Nachrichten vom NABU Landes- und Bundesverband

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PRESSEMITTEILUNG NABU NRW | Nr. 14/19 | 28. März 2019

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40 Jahre Vogelschutzrichtlinie in NRW

NABU NRW kritisiert zu zögerliche und mangelhafte Umsetzung auf Landesebene

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Düsseldorf – Am 2. April wird die EU-Vogelschutzrichtlinie 40 Jahre alt. Sie ist gemeinsam mit der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie das entscheidende Instrument für den Erhalt und die Wiederherstellung der biologischen Vielfalt sowohl auf EU- wie auf Bundes- und Landesebene. „Die EU-Naturschutzrichtlinien haben wesentliche Impulse für den Natur- und Artenschutz gesetzt. Doch die vergangenen 40 Jahre zeigen auch, die halbherzige Umsetzung solcher Vorgaben reicht nicht aus, die heimische Artenvielfalt zu erhalten. Hier muss landes- wie bundesweit deutlich mehr getan werden, will man das Artensterben stoppen“, sagte Heinz Kowalski, stellvertretender Vorsitzender und Vogelexperte des NABU NRW.

 

So ist die Situation im zweitgrößten EU-Vogelschutzgebiet „Unterer Niederrhein“ besonders katastrophal: eine ganze Reihe wertgebender Brut- und Rastvögel stehen kurz vor dem Aussterben. Dazu gehören vor allem die Wiesenvögel wie Bekassine, Uferschnepfe und Rotschenkel. Die Intensivierung der Landwirtschaft, darunter die Umwandlung der grünlandgebundenen Milchviehwirtschaft in ganzjährige Stallhaltung, schreitet voran und zerstört den Lebensraum vieler Vogelarten der Wiesen und Weiden. Obwohl sich das Land NRW in einem EU-Vertragsverletzungsverfahren im Jahr 2008 verpflichtet hatte, ein Maßnahmenkonzept zu erarbeiten und umzusetzen, ist seitdem viel zu wenig passiert. „Damit riskiert die Landesregierung die Wiederaufnahme des Vertragsverletzungsverfahrens und Strafzahlungen an die EU“, erklärte Kowalski.

 

Zwar sei die Richtlinie hinsichtlich der von den Schutzgebietsausweisungen profitierenden Arten durchaus erfolgreich. So haben sich die Bestände von Kranich, Uhu, Weiß- und Schwarzstorch deutlich erholt. Die positiven Entwicklungen einzelner Großvogelarten können aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass Deutschland und insbesondere NRW mit der Umsetzung der Richtlinie auch 40 Jahre nach Inkrafttreten nur sehr zögerlich vorankommt und es vielen Vogelarten eher schlechter als besser geht.

 

„Bedenkt man zudem, dass die ausgewiesenen Gebiete sich längst nicht alle in einem guten Erhaltungszustand befinden, landes- wie bundesweit in den meisten Schutzgebieten keine wirkliche Beschränkung der forstlichen wie landwirtschaftlichen Nutzung vorgesehen ist, es an Zielvorgaben für den Artenschutz fehlt, erst für einen Bruchteil der Gebieten adäquate Managementpläne vorliegen und sowohl ein Monitoring wie auch die Finanzierung möglicher Maßnahmen nach wie vor unzureichend ist, wird deutlich, wie schlecht es wirklich um den Vogelschutz in NRW bestellt ist“, so Kowalski weiter. Die massiven Bestandseinbrüche bei Rebhuhn, Kiebitz, Uferschnepfe oder Feldlerche in den letzten Jahren machten dies erschreckend deutlich. Selbst ehemalige Allerweltsvögel wie der Star zeigten dramatische Bestandseinbrüche.

 

Hier bedarf es neben einer dringend erforderlichen Wende in der EU-Agrarpolitik auch einiger klarer Verbesserungen im nationalen Vogelschutz. Auf Landesebene erfordere dies unter anderem, endlich eine adäquate Sicherung aller Vogelschutzgebiete in NRW von EU-weiter Bedeutung (SPAs) umzusetzen. Da, wo immer noch Managementpläne fehlen, müssen diese zügig erstellt werden. Zudem müsse die Fläche einiger SPAs erweitert werden. Kowalski: „Unerlässlich ist es zudem, schädliche Eingriffe in Natura- 2000-Gebiete konsequent zu vermeiden sowie die Einhaltung von Gebiets-und Artenschutzbestimmungen intensiver als bisher zu kontrollieren. Dafür notwendiges Personal in den zuständigen Behörden muss entsprechend aufgestockt werden.“ Um Umwelt- wie Artenschutzdelikten intensiver verfolgen zu können, müsse deshalb auch die von der früheren NRW-Landwirtschaftsministerin Schulze Föcking abgeschaffte Stabsstelle Umweltkriminalität unverzüglich wieder eingerichtet werden.

