderausstellung zum Wolf durch NRW touren. Die Ausstellung kann beim NABU NRW entliehen werden. In erster Linie wendet sich das neue Bildungsprojekt gezielt an die junge Generation. Ein an den Lehrplan der verschiedenen Jahrgangsstufen (5-8) angepasstes, zweistündiges Programm zum Wolf greift unter anderem Themen der Abstammung des „besten Freundes des Menschen“, Sinnesleistungen von Wölfen und die Rolle des Wolfes im Ökosystem auf.

 

Weitere Informationen zum Bildungsprojekt „Der Wolf macht Schule“ unter http://www.Wolf-macht-Schule.de

 

Ausführliche Informationen zum Wolf in NRW unter www.willkommen-wolf-in-nrw.de oder www.nrw-wolf.de

Mehr zu Deutschlands Wölfen unter www.NABU.de/wolf 

Kostenfreie Pressebilder zum Wolf: www.nabu.de/presse/pressebilder/index.html#wolf

Für Rückfragen:

Christian Chwallek, stellv. Vorsitzender des NABU NRW, mobil: 0172 30 50 359

Thomas Pusch, Sprecher des LFA Wolf, Tel.: 05202 5416, mobil: 0170 21 58 624

Katharina Stenglein, Projektkoordinatorin „Der Wolf macht Schule“ beim NABU NRW, Tel.: 0211-15 92 51-45, mobil: 0176-433 100 88; Mail: katharina.stenglein@NABU-NRW.de

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Herausgeber: NABU Nordrhein-Westfalen, 40219 Düsseldorf

Redaktion: NABU-Pressestelle NRW, Birgit Königs (verantwortlich)

Tel. 0211.15 92 51 - 14 | Fax -15 | E-Mail: B.Koenigs@NABU-NRW.de


PRESSEMITTEILUNG NABU NRW | Nr. 36/19 | 23.07.2019

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Kohlweißlinge und Distelfalter am häufigsten gemeldet

NABU stellt Ergebnisse der Schmetterlings-Zählaktion in NRW vor | Die Meldungen der meisten Tagfalterarten sind geringer als in den Vorjahren

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Düsseldorf – Bereits seit 5 Jahren ruft der NABU mit dem Projekt „Zeit der Schmetterlinge“, das in diesem Jahr von der Deutschen Postcode Lotterie gefördert wird, vom 15. Juni bis 15. Juli zum Zählen aller Tagfalter auf. Nun wurden wieder 4 Wochen lang die Schmetterlinge in NRW gezählt. Für eine Überraschung sorgte diesmal der Distelfalter: Das Schlusslicht der Vorjahre wurde in diesem Jahr am zweithäufigsten gemeldet und flog somit beinahe so oft durch die Gärten wie die Kohlweißlinge. Die Zahlen der anderen Tagfalterarten sind hingegen besorgniserregend niedrig.

 

Das Ergebnis im Detail: Mit 1650 Meldungen sind die Kohlweißlinge wieder die meist beobachteten und gemeldeten Tagfalter. Im Vergleich zu 2018 mit 13.000 Kohlweißling-Meldungen waren die weißen Falter allerdings viel seltener unterwegs. Auf dem zweiten Platz liegt in diesem Jahr überraschenderweise und erstmalig seit Beginn der Zählaktion der Distelfalter mit 1200 Meldungen. Dieser Wanderfalter ist somit die einzige Falterart der Zählaktion, die in diesem Jahr häufiger beobachtet werden konnte als 2018. Alle anderen Arten wurden deutlich seltener gesehen: Platz 3 belegt mit 1100 Meldungen das Große Ochsenauge. Je 500 Mal wurden die Braun-Dickkopffalter und der Schornsteinfeger gemeldet. Zitronenfalter (400), Bläulinge (350) und Admiral (250) sind ebenfalls deutlich seltener gesehen worden als im Vorjahr. Gleichauf liegen die Beobachtungszahlen von C-Falter und Tagpfauenauge: Mit jeweils 200 Meldungen liegen sie zusammen auf dem vorletzten Platz der Zählaktion. Das Schlusslicht bildet in diesem Jahr der Kleine Fuchs, er wurde nur knapp 100 Mal gemeldet.  

