Nachrichten vom NABU Landes- und Bundesverband


Olaf Tschimpke NABU Berlin

Bei der Europawahl steht viel auf dem Spiel – für ein gutes Zusammenleben auf unserem Kontinent, besonders aber auch für den Naturschutz. Deshalb bitte ich Sie ganz persönlich, nehmen Sie an der Wahl am 26. Mai teil und geben Sie Europas Natur Ihre Stimme.

Angefangen mit der Vogelschutzrichtlinie 1979 hat sich die Europäische Union zu einem Motor des Naturschutzes entwickelt – auf unserem Kontinent und weltweit. Ohne EU-Richtlinien und Förderprogramme sowie die prüfenden Blicke von Europäischer Kommission und EU-Gerichtshof wäre es auch in Deutschland heute wesentlich schlechter um die Natur und Artenvielfalt bestellt. Jetzt sind diese Errungenschaften in Gefahr. Die populistischen Feinde Europas wollen auch beim Umwelt- und Naturschutz die Uhr zurückdrehen. Das dürfen wir nicht zulassen.

Denn egal ob Artenschwund in der Agrarlandschaft, die sich verschärfende Klimakrise oder die Überdüngung und Vermüllung unserer Gewässer und Meere – die großen Umweltprobleme machen nicht an Ländergrenzen halt. Mehr denn je brauchen wir europaweite Ansätze und gemeinsame Lösungen, wenn wir unsere Artenvielfalt, unser Klima und unsere Meere schützen wollen.

Das neu gewählte Europa-Parlament wird viele wichtige Entscheidungen treffen, unter anderem zur Agrarpolitik und zur Naturschutzfinanzierung – und damit auch über die Zukunft der Vogel- und Insektenvielfalt zwischen Finnland und Portugal. Viele dieser Abstimmungen werden knapp ausgehen; es kommt daher auf jede Stimme an, wenn wir EU-Bürgerinnen und -Bürger über die Zusammensetzung des Parlaments entscheiden!

Auf der NABU-Aktionsseite www.nabu.de/europa können Sie deshalb das Versprechen geben, am 26. Mai für Europas Natur wählen zu gehen. Tragen Sie sich mit Namen und E-Mail-Adresse ein und teilen Sie dann Ihr persönliches ‚Wahl-Versprechen‘ mit wenigen Klicks mit Familie, Freundeskreis sowie Kolleginnen und Kollegen. Auf diese Weise motivieren und mobilisieren Sie weitere wichtige Wähler, ebenfalls zur Europawahl zu gehen. Am Tag vor der Wahl erhalten Sie dann eine Erinnerungs-E-Mail vom NABU, zur Wahl zu gehen.

Jetzt den NABU-Aufruf zur Europawahl unterschreiben und teilen!

Zusätzlich zur NABU-Aktionsseite empfehle ich Ihnen auch die NABU-Themenseite zur Europawahl.

Danke für Ihren Einsatz für mehr Naturschutz in Europa – mit Ihrer Stimme am 26. Mai!

Herzliche Grüße

Olaf Tschimpke
NABU-Präsident
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NABU
Bundesgeschäftsstelle
Charitéstraße 3
10117 Berlin



NABU BERLIN

 

Liebe Freunde, Verwandten, Kollegen!

Vielleicht habt Ihr schon mitbekommen, dass ich in Sachen Klimaschutz sehr aktiv geworden bin. Das liegt nicht etwa daran, dass ich eine selbstlose Person bin, die sich für einen guten Zweck einsetzen will - nein:
Mir ist seit der Veröffentlichung des IPCC-Berichts letztes Jahr einfach immer klarer geworden, wie bedrohlich die Situation gerade ist. Wenn es eine Zukunft für unsere Kinder und Enkel geben soll, müssen wir schlichtweg alles tun, um die Erderwärmung auf 1,5 Grad Celsius zu beschränken, wie im IPCC-Bericht gefordert. Sollten wir das nicht schaffen, steuern wir auf eine irreversible und unbremsbare globale Klimakatastrophe zu - da ist sich die Wissenschaft leider einig. Aus diesem Grund haben sich z.B. auch mehr als 28.000 Wissenschaftler im deutsche Sprachraum uneingeschränkt hinter die streikenden Schüler von Fridays for Future gestellt, und deshalb bin ich bei Parents For Future in den letzten Wochen aktiv geworden.

Wir haben jetzt eine Petition an den Bundestag gestartet, die ein verbindliches Klimaschutzgesetz fordert. Denn momentan ist Deutschland zwar dem Pariser Abkommen zur Reduzierung von CO2-Emissionen beigetreten, schlittert aber meilenweit an den darin gesteckten Zielen vorbei. Ein Klimaschutzgesetz könnte das ändern - die Deadline um das Quorum von 50.000 Unterschriften zu erreichen ist der 6. Mai 2019.

1. Deshalb meine erste Bitte: unterschreibt unsere Petition an den deutschen Bundestag für ein Klimaschutzgesetz hier (falls Ihr das noch nicht getan habt).


2. Meine zweite Bitte: verbreitet (am besten noch heute!) die Petition und den Aufruf zum Unterschreiben weiter. Ihr könnt das auf folgenden Wegen tun:

- schreibt eine eigene Email an Eure Kontakte oder leitete diese Email weiter - wichtig ist, dass der Link zur Petition dabei ist!
- Teilt den Link zur Petition auf allen sozialen Medien, die Ihr nutzt: Facebook, Twitter, Instagram, etc. (eine Grafik und ein Video zum Teilen ist auch im Anhang dieser Mail)
- Über WhatsApp könnte Ihr einen Broadcast an alle oder ausgewählte Kontakte mit dem Link zur Petition schicken - das ist dann keine WhatsApp-Gruppe, sondern ganz viele Einzelnachrichten.
- sammelt analog Unterschriften; Im Anhang gibt es eine Petitionsliste zum unterschreiben - Ihr könnt diese Listen auf der Arbeit, beim Bäcker, im Biomarkt oder Frisör auslegen. Die Listen müssen bis spätestens 6.5. an den Petitionsausschuss gefaxt werden: +49 30 22736053 oder per Post spätestens am 3. Mai verschickt werden (Adresse auf den Listen).
- Solltet Ihr Kontakt zu Celebrities oder Menschen mit Einfluss haben: bittet sie die Petition weiter zu verbreiten und zu bewerben!