 

Absolut kontraproduktiv sei zudem die kürzlich vorgenommene Novelle des NRW-Jagdgesetzes, womit Greifvögel wieder aus dem Naturschutzrecht in das Jagdrecht überführt worden seien. Dies gelte ebenso für zahlreiche weitere Arten, die nach EU-Recht nicht der Jagd unterliegen, wie verschiedene Enten-, Möwen- oder Taubenarten und das sehr seltene Haselhuhn. „Hier ist Wählerklientel bedient worden, auf Kosten des Artenschutzes“, kritisiert der stellvertretende NABU-Landeschef.

 

Die ausführlichen Forderungen zu notwendigen Verbesserungen in der Umsetzung der Vogelschutz- und der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie haben die Naturschutzverbände im Rahmen des EU-Fitness-Checks formuliert: https://www.nabu.de/imperia/md/content/nabude/europa/160914-verbaende-forderung-eu-naturschutzrichtlinien.pdf

 

 

Für Rückfragen:

Heinz Kowalski, stellv. Vorsitzender NABU NRW, mobil: 0160 88 56396

Claus Mayr, Europaexperte des NABU NRW, Claus.Mayr@NABU-NRW.de

 

 

Hintergrund

Bereits im ersten Umweltaktionsprogramm (UAP) der damaligen EWG hatten die Mitgliedstaaten beschlossen, insbesondere Zugvögel grenzüberschreitend besser zu schützen. Nach einstimmigem Beschluss der Mitgliedstaaten trat dazu am 2. April 1979 die "Richtlinie 79/409/EWG des Rates über die Erhaltung der wildlebenden Vogelarten" in Kraft. Sie sollte der Erkenntnis Rechnung tragen, dass Naturschutz keine Grenzen kennt. Ziel der Richtlinie ist ein besserer Schutz aller in Europa brütenden, rastenden und überwinternden Vogelarten. Dazu wurden strenge artenschutzrechtliche Bestimmungen erlassen, die z.B. die Jagd und den Fang von Vögeln bis auf wenige Ausnahmen verbieten, ebenso bestimmte Jagd- und Fangmethoden. Für besonders bedrohte Arten sowie für die Zugvogelarten schreibt die Richtlinie ein Netz von Schutzgebieten vor, die sogenannten "Special Protection Areas" (SPAs), in Deutschland  "Besondere Schutzgebiete" (BSG).

 

Insgesamt sind bundesweit 742 Vogelschutzgebiete gemeldet, davon 28 in Nordrhein-Westfalen. Mit einer Fläche von circa 165.006 Hektar stehen damit rund 4,8% der Landesfläche theoretisch für den Vogelschutz zur Verfügung. Insgesamt umfasst das Gebietsnetz Natura 2000 (Schutzgebiete nach EU-Vogelschutz- und nach Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie) in NRW rund 287.054 Hektar (überschneidungsfrei), das sind ca. 8,4% der Landesfläche.

 

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Herausgeber: NABU Nordrhein-Westfalen, 40219 Düsseldorf

Redaktion: NABU-Pressestelle NRW, Birgit Königs (verantwortlich)

Tel. 0211.15 92 51 - 14 | Fax -15 | E-Mail: B.Koenigs@NABU-NRW.de

 


 

 

 

 

PRESSEMITTEILUNG NABU NRW | Nr. 13/19 | 10. März 2019

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30 Jahre erfolgreicher Wanderfalkenschutz in NRW

AG Wanderfalkenschutz stellt Brutbilanz des Wanderfalken in NRW für 2018 vor | Stabiler Bestand von rund 230 Wanderfalkenpaaren | Sportlicher und schwindelfreier Nachwuchs gesucht
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Bitte beachten Sie die Sperrfrist: Sonntag, 10.03.2019, 13:00 Uhr.