 

Die hohe Anzahl der Distelfalter lässt sich auf ein Naturphänomen zurückführen, welches etwa alle 10 Jahre zu beobachten ist. Wie zuletzt 2009 kam es in diesem Jahr zu einer Masseneinwanderung dieser Tagfalterart aus Ost und Südost. Der Grund hierfür lag in Saudi Arabien, hier hatten Raupenfutterpflanzen des Falters durch hohe Niederschlagsmengen wohl ein gutes Jahr. Daher konnten sich besonders viele Distelfalter entwickeln und sich nach ihrer Raupen- und Puppenphase dann über das östliche Mittelmeer, die Türkei und den Balkan auf den Weg nach Norden machen. Die lange Reise sah man den guten Fliegern auch an, sie waren blass und die Flügel wiesen deutliche Gebrauchsspuren auf. „Kein Wunder“, bestätigt Karl-Heinz Jelinek, Sprecher des NABU-Landesfachausschusses Entomologie: „Die Distelfalter, die wir hier zählen konnten, hatten teilweise mehrere hundert Kilometer in wenigen Tagen zurückgelegt. Diese Falterart zeigt ein beeindruckendes Wanderverhalten, welches es ihr ermöglicht temporäre Nahrungshabitate optimal zu nutzen in dem sie ihnen einfach nachreist. Je nach Jahreszeit reicht das Nutzungshabitat daher von Island bis zur Sahelzone, es erstreckt sich also über ein Gebiet von 7000 Kilometern“.

 

Erschreckend gering sind dagegen die Meldungen der anderen Tagfalterarten in diesem Jahr: „Viele Teilnehmer berichten von auffallend wenigen Schmetterlingen im Garten und sind sehr besorgt, was den Bestand unserer heimischen Tagfalter betrifft“, so Christian Chwallek, stellvertretender Vorsitzender des NABU NRW. Vor allem die kühle Witterung im Mai, aber auch die Dürre des letzten Sommers kommen hier als Gründe in Frage. Vermutlich sind besonders bei den Falterarten mit Spätsommergenerationen, wie dem Tagpfauenauge, ganze Generationen der Trockenheit zum Opfer gefallen, da die Raupenfutterpflanzen vertrocknet sind.

 

Untersuchungen der letzten Jahrzehnte belegen erschreckende Rückgänge nicht nur bei der Artenvielfalt, sondern auch bei der Menge der Insekten. Die Meldungen früherer Allerweltsarten wie dem Kleinen Fuchs gehen seit Jahren zurück und sind so gering wie nie zuvor. „Umso erfreulicher ist daher die Konsequenz, die viele Teilnehmer aus dieser Beobachtung ziehen: Sie möchten ihren Garten schmetterlingsfreundlich machen“, so Chwallek weiter. Wie genau das geht, welche Pflanzen Schmetterlinge besonders mögen, Beispielgärten und Porträts der 50 häufigsten Tagfalter, ist auf der Projekt-Homepage unter www.schmetterlingszeit.de. nachzulesen.

 

Mit der Zählaktion,  möchte der NABU NRW aufmerksam machen auf Schmetterlinge und möglichst viele Menschen dazu motivieren die Falter bei der Gestaltung von Garten und Balkon zu berücksichtigen: „Mit der Anpflanzung von heimischen Pflanzen, die Schmetterlinge als Raupenfutter und Nektarquelle nutzen können, kann jeder seinen Beitrag leisten“ so Chwallek.

 

Die Meldungen der Zählaktion gingen über den NABU NRW und über die Onlineplattform des Kooperationspartners naturgucker.de ein. Wer in diesem Sommer weiterhin Schmetterlinge melden möchte, kann dies gern über folgenden Link tun: http://www.naturgucker.de/.  

 

Für Rückfragen:

Karl-Heinz Jelinek, Sprecher Landesfachausschuss Entomologie, mobil: 0151 15 211 483

Christian Chwallek, stellvertretender Vorsitzender NABU NRW, mobil: 0172 3050359

Sarah Bölke, Projektleitung „Zeit der Schmetterlinge“, Tel.: 0211-15 92 51 52

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Herausgeber: NABU Nordrhein-Westfalen, 40219 Düsseldorf

Redaktion: NABU-Pressestelle NRW, Birgit Königs (verantwortlich)

Tel. 0211.15 92 51 - 14 | Mail: B.Koenigs@NABU-NRW.de 


NABU NRW-PRESSEMITTEILUNG | NR 32/18 | 07. Juli 2019

 