Weitere Informationen zur Petition für ein Klimaschutzgesetz gibt es hier: 

https://parentsforfuture.de/petition/

Ich danke Euch von ganzem Herzen für Eure Hilfe und Unterstützung. Ich würde niemals so eine Email wie diese hier an Euch schreiben, wenn mir diese Sache nicht so verdammt wichtig wäre.
Wenn Ihr Euch selbst Sorgen um die Zukunft bezüglich der Klimakrise macht, könnt Ihr Euch gerne immer bei mir melden. Das Thema kann sehr aufwühlend sein und auch wirklich beängstigen. Ich habe immer ein offenes Ohr für Euch. 

Und noch einmal: DANKE. 
Danke für Eure Zeit, danke für das Lesen dieser Email, danke für Eure Unterstützung.


Ganz liebe Grüße an Euch alle aus Berlin,

Emily


PRESSEMITTEILUNG NABU NRW | NR 21/19 | 07. Mai 2019
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Klimakrise und Verlust der Artenvielfalt sind größte Bedrohungen für die Menschheit

NABU NRW fordert Landesregierung auf, mehr für den Schutz der Lebensgrundlagen zu tun
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Düsseldorf –  Gestern hat der Weltbiodiversitätsrat (Intergovernmental Science-Policy Platform on Biodiversity and Ecosystem Services, IPBES) seinen Bericht zum Zustand der globalen Artenvielfalt vorgestellt. Verabschiedet wurde ein Bericht, der erstmals seit 14 Jahren wieder eine Gesamtübersicht zum Zustand der biologischen Vielfalt und der Leistungen der Ökosysteme weltweit liefert – mit erschreckendem Resultat.

„Das globale Artensterben ist bittere Realität - auch hier in Nordrhein-Westfalen“, so Heinz Kowalski, stellvertretender Landesvorsitzender des NABU NRW. Laut der Roten Liste für NRW sind bei allen Insektenartengruppen Rückgänge in den Bestandsgrößen und der Artenvielfalt zu verzeichnen. So werden 42,9 % der Laufkäfer, 51,6 % der Wildbienen und Wespen, 55,2 % der Schmetterlinge, 48 % der Heuschrecken und 45,1 % der Libellen als ausgestorben bzw. gefährdet in Nordrhein-Westfalen geführt. Aber es fehle nicht nur die Vielfalt an Insektenarten, sondern auch die schiere Masse an Insekten. Damit werde eine wichtige Nahrungsgrundlage für Vögel knapp, insbesondere während der Jungenaufzucht. Aber auch andere Arten wie Fledermäuse, Reptilien und Amphibien seien betroffen.

Deutlich spiegele sich dies in den Verlusten bei den Agrarvögeln wieder. Daten des Brutvogelmonitorings seit 1990 zeigen, dass in den letzten Jahren vor allem auch ehemals ganz häufige Arten der Agrarlandschaft rückläufige Bestände aufweisen. Im Zeitraum 1990 bis 2015 haben 30 von 39 Vogelarten der Agrarlandschaft mehr oder weniger stark abgenommen. Dazu zählen Arten wie Feldlerche, Schafstelze, Feldsperling, Kiebitz und Rebhuhn. „In vielen Bereichen NRWs sind diese Arten bereits ausgestorben oder drastisch im Bestand geschrumpft. Als Ursache für diese Verluste sieht der NABU vorrangig Monokulturen von Mais oder Raps und Industriegrasflächen, in denen kein Wildkraut mehr wachsen kann“, sagt Kowalski. Aber auch der anhaltende Flächenverbrauch bis hin zur zunehmende Mode in Siedlungen, Gärten in Steinwüsten zu verwandeln und Hecken durch Steingabionen zu ersetzen, verwandelt letzte Lebensräume in ökologische Wüsten.

„Der Bericht aus Paris zeigt deutlich, dass wir sofort eine Kehrtwende in der Agrar- und Umweltpolitik brauchen, denn unsere Lebensgrundlagen gehen verloren. Klimakrise und Artenschwund verstärken sich gegenseitig und beide sind für den Planeten damit auch das Überleben der Menschheit gleichermaßen bedrohlich“, so der stellvertretende NABU-Landesvorsitzende. Hier sei auch die Landesregierung gefordert, dies endlich wahrzunehmen und sich entsprechend für den Erhalt unserer Lebensgrundlagen einzusetzen.
Für Rückfragen: Heinz Kowalski, stellv. NABU-Landesvorsitzender, mobil: 0160 885 63 96
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Herausgeber: NABU Nordrhein-Westfalen, 40219 Düsseldorf

Redaktion: NABU-Pressestelle NRW, Birgit Königs (verantwortlich)

Tel. 0211.15 92 51 - 14 | Fax -15 | E-Mail: B.Koenigs@NABU-NRW.de


Europawahl: Wählen für Naturschutz

Liebe Aktive im NABU,

nun sind es noch knapp 3 Wochen bis zur Europawahl. Der Wahlkampf hat begonnen und die Parteien kämpfen um jede Stimme. Vor allem das Thema Landwirtschaft könnte viele Menschen zur Wahl-Urne bewegen, nachdem immer mehr Menschen der Erhalt unserer Natur unter den Nägeln brennt und die ein wichtiger Schritt dafür, die Entscheidung zur GAP-Reform, in die nächste Legislaturperiode verschoben wurde. Im letzten Infobrief haben wir erläutert, warum diese Wahl so wichtig ist wie keine vor ihr und welche Ziele der NABU dabei verfolgt. Diesmal wollen wir Euch Ideen geben, wie Ihr selbst aktiv werden könnt um Naturschutzthemen bei der Wahl zu stärken. Hier ist für jeden was dabei:

WAS KÖNNT IHR TUN?