 

Düsseldorf/Recklinghausen – „Die Brutsaison der Wanderfalken in Nordrhein-Westfalen war im vergangenen Jahr mit 230 Revierpaaren und 403 ausgeflogenen Jungfalken wieder erfolgreich“, erklärte Michael Kladny, Sprecher der Arbeitsgemeinschaft Wanderfalkenschutz des NABU NRW (AGW-NRW), auf dem Jahrestreffen der Wanderfalkenschützer am vergangenen Wochenende in Recklinghausen. Die Wanderfalkenpopulation sei damit auf einem hohen Niveau stabil, bedürfe aber weiter der menschlichen Unterstützung, damit dies so bleibt.

 

„Mit einer solchen Erfolgsgeschichte habe vor 30 Jahren niemand gerechnet“, so Kladny weiter. Es sei der Verdienst aller in der AG Wanderfalkenschutz über die Jahre aktiven ehrenamtlichen Helfer. Sie hätten nicht nur ansiedlungswilligen Wanderfalkenpaaren Brutunterlagen an Gebäuden angeboten und so erst eine Rückbesiedlung ermöglicht, sondern bis heute auch möglichst viele Jungfalken in diesen Brutunterlagen Jahr für Jahr beringt. Dieser Aufwand wurde bei steigenden Paar- und Jungenzahlen von Jahr zu Jahr größer.

 

Für die Beringung suche die AGW denn auch dringend ehrenamtliche Helfer, die möglichst Schwindelfreiheit und körperliche Fitness mitbringen sollten. Aber auch für die Beobachtung und Kontrolle der angesiedelten Paare und Revierhalter, fotographische Dokumentationen und die exakte Ablesungen mit Code-Ringen beringter Falken würden aktive Unterstützer gesucht. Kladny: “Wir müssen uns als AG Wanderfalkenschutz in NRW kontinuierlich verjüngen und neu aufstellen, damit wir dieses große und aufwendige Projekt weiterführen können.“

 

Der Aufwand, den die AGW mit der Beringung treibe, lohne sich aber, denn dies sei die Basis für zahlreiche wissenschaftliche Erkenntnisse zum Verhalten und zur Brutbiologie des Wanderfalken, die die AGW in den vergangenen Jahren gewinnen konnte. In diesem Jahr seien wieder mehr als zwei Drittel der ausgeflogenen Jungfalken beringt worden. Insbesondere beeindruckte die Tagungsteilnehmer die Gesamtzahl von rund 3400 Wanderfalken, die bis Ende 2018 in NRW durch die Aktiven der AGW beringt wurden.

 

In der vergangenen Brutsaison erhärtete sich die seit 2016 angedeutete "Sättigung" bei der Bestandsentwicklung des Wanderfalken in NRW weiterhin. Die Grenzen beim Brutplatzangebot scheinen erreicht zu sein. So liege die Zahl der Revierpaare seit 2016 stabil bei rund 230. Der Bruterfolg sei im vergangenen Jahr aber mit 403 ausgeflogenen Jungtieren wieder erfreulich hoch gewesen. Hier machten sich die im vergangenen Jahr idealen Brutbedingungen für den Wanderfalken bemerkbar, die zahlreiche Spätbruten und insgesamt 34 Bruten mit vier ausgeflogenen Jungfalken begünstigten. „Die AGW rechnet aber insgesamt weiterhin mit einer Abschwächung der Dynamik in der Bestandszunahme und damit einhergehend auch des Bruterfolges der nordrhein-westfälischen Wanderfalkenpopulation“, sagte Kladny. Zumal die Konkurrenz um Brutplätze mit dem Uhu der Wanderfalkenpopulation in NRW Grenzen setze.

 

In den Regierungsbezirken (RB) Arnsberg, Münster und Düsseldorf flogen im vergangenen Jahr rund 78 % aller in NRW flügge gewordenen Wanderfalken aus. Im RB Köln flogen 13 Prozent aller Jungfalken aus, in Detmold waren es 9 Prozent. Von 231 Revierpaaren begannen 202 mit einer Brut. Davon waren 157 Brutpaare  erfolgreich. Von den ausgeflogenen 403 Jungfalken konnten 285 beringt werden.

 

Mehr zur Arbeit der AG Wanderfalkenschutz in NRW und alle Jahresberichte der vergangenen Jahre unter https://nrw.nabu.de/wanderfalkenschutz-nrw/index.html.