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Dr. Heide Naderer ist neue Landesvorsitzende

 200 Delegierte tagten in Kreuztal | NABU NRW bleibt weiter auf Wachstumskurs

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Düsseldorf/Kreuztal –  Dr. Heide Naderer ist neue Vorsitzende des NABU Nordrhein-Westfalen. Die 54-Jährige wurde am heutigen Sonntag im Rahmen der NABU-Landesvertreterversammlung in Kreuztal von den rund 200 Delegierten der nordrhein-westfälischen NABU-Gruppen gewählt. Naderer tritt damit die Nachfolge von Dr. Josef Tumbrinck an, der im April als Unterabteilungsleiter Naturschutz ins Umweltministerium gewechselt und daher aus dem Amt ausgeschieden war. Der NABU Nordrhein-Westfalen, dem Naderer nun vorsteht, ist mit weit über 90.000 Mitgliedern der mitgliederstärkste Naturschutzverband in NRW und bundesweit der drittgrößte NABU-Landesverband.

 „Ich freue mich sehr über das Mandat und bedanke mich für das große Vertrauen, das die NABU-Delegierten in mich setzen“, sagte die neue Landesvorsitzende nach der Wahl. „Gemeinsam mit der großen NABU-Familie werde ich mit voller Kraft den erfolgreichen Weg meines Vorgängers Josef Tumbrinck fortführen und weiter für die zentralen Ziele des NABU kämpfen: für mehr lebendige Vielfalt in Wäldern und Mooren, auf Äckern, Wiesen und Weiden. Für eine naturverträgliche Energiewende, für das europäische Naturschutzprogramm Natura 2000 und für ein Nordrhein-Westfalen, in dem der Naturschutz einen hohen Stellenwert hat.“

 Die ehemalige Präsidentin der Hochschule Rhein-Waal hat sich für ihre Amtszeit einiges vorgenommen: Hierzu zählt unter anderem die Umsetzung einer integrierten Naturschutzpolitik, die Kreise, Städte und Kommunen mit einbezieht und dafür Sorge trägt, das Naturschutzgebiete auch zukünftig gesichert sind und die Ökologisierung der Landwirtschaft sowie eine naturverträgliche Waldwirtschaft vorangetrieben werden. Wichtig sei zudem eine handlungsorientierte Klimapolitik, die den besonderen Bedingungen des Industrie- und Wirtschaftsstandortes NRW gerecht werde und gemeinsam Lösungen und Handlungsansätze diskutiert und etabliert. Zum anderen gelte es, den NABU für die Zukunft gut aufzustellen. „Klar ist, wir wollen weiter wachsen – sowohl hinsichtlich der Zahl unserer Mitglieder als auch bei denjenigen, die sich im NABU ehrenamtlich für die Natur einsetzen. Das Ehrenamt zu unterstützen, die Aktiven zu qualifizieren und den NABU vor Ort zu stärken – das habe ich mir als Vorsitzende ins Aufgabenheft geschrieben.“

Dr. Heide Naderer wurde 1964 in Moers am Niederrhein geboren. Ihre berufliche Biografie hat sich in den vergangenen 15 Jahren im Wesentlichen im Wissenschafts- und Hochschulbereich bewegt. Als Präsidentin der Hochschule Rhein-Waal, hat sie den ersten Entwicklungsplan für diese Hochschule mit der Priorität “Sustainabilty’ (und “Internationales”) entwickelt und die Förderung eines Green FabLab für die Landesgartenschau 2020 in Kamp-Lintfort mit auf den Weg gebracht. Dr. Naderer war bereits in den 1980er Jahren beim heutigen NABU Wesel, damals noch „Deutscher Bund für Vogelschutz (DBV), aktiv.

 

Goldene Ehrennadel für Dr. Josef Tumbrinck

 

Noch bevor Naderer zur neuen Landesvorsitzenden gewählt wurde, zeichnete NABU-Präsident Olaf Tschimpke den vorherigen Amtsinhaber Josef Tumbrinck mit der NABU-Ehrennadel in Gold aus. Tumbrinck erhielt die Nadel für seine besonderen Verdienste um den Naturschutz in Nordrhein-Westfalen und um den NABU unter großem Beifall der Delegierten.