1.       Trefft Euch mit Euren Europaparlament-Kandidaten vor Ort. Nach wie vor das beste Mittel um herauszufinden, wen Ihr am 26. Mai wählen solltet und natürlich um den NABU und seine Forderungen in der Politik bekannt zu machen.

Eine Übersicht der Kandidaten findet Ihr hier: https://docs.google.com/spreadsheets/d/1u41MOuDJHp2xLQC-S6BLADuXyjFDz4V1fIL0bUw8DYE/edit?usp=sharing

Wer dazu Lust und Zeit hat, meldet sich bei Sebastian.Strumann@NABU.de. Bei ihm kriegt Ihr Tipps, Infos und vor allem hauptamtliche Unterstützung für mögliche Treffen. Entsprechende Vorlagen für die Presse (Einladung, Mitteilung) findet Ihr auch im NABU-Netz.

2.      Macht bei unserer Wahlverpflichtung mit: Unter www.nabu.de/europa könnt Ihr jetzt das Versprechen abgeben, am 26. Mai zur Wahl zu gehen und dies auch mit Euren Freunden online teilen. Über die Webseite bekommt Ihr ebenfalls weitere nützlich Infos rund um die Wahl - und werdet am Tag vor der Wahl noch mal erinnert

3.       Mietet eine Plakatfläche und werbt für mehr Naturschutz! Zusammen mit den anderen deutschen Umweltverbänden haben wir eine gemeinsame Kampagne zur Europawahl entwickelt. In deren Look bieten wir Euch im NABU-Netz eine fertige Druckdatei für ein Großflächenplakat an. Die entsprechenden Plakatflächen dafür bekommt Ihr mit etwas Glück ab jetzt zum Sonderpostenpreis bei www.stroeer-direkt.de

4.      Organisiert Infostände zur Wahl und nutzt das Material der #natürlichEuropa-Kampagne. Eine Übersicht der Materialien könnt Ihr hier finden: www.natürlicheuropa.de. Bestellen könnt Ihr sie bei Nina.Slattery@dnr.de

5.       Unterstützt die #natürlichEuropa-Kampagne in den Sozialen Medien. Keine Zeit für Infostand oder Vor-Ort-Aktionen? Kein Problem. Wer eher im digitalen Raum unterwegs ist kann auch dort aktiv werden. Mit unseren Materialien zum Teilen auf Facebook, Twitter und Instagram könnt Ihr Eure Freunde und Familie zur Teilnahme an der Wahl aufrufen und für das Thema sensibilisieren. Alle Materialien findet Ihr zum Download im NABU-Netz.

WO GIBT ES INFOS VOM NABU?

1.       Nachdem wir Euch beim letzten Mal die Forderungen des NABU zur Europawahl vorgestellt haben, haben wir jetzt eine Wahlprogrammanalyse der Parteien für Euch vorbereitet. Diese findet Ihr (bald) unter:
www.nabu.de/europawahl

2.      In der aktuellen Ausgabe der „Naturschutz Heute“ dreht sich alles um die EU. Neben Infos rund um die Wahl gibt es hier auch spannende Geschichten von unseren europäischen Partnerverbänden sowie interessante Naturschutzfakten aus und in der EU.

WIE GEHT ES WEITER?

Die nächsten Wochen werden spannend. Der NABU organisiert am 7. Mai eine große Veranstaltung zur europäischen Agrarpolitik in Berlin. Am 26. Mai heißt es dann Familie, Freunde und Kolleg*innen an die Wahl-Urnen bewegen, damit der Naturschutz gestärkt wird.

Bei Fragen und Anregungen meldet Euch gern bei Sebastian.Strumann@NABU.de

P.S.: Und natürlich nicht vergessen: Am 26. Mai selber wählen gehen!

Mit freundlichen Grüßen

 

Birgit Königs

Pressesprecherin

NABU NRW

Völklinger Straße 7-9

40219 Düsseldorf

Telefon +49 (0) 211 15 92 51-14

Telefax +49 (0) 211 15 92 51-15

Birgit.Koenigs@NABU-NRW.de

www.NABU-NRW.de


PRESSEMITTEILUNG NABU NRW | NR 23/19 | 15. Mai 2019

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NABU: Spatzen auch in Nordrhein-Westfalens Gärten wieder Spitze

"Stunde der Gartenvögel" mit neuem Teilnehmerrekord | Mauersegler und Mehlschwalben im Sinkflug

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Berlin/Düsseldorf   Spatzen top, Insektenfresser flop – das ist kurzgefasst das Zwischenergebnis der diesjährigen „Stunde der Gartenvögel“, die am vergangenen Wochenende bundesweit stattgefunden hat. Bis Mittwoch hatten über 60.000 Vogelbegeisterte aus mehr als 41.000 Gärten und Parks über 1,3 Millionen Vögel an den NABU gemeldet. Allein in Nordrhein-Westfalen zählten über 12.000 Vogelfreunde mehr als 256.483 Vögel in rund 8.600 Gärten. Damit deutet sich ein neuer Teilnahmerekord bei Deutschlands größter wissenschaftlicher Mitmach-Aktion an. Noch bis zum 20. Mai können Vogelzählungen per Internet, App oder per Post an den NABU übermittelt werden.