 

 

Für Rückfragen:

Michael Kladny, Sprecher AG Wanderfalkenschutz, mobil: 0157 825 288 45 

 

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Herausgeber: NABU Nordrhein-Westfalen, 40219 Düsseldorf

Redaktion: NABU-Pressestelle NRW, Birgit Königs (verantwortlich)

Tel. 0211.15 92 51 - 14 | Fax -15 | E-Mail: B.Koenigs@NABU-NRW.de

 


 
 

Pressemitteilung NABU NRW | Nr 09/19 | 25. FEBRUAR 2019

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NABU hat jetzt 90.000 Mitglieder in NRW

Natur- und Umweltschutz sind den Menschen  wichtig

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Düsseldorf/Siegen  Aktionen wie das erfolgreiche Volksbegehren für mehr Artenvielfalt in Bayern zeigen: Die Belange von Natur und Umwelt stehen bei den Menschen nicht nur in den Umfragen hoch im Kurs. Viele wünschen sich einen besseren Schutz der Natur und sind zunehmend dazu bereit, sich entsprechend zu engagieren. Dies spürt auch der NABU NRW: Anfang 2008 hatte der NABU auf Landesebene rund 54.000 Mitglieder. Nun begrüßte der NABU NRW sein 90.000stes Mitglied im Kreis Siegen-Wittgenstein.

 

Dies bedeutet innerhalb von elf Jahren einen Zuwachs von fast 36.000 Menschen, die sich mit ihrer Mitgliedschaft zum Naturschutz bekennen. Allein im vergangenen Jahr sind über 6.000 neue naturbegeisterte Mitglieder in Nordrhein-Westfalen dazu gekommen. „Dieser gesellschaftliche Rückhalt macht den NABU nicht nur zum mitgliederstärksten Naturschutzverband in NRW, sondern versetzt ihn auch in die Lage, praktische Naturschutzarbeit vor Ort umzusetzen, neue Projekte in Angriff zu nehmen und sich erfolgreich als Anwalt der Natur auf politischer Ebene einzusetzen“, sagte Bernhard Kamp, Geschäftsführer des NABU NRW.

 

Im Heimathaus Bürbach hieß Bernhard Kamp Robin Lückert aus dem Kreis Siegen-Wittgenstein als 90.000stes Mitglied herzlich willkommen und überreichte dem jungen Mann ein NABU-Willkommenspaket – auch stellvertretend für alle neuen Mitglieder und Aktiven in den NABU-Gruppen. „Wir freuen uns sehr, dass so viele Menschen den Weg zum NABU finden, denn sie verleihen dem NABU eine starke Stimme für den Schutz einzigartiger Lebensräume und den Erhalt der biologischen Vielfalt. Dafür möchten wir allen Menschen, die uns als NABU-Mitglied unterstützen und sich ehrenamtlich vor Ort für die Natur engagieren herzlich danken“, so Kamp weiter.

Robin Lückert ist dabei nicht zum ersten Mal Mitglied im NABU NRW. In eine naturbegeisterte und im Naturschutz aktive Familie geboren, wurde er bereits als Säugling im Rahmen einer Familienmitgliedschaft als das jüngste bisher bekannte NABU-Mitglied aufgenommen. Während des Studiums der Biologie und des Ökolandbaus blieb wenig Zeit für den ehrenamtlichen Einsatz im Naturschutz. Doch nun mit dem Master in „Ökologische Landwirtschaft“ in der Tasche zieht es Robin Lückert wieder zurück zum Naturschutz. „Ich möchte mein Wissen dazu nutzen, Brücken zu bauen zwischen Naturschutz und Landwirtschaft, mich für eine nachhaltige und zukunftsweisende Landnutzung einsetzen, integrative Kulturräume schaffenund so zum Erhalt einer vielfältigen Kulturlandschaft beitragen.“ Dem landwirtschaftlichen System der Permakultur gilt dabei seine besondere Aufmerksamkeit. „Das funktioniert und ist für Landwirte auch wirtschaftlich interessant“, so Lückert weiter.