„Josef Tumbrinck hat den NABU Nordrhein-Westfalen 23 Jahre lang als Vorsitzender geführt – stets engagiert, mit viel Herzblut, ebenso viel Fachwissen und durchaus streitbar in der Sache. Ohne diesen großen Einsatz stünden wir heute bei Weitem nicht so gut da. Das gilt auch für aktuelle Herausforderungen. Als einer der ersten hat Josef Tumbrinck auf ein alarmierendes Insektensterben aufmerksam gemacht und entsprechende Aktivitäten zum Insektenschutz maßgeblich im Verband vorangetrieben. Dafür sagt der NABU mit der Goldenen Ehrennadel Danke“, betonte Tschimpke. „Ein herzliches Dankeschön geht auch an die drei Stellvertreter Heinz Kowalski, Christian Chwallek und Stefan Wenzel, die seit April ohne zu zögern die große Herausforderung angenommen haben, den Landesverband ein viertel Jahr lang ehrenamtlich zu führen.“

Der zukünftigen Vorsitzenden wünschte Tschimpke vorab schon einmal viel Glück und Erfolg. „Josef Tumbrinck hat große Fußspuren hinterlassen. Umso mehr freue ich mich, dass in NRW nun erneut ein engagierter Naturschützer das Amt bekleiden wird und diese Herausforderung annimmt. Wir freuen uns auf eine gute Zusammenarbeit!“

Verbandsintern beschäftigte die Delegierten darüber hinaus der Jahresbericht 2018. Hier gab es einige Erfolge zu vermelden: Der NABU wächst zwischen Rhein und Weser – und zwar in erfreulichem Umfang. Allein im vergangenen Jahr kamen über 6600 neue Mitglieder hinzu. So konnte zum Jahresbeginn 2019 das 90.000ste Mitglied im Kreis Siegen-Wittgenstein begrüßt werden. Im Dreijahres-Intervall zwischen dem Jahresbeginn 2016 und dem Jahresbeginn 2019 wurden insgesamt knapp 20.000 Neumitglieder in den Verband aufgenommen.

„Diese enorme Steigerung erreichte der NABU NRW mit Unterstützung seiner Aktiven, die mit zahlreichen Veranstaltungen und Führungen über die Zusammenhänge in der Natur und die Herausforderungen im Umwelt- und Klimaschutz informierten. Am überzeugendsten bleibt dabei das Engagement des NABU in konkreten Projekten und bei unzähligen praktischen Maßnahmen“, so Bernhard Kamp, Geschäftsführer des NABU NRW. Dieser positive Trend hielte auch aktuell weiter an. Das kontinuierliche Mitgliederwachstum sorge zudem für stabile Finanzen. Mit einem Umsatz von gut 1,9 Millionen Euro bewegte sich der Haushalt des NABU NRW im Jahr 2018 im Rahmen des Vorjahres.

Den vollständigen Jahresbericht finden Sie im Internet unter www.nabu-nrw.de.

 

Für Rückfragen:

 

Heinz Kowalski, stellv. Vorsitzender NABU NRW, mobil:0160 8856396

 

Christian Chwallek, stellv. Vorsitzender NABU NRW, mobil: 0172 3050359

 

Bernhard Kamp, Geschäftsführer NABU NRW, 0211-15 92 51-11

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Herausgeber: NABU Nordrhein-Westfalen, 40219 Düsseldorf

 

Redaktion: NABU-Pressestelle NRW, Birgit Königs (verantwortlich)

Tel. 0211.15 92 51 - 14 | mobil: 0173 4699296 | E-Mail: B.Koenigs@NABU-NRW.de



2. NRW-Naturschutztag unter dem Motto "Stoppt den Artenverlust"

2. NRW-Naturschutztag unter dem Motto "Stoppt den Artenverlust" am 02. November 2019 ab 10.00 Uhr im Hörsaal des Zoologischen Forschungsmuseum Alexander Koenig in Bonn.