Das Highlight ist das Spitzenergebnis für den Haussperling. Es liegt sechs Prozent über dem des Vorjahres. Damit erreicht diese Art bundesweit ihr bestes Ergebnis in 15 Jahren Stunde der Gartenvögel“, so Heinz Kowalski, stellv. Landesvorsitzender des NABU NRW. „Die Spatzen haben vom Rekordsommer 2018 eindeutig profitiert.“ Auch der Feldsperling hat gegenüber dem Vorjahr um sieben Prozent zugenommen und wird damit nach 2016 sein zweitbestes Ergebnis in der Geschichte der „Stunde der Gartenvögel“ erreichen. Die Naturbegeisterten des NABU freuen sich besonders über die positive Entwicklung der beiden Spatzenarten. Denn starke Rückgänge in den Jahrzehnten vor Beginn der NABU-Zählaktion hatten dafür gesorgt, dass beide Arten bis heute in der Vorwarnkategorie der Roten Liste deutscher Brutvogelarten stehen. Davon können sich die Spatzen heute offensichtlich etwas erholen.

Schlecht sieht es dagegen für Mauersegler und Mehlschwalben aus. „Die Zahlen für diese beiden Arten sind katastrophal“, sagt Kowalski. „Beide erreichen die mit Abstand schlechtesten Ergebnisse bisher. Aufgrund der Wetterlage mit Kaltluft aus dem Norden verzögert sich offenbar die Ankunft eines Teils der Mauersegler und Mehlschwalben. Leider fügen sich die diesjährigen Ergebnisse aber nahtlos in eine Reihe abnehmender Zahlen aus den Vorjahren – egal ob warmes oder kaltes Maiwetter herrschte. Wir haben es daher wohl mit einem tatsächlichen deutlichen Rückgang zu tun. Das Fehlen der Fluginsektennahrung und das Verschwinden von Brutnischen an Gebäuden sind wahrscheinlich die Ursachen.“

Beim Sorgenkind Amsel zeigt sich wie erwartet ein starker Rückgang. Bundesweit wurden elf Prozent weniger Amseln gesichtet. „In Hamburg und Bremen, wo die tödliche Krankheit Usutu 2018 erstmals auftrat, wurden sogar über 40 Prozent weniger Amseln als im Vorjahr gemeldet“, so Kowalski. „Das deutet darauf hin, dass die Viruserkrankung mit für den Rückgang verantwortlich ist.“ In Nordrhein-Westfalen sind die Amselbestände nach erneutem Usutu-Ausbruch in 2018 ebenfalls im Bestand zurückgegangen. „Auch wenn der Amselbestand wie erwartet gegenüber dem Vorjahr hat Federn lassen müssen, sind Amseln immer noch in über 90 Prozent unserer Gärten zuhause“, erklärt Kowalski. Deutliche Abnahmen zeigten sich in NRW zudem bei weiteren typischen Insektenfressern wie der Singdrossel, der Bachstelze, der Rauchschwalbe, dem Zilpzalp und der Mönchsgrasmücke.
 
Eine kleine Sensation deutet sich bundes- wie landesweit beim Rotkehlchen an. Es wird mit einem Plus von 20 Prozent sein zweitbestes Ergebnis nach 2006 erzielen. Warum dieser Gartenvogel so häufig zur „Stunde der Gartenvögel“ gesichtet wurde, ist jedoch vorerst unklar.

Alle Ergebnisse der „Stunde der Gartenvögel“ für Nordrhein-Westfalen sind unter http://nrw.nabu.de/gartenvoegelnrw zu finden.

 

Weitere Infos zur Aktion: www.stundedergartenvoegel.de

Pressebilder: www.NABU.de/pressebilder_stundedergartenvoegel

Grafiken zum Druck: www.nabu.de/sdg-medieninfos

Broschüre 15 Jahre Stunde der Gartenvögel: www.NABU.de/15-jahre-sdg

 

Für Rückfragen:

Sprecherteam des Landesfachausschuss Ornithologie und Vogelschutz im NABU NRW

Christian Härting, mobil: 0151 579 89 876

Fabian Karwinkel, mobil: 01578 567 37 61

Jonas Brüggeshemke, mobil: 0157 77 05 31 22

 

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Herausgeber: NABU Nordrhein-Westfalen, 40219 Düsseldorf

 

Redaktion: NABU-Pressestelle NRW, Birgit Königs (verantwortlich)

Tel. 0211.15 92 51 - 14 | Fax -15 | E-Mail: B.Koenigs@NABU-NRW.de


PRESSEMITTEILUNG NABU NRW | NR 20/19 | 07. Mai 2019
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Von A wie Amsel, bis Z wie Zilpzalp - NABU ruft zur großen Vogelzählung auf

15. Stunde der Gartenvögel vom 10. bis 12. Mai
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Düsseldorf –  Weniger Insekten gleich weniger Vögel? Das will der NABU genauer wissen! Bei der 15. „Stunde der Gartenvögel“ werden deutschlandweit wieder Vögel in Gärten, Grünanlagen und Parks erfasst. Die diesjährige Zählung findet am zweiten Maiwochenende vom 10. bis zum 12. Mai statt. „Viele Menschen haben den Eindruck, dass sie nicht mehr so viele Vögel im Garten haben wie früher“, sagt Christian Härting, Sprecher des Landesfachausschusses Ornithologie im NABU NRW. „Gerade deshalb lohnt es sich, eine Stunde genauer hin zu schauen, was denn da im eigenen Garten eigentlich so unterwegs ist.“

Ziel der Aktion ist es, ein deutschlandweites und möglichst genaues Bild von der Vogelwelt in unseren Städten und Dörfern zu erhalten. Dabei geht es nicht um eine vollständige Erfassung aller Vögel, sondern darum, Veränderungen der Vogelbestände festzustellen. Die Daten aus dem letzten Jahr sorgten unter den Vogelexperten allerdings für Besorgnis. „Viele Gartenvogelarten wiesen 2018 niedrigere Werte als im langjährigen Schnitt auf“, so Härting. Dabei traf es nicht bloß seltene Arten, sondern vor allem die eigentlich häufigen wie Kohlmeise, Blaumeise, Grünfink, Buchfink und Hausrotschwanz. Ob sich dieser Trend fortsetzt und wie sich der vergangene, trockene Sommer z.B. auf den hiesigen Amselbestand ausgewirkt hat, wird besonders spannend sein.