Eva Lisges vom NABU Siegen-Wittgenstein freute sich ebenfalls über den Neuzugang: „Wir freuen uns über die Verstärkung im NABU-Kreisverband. Der NABU in Siegen-Wittgenstein hat eine lange Historie. Die Naturschutzarbeit vor Ort wird dabei durch unsere ehrenamtlich Aktiven in allen Teilen des Kreises geleistet.“

Der NABU Nordrhein-Westfalen engagiert sich seit über 50 Jahren für den Schutz bedrohter Lebensräume, für gefährdete Tier- und Pflanzenarten, für reine Luft und gesunde Böden sowie eine naturverträgliche und nachhaltige Landnutzung. „Unser Naturerbe bewahren – diese anspruchsvolle Aufgabe kann niemand allein bewältigen. In über 150 Orts- und Kreisgruppen, die älteste bereits über 110 Jahre alt, sind unsere Mitglieder in NRW aktiv. Dabei sein kann jede und jeder“, so Kamp. Dabei sind die Aufgaben der Aktiven vor Ort vielfältig. Die Tätigkeiten reichen von der Mitwirkung bei weit vernetzten EU-Life-Projekten bis hin zu kleinräumigen Naturschutzprojekten vor der Haustür in Eigenregie. So werden beispielsweise im Frühjahr regelmäßig Schutzzäune an Straßen aufgestellt, damit Kröten und Frösche sicher ihre Laichgewässer erreichen können. Aber auch gemeinsam Streuobstwiesen gepflegt und im Herbst die geernteten Früchte zu Saft verarbeitet sowie zahlreiche Pflegemaßnahmen in der Natur durchgeführt.

  

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Herausgeber: NABU Nordrhein-Westfalen, 40219 Düsseldorf

Redaktion: NABU-Pressestelle NRW, Birgit Königs (verantwortlich)

Tel. 0211.15 92 51 - 14 | Fax -15 | E-Mail: B.Koenigs@NABU-NRW.de

 

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Jagdgesetz

Die Düsseldorfer Koalition lässt schiessen

 

Die vorliegende Gesetzesnovelle stellt in weiten Teilen leider keine Anpassung an zwingende gesetzliche Notwendigkeiten oder neue ökologische oder wildbiologische Erkenntnisse dar. Sie folgt in weiten Teilen den Wahlversprechen von CDU und FDP sowie der Festlegung im Koalitionsvertrag von 2017, in dem es heißt: „Das Landesjagdgesetz werden wir weitreichend überarbeiten und die Fehler der letzten Novellierung rasch korrigieren.“
Angesichts dieser Festlegung kann man dem vorliegenden Entwurf attestieren, dass er dies auch weitgehend umsetzt.
Eine Aussöhnung von Interessen des Naturschutzes, des Tierschutzes und der Jagd wird es mit diesem Gesetzentwurf nicht geben. Er wird Gräben weiter vertiefen. Diese Novellierung fordert auf Grund der Herleitung, der Inhalte (Roll back) und Begründungen, wenn es dabei bleibt, eine nächste Novellierung einer künftigen Landesregierung geradezu heraus.

Die Jagd in ihrer heutigen Form wird sowohl vom Naturschutz als auch vom Tierschutz und von weiteren Teilen der Bevölkerung kritisch gesehen. Ein wichtiger Grund dafür ist das Reformdefizit des Jagdrechts: In das seit 1952/53 im wesentlichen unverändert fortgeltende Bundesjagdgesetz sind wichtige Erkenntnisse der Wildtierökologie sowie des Natur-, Arten- und Tierschutzes ebenso wenig eingeflossen wie die veränderten gesellschaftlichen Anforderungen an die Jagdausübung. Mit der letzten Novelle hat NRW ein modernes Jagdgesetz bekommen, auch wenn der NABU NRW in einer ganzen Reihe von Punkten weitere Veränderungen eingefordert hatte, auf die wir an dieser Stelle verweisen. Mit der vorliegenden Novelle fällt NRW in weiten Teilen wieder auf den alten Stand zurück.