Save-the-date: 2. NRW-Naturschutztag

 

"Stoppt den Artenverlust"

 

Viele von euch/Ihnen engagieren sich bereits landesweit zu verschiedenen Naturschutzthemen in Fachgruppen, Kooperationen und bei praktischen Naturschutzmaßnahmen und helfen so unsere biologische Vielfalt und damit unsere Lebensgrundlage zu erhalten oder wiederherzustellen. All diese Aktiven und die, die es noch werden möchten, möchte der NABU-Landesverband Nordrhein-Westfalen gemeinsam mit dem Zoologischen Forschungsmuseum Alexander Koenig nun beim 2. NRW-Naturschutztag wieder zusammen bringen. Diskutieren und tauschen Sie sich mit uns und anderen Engagierten über den aktuellen Stand der biologischen Vielfalt in NRW und Strategien für bessere Schutzmaßnahmen aus.
Vertreterinnen und Vertreter des amtlichen und ehrenamtlichen Naturschutzes sowie der Wissenschaft werden sich und ihre Ideen und Projekte präsentieren und mit Ihnen über zukunftsfähige Strategien diskutieren.

Wilde Orchidee Foto: Caroline Dormans

Zudem versteht sich der NRW-Naturschutztag als Kontaktbörse für alle an der Thematik und am Aktiv-werden Interessierte. Insbesondere ein Markt der Möglichkeiten mit Informations- und Aktionsständen und Posterwänden soll dazu beitragen auch Jüngeren und Neuen den Kontakt mit (Fach-)Gruppen, Initiativen, Einrichtungen und Verbänden zu erleichtern.

Wann: 02. November 2019 ab 10.00 Uhr
Wo: Hörsaal des Zoologischen Forschungsmuseum Alexander Koenig in Bonn


Weitere Informationen zum Programm und Anmeldedetails werden an dieser Stelle bekannt gegeben.
Bei Fragen wenden Sie sich bitte an Info@NABU-NRW.de


Die Anmeldung und weitere Informationen zum Programm folgen im Sommer auf unserer Homepage.


PRESSEMITTEILUNG NABU NRW | NR 21/19 | 07. Mai 2019
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Klimakrise und Verlust der Artenvielfalt sind größte Bedrohungen für die Menschheit

NABU NRW fordert Landesregierung auf, mehr für den Schutz der Lebensgrundlagen zu tun
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Düsseldorf –  Gestern hat der Weltbiodiversitätsrat (Intergovernmental Science-Policy Platform on Biodiversity and Ecosystem Services, IPBES) seinen Bericht zum Zustand der globalen Artenvielfalt vorgestellt. Verabschiedet wurde ein Bericht, der erstmals seit 14 Jahren wieder eine Gesamtübersicht zum Zustand der biologischen Vielfalt und der Leistungen der Ökosysteme weltweit liefert – mit erschreckendem Resultat.

„Das globale Artensterben ist bittere Realität - auch hier in Nordrhein-Westfalen“, so Heinz Kowalski, stellvertretender Landesvorsitzender des NABU NRW. Laut der Roten Liste für NRW sind bei allen Insektenartengruppen Rückgänge in den Bestandsgrößen und der Artenvielfalt zu verzeichnen. So werden 42,9 % der Laufkäfer, 51,6 % der Wildbienen und Wespen, 55,2 % der Schmetterlinge, 48 % der Heuschrecken und 45,1 % der Libellen als ausgestorben bzw. gefährdet in Nordrhein-Westfalen geführt. Aber es fehle nicht nur die Vielfalt an Insektenarten, sondern auch die schiere Masse an Insekten. Damit werde eine wichtige Nahrungsgrundlage für Vögel knapp, insbesondere während der Jungenaufzucht. Aber auch andere Arten wie Fledermäuse, Reptilien und Amphibien seien betroffen.

Deutlich spiegele sich dies in den Verlusten bei den Agrarvögeln wieder. Daten des Brutvogelmonitorings seit 1990 zeigen, dass in den letzten Jahren vor allem auch ehemals ganz häufige Arten der Agrarlandschaft rückläufige Bestände aufweisen. Im Zeitraum 1990 bis 2015 haben 30 von 39 Vogelarten der Agrarlandschaft mehr oder weniger stark abgenommen. Dazu zählen Arten wie Feldlerche, Schafstelze, Feldsperling, Kiebitz und Rebhuhn. „In vielen Bereichen NRWs sind diese Arten bereits ausgestorben oder drastisch im Bestand geschrumpft. Als Ursache für diese Verluste sieht der NABU vorrangig Monokulturen von Mais oder Raps und Industriegrasflächen, in denen kein Wildkraut mehr wachsen kann“, sagt Kowalski. Aber auch der anhaltende Flächenverbrauch bis hin zur zunehmende Mode in Siedlungen, Gärten in Steinwüsten zu verwandeln und Hecken durch Steingabionen zu ersetzen, verwandelt letzte Lebensräume in ökologische Wüsten.