Denn jedes Jahr hat seine ganz eigene Kombination von Faktoren, die sich auf die Vogelwelt auswirken. Wetterereignisse, Krankheiten, Änderungen in der Bewirtschaftung von Flächen und die Verfügbarkeit von Futter wechseln von Jahr zu Jahr und können großen Einfluss auf den Bruterfolg und die Überlebenschancen der einzelnen Vogelarten haben. Daher kann eine seriöse Bewertung der Bestandsentwicklungen erst über den langjährigen Vergleich der seit 2005 gesammelten Daten erfolgen. „Die Angaben, die wir hierfür von all den Freiwilligen über die „Stunde der Gartenvögel“ bekommen, sind für den Naturschutz unbezahlbar“, erklärt Härting „Je genauer wir über die Entwicklung bei den verschiedenen Vogelarten Bescheid wissen, desto besser kann sich der NABU für sie stark machen.“

Im vergangenen Jahr hatten bundesweit fast 57.000 Vogelfreunde bei der Stunde der Gartenvögel mitgemacht und aus über 37.000 Gärten insgesamt über 1.2 Millionen Vögel gemeldet. In Nordrhein-Westfalen wurden in 7.194 Gärten 218.130 Vögel gezählt. 10.551 Vogelfreunde haben dort Vögel erfasst. Gemeinsam mit der Schwesteraktion, der „Stunde der Wintervögel“, handelt es sich damit um Deutschlands größte wissenschaftliche Mitmachaktion.

Und so funktioniert die Teilnahme: Von einem ruhigen Plätzchen im Garten oder vom Zimmerfenster aus wird von jeder Vogelart die höchste Anzahl notiert, die im Laufe einer Stunde gleichzeitig entdeckt werden kann. Die Beobachtungen können per Post, Telefon – kostenlose Rufnummer am 11. Mai, von 10 bis 18 Uhr: 0800-1157115 – oder einfach im Internet unter www.stundedergartenvoegel.de gemeldet werden. Meldeschluss ist der 20. Mai. Aktuelle Zwischenstände und erste Ergebnisse sind ab dem ersten Zähltag auf www.stundedergartenvoegel.de abrufbar und können mit vergangenen Jahren verglichen werden. Die Ergebnisse für nordrhein-Westfalen sind unter http://nrw.nabu.de/gartenvoegelnrw zu finden.

Für kleine Vogelexperten hat die Naturschutzjugend NAJU die „Schulstunde der Gartenvögel“ (6. bis 10. Mai) ins Leben gerufen. Ein großes NAJU-Aktionspaket versorgt teilnehmende Gruppen und Klassen mit Zählkarten, einem „Vogelbuch für die Hosentasche“ für jedes Kind, einem NAJU-Poster, auf dem Kinder die häufigsten Vogelarten in Deutschlands Gärten und ihre Besonderheiten kennenlernen, sowie einem Begleitheft. Hierin finden Gruppenleiter, Lehrer und Erzieher die Anleitung für eine Gartenvogel-Rallye mit spannenden Wissens- und Spielstationen, die mit wenig Aufwand überall im Freien durchgeführt werden können. Das Aktionspaket kann im NABU-Shop bestellt werden: www.NABU-Shop.de. Weitere Informationen gibt es unter www.NAJU.de/sdg

Hinweise an die Redaktionen
Infos zur Aktion: www.stundedergartenvoegel.de

Pressebilder: www.NABU.de/pressebilder_stundedergartenvoegel

Einen Teilnahmebogen und Grafiken zum Druck: www.nabu.de/sdg-medieninfos

NABU Vogelführer App: www.NABU.de/vogelwelt

Einen NABU Online-Vogelführer gibt es unter www.nabu.de/vogelfuehrer

Broschüre 15 Jahre Stunde der Gartenvögel: www.NABU.de/15-jahre-sdg

Vogeltrainer: www.vogeltrainer.de

Für Rückfragen:

Sprecherteam des Landesfachausschuss Ornithologie und Vogelschutz im NABU NRW

Christian Härting, mobil: 0151 579 89 876

Fabian Karwinkel, mobil: 01578 567 37 61

Jonas Brüggeshemke, mobil: 0157 77 05 31 22


 
 

PRESSEMITTEILUNG NABU NRW | Nr. 14/19 | 28. März 2019

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40 Jahre Vogelschutzrichtlinie in NRW

NABU NRW kritisiert zu zögerliche und mangelhafte Umsetzung auf Landesebene

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Düsseldorf – Am 2. April wird die EU-Vogelschutzrichtlinie 40 Jahre alt. Sie ist gemeinsam mit der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie das entscheidende Instrument für den Erhalt und die Wiederherstellung der biologischen Vielfalt sowohl auf EU- wie auf Bundes- und Landesebene. „Die EU-Naturschutzrichtlinien haben wesentliche Impulse für den Natur- und Artenschutz gesetzt. Doch die vergangenen 40 Jahre zeigen auch, die halbherzige Umsetzung solcher Vorgaben reicht nicht aus, die heimische Artenvielfalt zu erhalten. Hier muss landes- wie bundesweit deutlich mehr getan werden, will man das Artensterben stoppen“, sagte Heinz Kowalski, stellvertretender Vorsitzender und Vogelexperte des NABU NRW.

 

So ist die Situation im zweitgrößten EU-Vogelschutzgebiet „Unterer Niederrhein“ besonders katastrophal: eine ganze Reihe wertgebender Brut- und Rastvögel stehen kurz vor dem Aussterben. Dazu gehören vor allem die Wiesenvögel wie Bekassine, Uferschnepfe und Rotschenkel. Die Intensivierung der Landwirtschaft, darunter die Umwandlung der grünlandgebundenen Milchviehwirtschaft in ganzjährige Stallhaltung, schreitet voran und zerstört den Lebensraum vieler Vogelarten der Wiesen und Weiden. Obwohl sich das Land NRW in einem EU-Vertragsverletzungsverfahren im Jahr 2008 verpflichtet hatte, ein Maßnahmenkonzept zu erarbeiten und umzusetzen, ist seitdem viel zu wenig passiert. „Damit riskiert die Landesregierung die Wiederaufnahme des Vertragsverletzungsverfahrens und Strafzahlungen an die EU“, erklärte Kowalski.