Der NABU hat eine detaillierte Verbandsposition zur Jagd in Deutschland, auf die hier verwiesen werden soll. Der NABU bekennt sich darin ausdrücklich zu einer naturverträglichen Jagd als eine Form der Landnutzung, wenn sie den Kriterien der Nachhaltigkeit entspricht und ethischen Normen nicht widerspricht. Dies ist für uns dann der Fall, wenn - die erlegten Tiere sinnvoll genutzt, in der Regel verzehrt werden und - die bejagte Art bzw. Population in ihrem Bestand nicht gefährdet oder potentiell gefährdet ist und - Störungen minimiert und andere Arten oder Lebensräume nicht bzw. nur minimal beeinträchtigt werden und - die nationalen und internationalen Regelungen und Konventionen (BNatSchG, FFH-/VS-Richtlinie, Ramsar-Konvention, Bonner Konvention, insbesondere AEWA, etc.) beachtet werden und - die Nachhaltigkeit der Nutzung entsprechend den Anforderungen der Biodiversitätskonvention gesichert ist (bei wandernden Tierarten muss die Nachhaltigkeit für Sommer- wie Winterhabitat und für die gesamte Zug-/ Wanderstrecke sichergestellt sein) und - der Tierschutz sowie die ethischen Anforderungen der Gesellschaft beachtet werden und - die Wildtierbestände nicht zum Zweck der Jagd aktiv gefördert werden.
Trotz der Aussichtslosigkeit des Unterfangens mit sachlichen Argumenten Wahlversprechen und jagdideologisch geprägte Veränderungen noch zu beeinflussen greift der NABU NRW einige zentrale Punkte der Novelle heraus:

Katalog der jagdbaren Arten (§ 2)
Der NABU hält nach seinen Kriterien folgende Arten in NRW für jagdbar: Rothirsch, Reh, Damhirsch, Sikahirsch, Mufflon, Wildschwein, Wildkaninchen, Feldhase (auf Grund der derzeitigen Gefährdung mit ganzjähriger Schonung), Stockente, Fasan, Rotfuchs.
Dem entsprach schon nicht die derzeit gültige Liste der jagdbaren Arten. Nach der jetzt beschlossenen Änderung würden aber wieder allein mehr als 50 Vogelarten dem Jagdrecht unterliegen.
Besonders soll darauf verwiesen werden, dass Arten in das Jagdrecht aufgenommen werden, die dem Anhang 4 der FFH-Richtlinie unterliegen (Säugetiere) oder in der EU-Vogelschutzrichtlinie nicht für die Jagd in Deutschland freigegeben sind.
Zudem werden Arten aufgenommen, die nach Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG) besonders geschützt und zusätzlich streng geschützt sind, obwohl der Artenschutz alleinige, abweichungsfeste Bundeskompetenz ist und das Jagdrecht der Konkurrierenden Gesetzgebungskompetenz unterliegt. Die Aufnahme solcher Arten ist sowohl verfassungsrechtlich als auch EU-rechtlich nicht zulässig (s. Gutachten des BMU – sog. „Möckel-Gutachten“).
Zudem werden Arten, die in den Roten Listen geführt werden im Jagdrecht aufgenommen und bekommen teilweise Jagdzeiten. Dies widerspricht dem Artenschutz.
Im Einzelnen:
Säugetiere Der Wisent als FFH Anhang 4 Art wird als einzige Art aus dem Jagdrecht gestrichen vermutlich wegen des strittigen Aussetzungsprojektes im Siegerland. Die Streichung begrüßen wir.
Wildkatze und Fischotter als FFH Anhang 4 Arten sowie als nach BNatSchG besonders und zusätzlich streng geschützte Arten werden dem Jagdrecht unterstellt.
>>> keine Verbesserung Arten (meist Marder), die als „Raubzeug“ traditionell bekämpft werden, sind dem Jagdrecht unterstellt, obwohl für die Bekämpfung keine ökologischen Begründungen aus der Forschung herangezogen werden können.
>>> keine Verbesserung
Vögel
Eine Reihe von Vogelarten werden nicht nur dem Jagdrecht unterstellt sondern auch geschossen oder neu zum Abschuß frei gegeben. Zumeist ohne dass sie verzehrt und damit genutzt werden. Dazu zählen insbesondere: Waldschnepfe, Ringeltaube, Türkentaube, Höckerschwäne, Blässhühner, Lachmöwen. Hier fordern wir nachdrücklich die Streichung bzw. Nicht-Aufnahme in das Jagdrecht, zumindest aber eine ganzjährige Schonzeit.
>>> Landesregierung hat bei Türkentaube, Blässhuhn und Lachmöwen die Jagdzeiten gestrichen (Erfolg!)
Rabenkrähe und Elster werden als sogenannten „Niederwildschädlinge“ zur Bekämpfung dem Jagdrecht unterstellt, obwohl für die Bekämpfung keine ökologischen Begründungen aus der herangezogen werden können. Auch hier fordern wir nachdrücklich die Streichung oder zumindest eine ganzjährige Schonzeit.
>>> keine Verbesserung
Im Übrigen werden alle Vogelarten des § 2 Bundesjagdgesetz (BJG), die in NRW regelmäßig brüten, dem Jagdrecht unterstellt. Eine Definition von „regelmäßig brüten“ wird nicht gegeben. Der Begründung, aber nicht dem Gesetz sind diese Arten zu entnehmen.
>>> keine Verbesserung nur eine Präzisierung durch Bezug auf Brutvogelliste der NWO von Juni 2016
In dieser Auflistung finden sich Vogelarten, die nicht dem §2 BJG unterliegen aber als solche dargestellt werden: Nilgans, Rostgans, Schneegans, Brautente, Mandarinente, Mittelmeermöwe.
Weiterhin wird diese Auflistung als nicht abschließend betrachtet, da die Auflistung in der Begründung eingeführt wird mit: „Demnach fallen –zum jetzigen Zeitpunkt- unter das Federwild folgende Arten: …“. Damit dürfte die Gesetzesregelung nicht zulässig sein, da das Gesetz durch fehlende Definition des Begriffs „regelmäßig brüten“ und durch die Öffnung in die Zukunft nicht ausreichend bestimmt ist. >>> siehe zuvor
Arten, die nach EU-Vogelschutzrichtlinie in Deutschland nicht bejagt werden dürfen, werden aufgenommen: z.B.: Greifvögel, Graureiher, Gänsesäger, Haselhuhn, Turteltaube, Schneegans.
>>> keine Verbesserung.
Baujagd (§ 19)
Die aus Tierschutzgründen zum Schutz von Wildtieren und der bei der Baujagd eingesetzten Hunde abzulehnende Baujagd wird - mit Ausnahme der Baujagd auf den Dachs - wieder eingeführt. Das Verbot sollte aufrecht erhalten bleiben. >>> keine Verbesserung.