„Der Bericht aus Paris zeigt deutlich, dass wir sofort eine Kehrtwende in der Agrar- und Umweltpolitik brauchen, denn unsere Lebensgrundlagen gehen verloren. Klimakrise und Artenschwund verstärken sich gegenseitig und beide sind für den Planeten damit auch das Überleben der Menschheit gleichermaßen bedrohlich“, so der stellvertretende NABU-Landesvorsitzende. Hier sei auch die Landesregierung gefordert, dies endlich wahrzunehmen und sich entsprechend für den Erhalt unserer Lebensgrundlagen einzusetzen.
Für Rückfragen: Heinz Kowalski, stellv. NABU-Landesvorsitzender, mobil: 0160 885 63 96
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Herausgeber: NABU Nordrhein-Westfalen, 40219 Düsseldorf

Redaktion: NABU-Pressestelle NRW, Birgit Königs (verantwortlich)

Tel. 0211.15 92 51 - 14 | Fax -15 | E-Mail: B.Koenigs@NABU-NRW.de


Internetpetition Insekten retten

Naturschutzbund Deutschland (NABU) e.V.

Invasion der Glücksbringer (Mi, 16 Okt 2019)

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Aus Totholz wird neues Leben (Tue, 15 Oct 2019)

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Wunderwaffe Gartenschere (Wed, 16 Oct 2019)

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Gut eingepackt (Wed, 16 Oct 2019)

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Haufenweise Gemütlichkeit (Tue, 15 Oct 2019)

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Jagdgesetz

Die Düsseldorfer Koalition lässt schiessen

 

Die vorliegende Gesetzesnovelle stellt in weiten Teilen leider keine Anpassung an zwingende gesetzliche Notwendigkeiten oder neue ökologische oder wildbiologische Erkenntnisse dar. Sie folgt in weiten Teilen den Wahlversprechen von CDU und FDP sowie der Festlegung im Koalitionsvertrag von 2017, in dem es heißt: „Das Landesjagdgesetz werden wir weitreichend überarbeiten und die Fehler der letzten Novellierung rasch korrigieren.“
Angesichts dieser Festlegung kann man dem vorliegenden Entwurf attestieren, dass er dies auch weitgehend umsetzt.
Eine Aussöhnung von Interessen des Naturschutzes, des Tierschutzes und der Jagd wird es mit diesem Gesetzentwurf nicht geben. Er wird Gräben weiter vertiefen. Diese Novellierung fordert auf Grund der Herleitung, der Inhalte (Roll back) und Begründungen, wenn es dabei bleibt, eine nächste Novellierung einer künftigen Landesregierung geradezu heraus.

Die Jagd in ihrer heutigen Form wird sowohl vom Naturschutz als auch vom Tierschutz und von weiteren Teilen der Bevölkerung kritisch gesehen. Ein wichtiger Grund dafür ist das Reformdefizit des Jagdrechts: In das seit 1952/53 im wesentlichen unverändert fortgeltende Bundesjagdgesetz sind wichtige Erkenntnisse der Wildtierökologie sowie des Natur-, Arten- und Tierschutzes ebenso wenig eingeflossen wie die veränderten gesellschaftlichen Anforderungen an die Jagdausübung. Mit der letzten Novelle hat NRW ein modernes Jagdgesetz bekommen, auch wenn der NABU NRW in einer ganzen Reihe von Punkten weitere Veränderungen eingefordert hatte, auf die wir an dieser Stelle verweisen. Mit der vorliegenden Novelle fällt NRW in weiten Teilen wieder auf den alten Stand zurück.