 

Zwar sei die Richtlinie hinsichtlich der von den Schutzgebietsausweisungen profitierenden Arten durchaus erfolgreich. So haben sich die Bestände von Kranich, Uhu, Weiß- und Schwarzstorch deutlich erholt. Die positiven Entwicklungen einzelner Großvogelarten können aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass Deutschland und insbesondere NRW mit der Umsetzung der Richtlinie auch 40 Jahre nach Inkrafttreten nur sehr zögerlich vorankommt und es vielen Vogelarten eher schlechter als besser geht.

 

„Bedenkt man zudem, dass die ausgewiesenen Gebiete sich längst nicht alle in einem guten Erhaltungszustand befinden, landes- wie bundesweit in den meisten Schutzgebieten keine wirkliche Beschränkung der forstlichen wie landwirtschaftlichen Nutzung vorgesehen ist, es an Zielvorgaben für den Artenschutz fehlt, erst für einen Bruchteil der Gebieten adäquate Managementpläne vorliegen und sowohl ein Monitoring wie auch die Finanzierung möglicher Maßnahmen nach wie vor unzureichend ist, wird deutlich, wie schlecht es wirklich um den Vogelschutz in NRW bestellt ist“, so Kowalski weiter. Die massiven Bestandseinbrüche bei Rebhuhn, Kiebitz, Uferschnepfe oder Feldlerche in den letzten Jahren machten dies erschreckend deutlich. Selbst ehemalige Allerweltsvögel wie der Star zeigten dramatische Bestandseinbrüche.

 

Hier bedarf es neben einer dringend erforderlichen Wende in der EU-Agrarpolitik auch einiger klarer Verbesserungen im nationalen Vogelschutz. Auf Landesebene erfordere dies unter anderem, endlich eine adäquate Sicherung aller Vogelschutzgebiete in NRW von EU-weiter Bedeutung (SPAs) umzusetzen. Da, wo immer noch Managementpläne fehlen, müssen diese zügig erstellt werden. Zudem müsse die Fläche einiger SPAs erweitert werden. Kowalski: „Unerlässlich ist es zudem, schädliche Eingriffe in Natura- 2000-Gebiete konsequent zu vermeiden sowie die Einhaltung von Gebiets-und Artenschutzbestimmungen intensiver als bisher zu kontrollieren. Dafür notwendiges Personal in den zuständigen Behörden muss entsprechend aufgestockt werden.“ Um Umwelt- wie Artenschutzdelikten intensiver verfolgen zu können, müsse deshalb auch die von der früheren NRW-Landwirtschaftsministerin Schulze Föcking abgeschaffte Stabsstelle Umweltkriminalität unverzüglich wieder eingerichtet werden.

 

Absolut kontraproduktiv sei zudem die kürzlich vorgenommene Novelle des NRW-Jagdgesetzes, womit Greifvögel wieder aus dem Naturschutzrecht in das Jagdrecht überführt worden seien. Dies gelte ebenso für zahlreiche weitere Arten, die nach EU-Recht nicht der Jagd unterliegen, wie verschiedene Enten-, Möwen- oder Taubenarten und das sehr seltene Haselhuhn. „Hier ist Wählerklientel bedient worden, auf Kosten des Artenschutzes“, kritisiert der stellvertretende NABU-Landeschef.

 

Die ausführlichen Forderungen zu notwendigen Verbesserungen in der Umsetzung der Vogelschutz- und der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie haben die Naturschutzverbände im Rahmen des EU-Fitness-Checks formuliert: https://www.nabu.de/imperia/md/content/nabude/europa/160914-verbaende-forderung-eu-naturschutzrichtlinien.pdf

 

 

Für Rückfragen:

Heinz Kowalski, stellv. Vorsitzender NABU NRW, mobil: 0160 88 56396

Claus Mayr, Europaexperte des NABU NRW, Claus.Mayr@NABU-NRW.de

 

 

Hintergrund

Bereits im ersten Umweltaktionsprogramm (UAP) der damaligen EWG hatten die Mitgliedstaaten beschlossen, insbesondere Zugvögel grenzüberschreitend besser zu schützen. Nach einstimmigem Beschluss der Mitgliedstaaten trat dazu am 2. April 1979 die "Richtlinie 79/409/EWG des Rates über die Erhaltung der wildlebenden Vogelarten" in Kraft. Sie sollte der Erkenntnis Rechnung tragen, dass Naturschutz keine Grenzen kennt. Ziel der Richtlinie ist ein besserer Schutz aller in Europa brütenden, rastenden und überwinternden Vogelarten. Dazu wurden strenge artenschutzrechtliche Bestimmungen erlassen, die z.B. die Jagd und den Fang von Vögeln bis auf wenige Ausnahmen verbieten, ebenso bestimmte Jagd- und Fangmethoden. Für besonders bedrohte Arten sowie für die Zugvogelarten schreibt die Richtlinie ein Netz von Schutzgebieten vor, die sogenannten "Special Protection Areas" (SPAs), in Deutschland  "Besondere Schutzgebiete" (BSG).

 

Insgesamt sind bundesweit 742 Vogelschutzgebiete gemeldet, davon 28 in Nordrhein-Westfalen. Mit einer Fläche von circa 165.006 Hektar stehen damit rund 4,8% der Landesfläche theoretisch für den Vogelschutz zur Verfügung. Insgesamt umfasst das Gebietsnetz Natura 2000 (Schutzgebiete nach EU-Vogelschutz- und nach Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie) in NRW rund 287.054 Hektar (überschneidungsfrei), das sind ca. 8,4% der Landesfläche.