Jagd in Schutzgebieten (§ 20)
Die Wiedereinführung der Einvernehmensregelung bei jagdlichen Fragen in Schutzgebieten kommt faktisch einem Stop jeglicher möglicher Einschränkungen der Jagd aus Naturschutzgründen gleich. Dieses Vetorecht der Unteren Jagdbehörde ist weder fachlich begründet noch angesichts der Notwendigkeit die vorhandenen Schutzgebiete qualitativ zu verbessern zeitgemäß. Damit werden in der Praxis private Jagdbelange über das Gemeinwohl und den Naturschutz gestellt.
>>> keine Verbesserung.

Trophäenschauen (§ 22)
Trophäenschauen, die biologisch gesehen ohne jegliche Aussagekraft sind, werden wieder ermöglicht. Damit und mit den nach Alter und Geschlecht differenzierten Jagdzeiten wird faktisch die Trophäenjagd wieder eingeführt und die zukünftige Jagdpraxis wieder danach ausgerichtet mit all ihren negativen Folgen für die Vegetation durch zu hohe Paarhuferbestände.
>>> keine Verbesserung.
 
Freigebiete für Rothirsche (§ 22)
Dem größten Landsäugetier (neben Elch und Wisent) wird weiterhin per Gesetz nur ein äußerst geringer Teil seines potentiellen Lebensraumes zugewiesen. Außerhalb dieser Bereiche müssen Rothirsche geschossen werden. Das widerspricht jedem Naturschutzgedanken, der natürlich vorkommenden Biodiversität und konterkariert die Investition in Querungshilfen.
>>> keine Verbesserung.
 
Fütterung (§ 25) Die Fütterungsmöglichkeiten und Fütterungszeiten werden ausgeweitet. Angebliche „Notzeiten“ werden bis Ende April per Gesetz unterstellt. Hege inkl. Fütterung widerspricht den Grundsätzen einer Jagd, die als Nutzung natürlicher Ressourcen verstanden wird. >>> keine Verbesserung.
 
Aussetzen von Tieren (§ 31)
Das Aussetzen jagdbarer Tiere wird wieder genehmigungsfrei zugelassen. Das Vorkommen von Tierarten wird damit jagdlichen Gesichtspunkten und individuellen Vorlieben der Jäger anheimgestellt. Die Natur ist jedoch nicht Spielplatz für jagdliche Interessen, sondern sollte sich unbeeinflußt von Jägerinteressen entwickeln können. >>> keine Verbesserung.

Naturschutzbund Deutschland (NABU) e.V.

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