Der NABU hat eine detaillierte Verbandsposition zur Jagd in Deutschland, auf die hier verwiesen werden soll. Der NABU bekennt sich darin ausdrücklich zu einer naturverträglichen Jagd als eine Form der Landnutzung, wenn sie den Kriterien der Nachhaltigkeit entspricht und ethischen Normen nicht widerspricht. Dies ist für uns dann der Fall, wenn - die erlegten Tiere sinnvoll genutzt, in der Regel verzehrt werden und - die bejagte Art bzw. Population in ihrem Bestand nicht gefährdet oder potentiell gefährdet ist und - Störungen minimiert und andere Arten oder Lebensräume nicht bzw. nur minimal beeinträchtigt werden und - die nationalen und internationalen Regelungen und Konventionen (BNatSchG, FFH-/VS-Richtlinie, Ramsar-Konvention, Bonner Konvention, insbesondere AEWA, etc.) beachtet werden und - die Nachhaltigkeit der Nutzung entsprechend den Anforderungen der Biodiversitätskonvention gesichert ist (bei wandernden Tierarten muss die Nachhaltigkeit für Sommer- wie Winterhabitat und für die gesamte Zug-/ Wanderstrecke sichergestellt sein) und - der Tierschutz sowie die ethischen Anforderungen der Gesellschaft beachtet werden und - die Wildtierbestände nicht zum Zweck der Jagd aktiv gefördert werden.
Trotz der Aussichtslosigkeit des Unterfangens mit sachlichen Argumenten Wahlversprechen und jagdideologisch geprägte Veränderungen noch zu beeinflussen greift der NABU NRW einige zentrale Punkte der Novelle heraus:

Katalog der jagdbaren Arten (§ 2)
Der NABU hält nach seinen Kriterien folgende Arten in NRW für jagdbar: Rothirsch, Reh, Damhirsch, Sikahirsch, Mufflon, Wildschwein, Wildkaninchen, Feldhase (auf Grund der derzeitigen Gefährdung mit ganzjähriger Schonung), Stockente, Fasan, Rotfuchs.
Dem entsprach schon nicht die derzeit gültige Liste der jagdbaren Arten. Nach der jetzt beschlossenen Änderung würden aber wieder allein mehr als 50 Vogelarten dem Jagdrecht unterliegen.
Besonders soll darauf verwiesen werden, dass Arten in das Jagdrecht aufgenommen werden, die dem Anhang 4 der FFH-Richtlinie unterliegen (Säugetiere) oder in der EU-Vogelschutzrichtlinie nicht für die Jagd in Deutschland freigegeben sind.
Zudem werden Arten aufgenommen, die nach Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG) besonders geschützt und zusätzlich streng geschützt sind, obwohl der Artenschutz alleinige, abweichungsfeste Bundeskompetenz ist und das Jagdrecht der Konkurrierenden Gesetzgebungskompetenz unterliegt. Die Aufnahme solcher Arten ist sowohl verfassungsrechtlich als auch EU-rechtlich nicht zulässig (s. Gutachten des BMU – sog. „Möckel-Gutachten“).
Zudem werden Arten, die in den Roten Listen geführt werden im Jagdrecht aufgenommen und bekommen teilweise Jagdzeiten. Dies widerspricht dem Artenschutz.
Im Einzelnen:
Säugetiere Der Wisent als FFH Anhang 4 Art wird als einzige Art aus dem Jagdrecht gestrichen vermutlich wegen des strittigen Aussetzungsprojektes im Siegerland. Die Streichung begrüßen wir.
Wildkatze und Fischotter als FFH Anhang 4 Arten sowie als nach BNatSchG besonders und zusätzlich streng geschützte Arten werden dem Jagdrecht unterstellt.
>>> keine Verbesserung Arten (meist Marder), die als „Raubzeug“ traditionell bekämpft werden, sind dem Jagdrecht unterstellt, obwohl für die Bekämpfung keine ökologischen Begründungen aus der Forschung herangezogen werden können.
>>> keine Verbesserung
Vögel
Eine Reihe von Vogelarten werden nicht nur dem Jagdrecht unterstellt sondern auch geschossen oder neu zum Abschuß frei gegeben. Zumeist ohne dass sie verzehrt und damit genutzt werden. Dazu zählen insbesondere: Waldschnepfe, Ringeltaube, Türkentaube, Höckerschwäne, Blässhühner, Lachmöwen. Hier fordern wir nachdrücklich die Streichung bzw. Nicht-Aufnahme in das Jagdrecht, zumindest aber eine ganzjährige Schonzeit.
>>> Landesregierung hat bei Türkentaube, Blässhuhn und Lachmöwen die Jagdzeiten gestrichen (Erfolg!)
Rabenkrähe und Elster werden als sogenannten „Niederwildschädlinge“ zur Bekämpfung dem Jagdrecht unterstellt, obwohl für die Bekämpfung keine ökologischen Begründungen aus der herangezogen werden können. Auch hier fordern wir nachdrücklich die Streichung oder zumindest eine ganzjährige Schonzeit.
>>> keine Verbesserung
Im Übrigen werden alle Vogelarten des § 2 Bundesjagdgesetz (BJG), die in NRW regelmäßig brüten, dem Jagdrecht unterstellt. Eine Definition von „regelmäßig brüten“ wird nicht gegeben. Der Begründung, aber nicht dem Gesetz sind diese Arten zu entnehmen.
>>> keine Verbesserung nur eine Präzisierung durch Bezug auf Brutvogelliste der NWO von Juni 2016
In dieser Auflistung finden sich Vogelarten, die nicht dem §2 BJG unterliegen aber als solche dargestellt werden: Nilgans, Rostgans, Schneegans, Brautente, Mandarinente, Mittelmeermöwe.
Weiterhin wird diese Auflistung als nicht abschließend betrachtet, da die Auflistung in der Begründung eingeführt wird mit: „Demnach fallen –zum jetzigen Zeitpunkt- unter das Federwild folgende Arten: …“. Damit dürfte die Gesetzesregelung nicht zulässig sein, da das Gesetz durch fehlende Definition des Begriffs „regelmäßig brüten“ und durch die Öffnung in die Zukunft nicht ausreichend bestimmt ist. >>> siehe zuvor
Arten, die nach EU-Vogelschutzrichtlinie in Deutschland nicht bejagt werden dürfen, werden aufgenommen: z.B.: Greifvögel, Graureiher, Gänsesäger, Haselhuhn, Turteltaube, Schneegans.
>>> keine Verbesserung.
Baujagd (§ 19)
Die aus Tierschutzgründen zum Schutz von Wildtieren und der bei der Baujagd eingesetzten Hunde abzulehnende Baujagd wird - mit Ausnahme der Baujagd auf den Dachs - wieder eingeführt. Das Verbot sollte aufrecht erhalten bleiben. >>> keine Verbesserung.