 

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Herausgeber: NABU Nordrhein-Westfalen, 40219 Düsseldorf

Redaktion: NABU-Pressestelle NRW, Birgit Königs (verantwortlich)

Tel. 0211.15 92 51 - 14 | Fax -15 | E-Mail: B.Koenigs@NABU-NRW.de

 


Jagdgesetz

Die Düsseldorfer Koalition lässt schiessen

 

Die vorliegende Gesetzesnovelle stellt in weiten Teilen leider keine Anpassung an zwingende gesetzliche Notwendigkeiten oder neue ökologische oder wildbiologische Erkenntnisse dar. Sie folgt in weiten Teilen den Wahlversprechen von CDU und FDP sowie der Festlegung im Koalitionsvertrag von 2017, in dem es heißt: „Das Landesjagdgesetz werden wir weitreichend überarbeiten und die Fehler der letzten Novellierung rasch korrigieren.“
Angesichts dieser Festlegung kann man dem vorliegenden Entwurf attestieren, dass er dies auch weitgehend umsetzt.
Eine Aussöhnung von Interessen des Naturschutzes, des Tierschutzes und der Jagd wird es mit diesem Gesetzentwurf nicht geben. Er wird Gräben weiter vertiefen. Diese Novellierung fordert auf Grund der Herleitung, der Inhalte (Roll back) und Begründungen, wenn es dabei bleibt, eine nächste Novellierung einer künftigen Landesregierung geradezu heraus.

Die Jagd in ihrer heutigen Form wird sowohl vom Naturschutz als auch vom Tierschutz und von weiteren Teilen der Bevölkerung kritisch gesehen. Ein wichtiger Grund dafür ist das Reformdefizit des Jagdrechts: In das seit 1952/53 im wesentlichen unverändert fortgeltende Bundesjagdgesetz sind wichtige Erkenntnisse der Wildtierökologie sowie des Natur-, Arten- und Tierschutzes ebenso wenig eingeflossen wie die veränderten gesellschaftlichen Anforderungen an die Jagdausübung. Mit der letzten Novelle hat NRW ein modernes Jagdgesetz bekommen, auch wenn der NABU NRW in einer ganzen Reihe von Punkten weitere Veränderungen eingefordert hatte, auf die wir an dieser Stelle verweisen. Mit der vorliegenden Novelle fällt NRW in weiten Teilen wieder auf den alten Stand zurück.

Der NABU hat eine detaillierte Verbandsposition zur Jagd in Deutschland, auf die hier verwiesen werden soll. Der NABU bekennt sich darin ausdrücklich zu einer naturverträglichen Jagd als eine Form der Landnutzung, wenn sie den Kriterien der Nachhaltigkeit entspricht und ethischen Normen nicht widerspricht. Dies ist für uns dann der Fall, wenn - die erlegten Tiere sinnvoll genutzt, in der Regel verzehrt werden und - die bejagte Art bzw. Population in ihrem Bestand nicht gefährdet oder potentiell gefährdet ist und - Störungen minimiert und andere Arten oder Lebensräume nicht bzw. nur minimal beeinträchtigt werden und - die nationalen und internationalen Regelungen und Konventionen (BNatSchG, FFH-/VS-Richtlinie, Ramsar-Konvention, Bonner Konvention, insbesondere AEWA, etc.) beachtet werden und - die Nachhaltigkeit der Nutzung entsprechend den Anforderungen der Biodiversitätskonvention gesichert ist (bei wandernden Tierarten muss die Nachhaltigkeit für Sommer- wie Winterhabitat und für die gesamte Zug-/ Wanderstrecke sichergestellt sein) und - der Tierschutz sowie die ethischen Anforderungen der Gesellschaft beachtet werden und - die Wildtierbestände nicht zum Zweck der Jagd aktiv gefördert werden.
Trotz der Aussichtslosigkeit des Unterfangens mit sachlichen Argumenten Wahlversprechen und jagdideologisch geprägte Veränderungen noch zu beeinflussen greift der NABU NRW einige zentrale Punkte der Novelle heraus:

Katalog der jagdbaren Arten (§ 2)
Der NABU hält nach seinen Kriterien folgende Arten in NRW für jagdbar: Rothirsch, Reh, Damhirsch, Sikahirsch, Mufflon, Wildschwein, Wildkaninchen, Feldhase (auf Grund der derzeitigen Gefährdung mit ganzjähriger Schonung), Stockente, Fasan, Rotfuchs.
Dem entsprach schon nicht die derzeit gültige Liste der jagdbaren Arten. Nach der jetzt beschlossenen Änderung würden aber wieder allein mehr als 50 Vogelarten dem Jagdrecht unterliegen.
Besonders soll darauf verwiesen werden, dass Arten in das Jagdrecht aufgenommen werden, die dem Anhang 4 der FFH-Richtlinie unterliegen (Säugetiere) oder in der EU-Vogelschutzrichtlinie nicht für die Jagd in Deutschland freigegeben sind.
Zudem werden Arten aufgenommen, die nach Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG) besonders geschützt und zusätzlich streng geschützt sind, obwohl der Artenschutz alleinige, abweichungsfeste Bundeskompetenz ist und das Jagdrecht der Konkurrierenden Gesetzgebungskompetenz unterliegt. Die Aufnahme solcher Arten ist sowohl verfassungsrechtlich als auch EU-rechtlich nicht zulässig (s. Gutachten des BMU – sog. „Möckel-Gutachten“).
Zudem werden Arten, die in den Roten Listen geführt werden im Jagdrecht aufgenommen und bekommen teilweise Jagdzeiten. Dies widerspricht dem Artenschutz.
Im Einzelnen:
Säugetiere Der Wisent als FFH Anhang 4 Art wird als einzige Art aus dem Jagdrecht gestrichen vermutlich wegen des strittigen Aussetzungsprojektes im Siegerland. Die Streichung begrüßen wir.
Wildkatze und Fischotter als FFH Anhang 4 Arten sowie als nach BNatSchG besonders und zusätzlich streng geschützte Arten werden dem Jagdrecht unterstellt.
>>> keine Verbesserung Arten (meist Marder), die als „Raubzeug“ traditionell bekämpft werden, sind dem Jagdrecht unterstellt, obwohl für die Bekämpfung keine ökologischen Begründungen aus der Forschung herangezogen werden können.
>>> keine Verbesserung
Vögel
Eine Reihe von Vogelarten werden nicht nur dem Jagdrecht unterstellt sondern auch geschossen oder neu zum Abschuß frei gegeben. Zumeist ohne dass sie verzehrt und damit genutzt werden. Dazu zählen insbesondere: Waldschnepfe, Ringeltaube, Türkentaube, Höckerschwäne, Blässhühner, Lachmöwen. Hier fordern wir nachdrücklich die Streichung bzw. Nicht-Aufnahme in das Jagdrecht, zumindest aber eine ganzjährige Schonzeit.
>>> Landesregierung hat bei Türkentaube, Blässhuhn und Lachmöwen die Jagdzeiten gestrichen (Erfolg!)
Rabenkrähe und Elster werden als sogenannten „Niederwildschädlinge“ zur Bekämpfung dem Jagdrecht unterstellt, obwohl für die Bekämpfung keine ökologischen Begründungen aus der herangezogen werden können. Auch hier fordern wir nachdrücklich die Streichung oder zumindest eine ganzjährige Schonzeit.
>>> keine Verbesserung
Im Übrigen werden alle Vogelarten des § 2 Bundesjagdgesetz (BJG), die in NRW regelmäßig brüten, dem Jagdrecht unterstellt. Eine Definition von „regelmäßig brüten“ wird nicht gegeben. Der Begründung, aber nicht dem Gesetz sind diese Arten zu entnehmen.
>>> keine Verbesserung nur eine Präzisierung durch Bezug auf Brutvogelliste der NWO von Juni 2016
In dieser Auflistung finden sich Vogelarten, die nicht dem §2 BJG unterliegen aber als solche dargestellt werden: Nilgans, Rostgans, Schneegans, Brautente, Mandarinente, Mittelmeermöwe.
Weiterhin wird diese Auflistung als nicht abschließend betrachtet, da die Auflistung in der Begründung eingeführt wird mit: „Demnach fallen –zum jetzigen Zeitpunkt- unter das Federwild folgende Arten: …“. Damit dürfte die Gesetzesregelung nicht zulässig sein, da das Gesetz durch fehlende Definition des Begriffs „regelmäßig brüten“ und durch die Öffnung in die Zukunft nicht ausreichend bestimmt ist. >>> siehe zuvor
Arten, die nach EU-Vogelschutzrichtlinie in Deutschland nicht bejagt werden dürfen, werden aufgenommen: z.B.: Greifvögel, Graureiher, Gänsesäger, Haselhuhn, Turteltaube, Schneegans.
>>> keine Verbesserung.
Baujagd (§ 19)
Die aus Tierschutzgründen zum Schutz von Wildtieren und der bei der Baujagd eingesetzten Hunde abzulehnende Baujagd wird - mit Ausnahme der Baujagd auf den Dachs - wieder eingeführt. Das Verbot sollte aufrecht erhalten bleiben. >>> keine Verbesserung.

Jagd in Schutzgebieten (§ 20)
Die Wiedereinführung der Einvernehmensregelung bei jagdlichen Fragen in Schutzgebieten kommt faktisch einem Stop jeglicher möglicher Einschränkungen der Jagd aus Naturschutzgründen gleich. Dieses Vetorecht der Unteren Jagdbehörde ist weder fachlich begründet noch angesichts der Notwendigkeit die vorhandenen Schutzgebiete qualitativ zu verbessern zeitgemäß. Damit werden in der Praxis private Jagdbelange über das Gemeinwohl und den Naturschutz gestellt.
>>> keine Verbesserung.

Trophäenschauen (§ 22)
Trophäenschauen, die biologisch gesehen ohne jegliche Aussagekraft sind, werden wieder ermöglicht. Damit und mit den nach Alter und Geschlecht differenzierten Jagdzeiten wird faktisch die Trophäenjagd wieder eingeführt und die zukünftige Jagdpraxis wieder danach ausgerichtet mit all ihren negativen Folgen für die Vegetation durch zu hohe Paarhuferbestände.
>>> keine Verbesserung.
 
Freigebiete für Rothirsche (§ 22)
Dem größten Landsäugetier (neben Elch und Wisent) wird weiterhin per Gesetz nur ein äußerst geringer Teil seines potentiellen Lebensraumes zugewiesen. Außerhalb dieser Bereiche müssen Rothirsche geschossen werden. Das widerspricht jedem Naturschutzgedanken, der natürlich vorkommenden Biodiversität und konterkariert die Investition in Querungshilfen.
>>> keine Verbesserung.
 
Fütterung (§ 25) Die Fütterungsmöglichkeiten und Fütterungszeiten werden ausgeweitet. Angebliche „Notzeiten“ werden bis Ende April per Gesetz unterstellt. Hege inkl. Fütterung widerspricht den Grundsätzen einer Jagd, die als Nutzung natürlicher Ressourcen verstanden wird. >>> keine Verbesserung.
 
Aussetzen von Tieren (§ 31)
Das Aussetzen jagdbarer Tiere wird wieder genehmigungsfrei zugelassen. Das Vorkommen von Tierarten wird damit jagdlichen Gesichtspunkten und individuellen Vorlieben der Jäger anheimgestellt. Die Natur ist jedoch nicht Spielplatz für jagdliche Interessen, sondern sollte sich unbeeinflußt von Jägerinteressen entwickeln können. >>> keine Verbesserung.

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Naturschutzbund Deutschland (NABU) e.V.

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