Jagd in Schutzgebieten (§ 20)
Die Wiedereinführung der Einvernehmensregelung bei jagdlichen Fragen in Schutzgebieten kommt faktisch einem Stop jeglicher möglicher Einschränkungen der Jagd aus Naturschutzgründen gleich. Dieses Vetorecht der Unteren Jagdbehörde ist weder fachlich begründet noch angesichts der Notwendigkeit die vorhandenen Schutzgebiete qualitativ zu verbessern zeitgemäß. Damit werden in der Praxis private Jagdbelange über das Gemeinwohl und den Naturschutz gestellt.
>>> keine Verbesserung.

Trophäenschauen (§ 22)
Trophäenschauen, die biologisch gesehen ohne jegliche Aussagekraft sind, werden wieder ermöglicht. Damit und mit den nach Alter und Geschlecht differenzierten Jagdzeiten wird faktisch die Trophäenjagd wieder eingeführt und die zukünftige Jagdpraxis wieder danach ausgerichtet mit all ihren negativen Folgen für die Vegetation durch zu hohe Paarhuferbestände.
>>> keine Verbesserung.
 
Freigebiete für Rothirsche (§ 22)
Dem größten Landsäugetier (neben Elch und Wisent) wird weiterhin per Gesetz nur ein äußerst geringer Teil seines potentiellen Lebensraumes zugewiesen. Außerhalb dieser Bereiche müssen Rothirsche geschossen werden. Das widerspricht jedem Naturschutzgedanken, der natürlich vorkommenden Biodiversität und konterkariert die Investition in Querungshilfen.
>>> keine Verbesserung.
 
Fütterung (§ 25) Die Fütterungsmöglichkeiten und Fütterungszeiten werden ausgeweitet. Angebliche „Notzeiten“ werden bis Ende April per Gesetz unterstellt. Hege inkl. Fütterung widerspricht den Grundsätzen einer Jagd, die als Nutzung natürlicher Ressourcen verstanden wird. >>> keine Verbesserung.
 
Aussetzen von Tieren (§ 31)
Das Aussetzen jagdbarer Tiere wird wieder genehmigungsfrei zugelassen. Das Vorkommen von Tierarten wird damit jagdlichen Gesichtspunkten und individuellen Vorlieben der Jäger anheimgestellt. Die Natur ist jedoch nicht Spielplatz für jagdliche Interessen, sondern sollte sich unbeeinflußt von Jägerinteressen entwickeln können. >>> keine Verbesserung.


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