Kopfbäume

Foto: P. Wihan
Foto: P. Wihan

Die Kopfbäume sind aus unserer niederrheinischen Landschaft nicht wegzudenken. Neben den langen Pappelreihen gehört die Kopfweide zu den Bäumen, die das charakteristische Landschaftsbild des Niederrheins ausmachen.

 

Leider sind durch Flurbereinigungsmaßnahmen und Umstrukturierungen der Land­wirtschaft die alten Holznutzungsformen und damit die  Kopfbäume zurückgedrängt worden. Viele Bäume wurden gefällt und vernichtet.

 

Viele Laubbaumarten wurden zu Kopfbäumen geformt. Am Niederrhein finden wir Kopfbäume der Hainbuche, des Ahorns, der Linde, der Buche, der Erle, der Pappel, der Eiche, der Esche und der Weide. Der Kopfholzbetrieb hatte in den vergangenen Jahrhunderten eine große wirtschaftliche Bedeutung. Das Schnittholz wurde zum Bau von Fachwerkhäusern (die Wände wurden aus einem Weidengeflecht, Lehm und Häcksel erstellt), für Hordengatter und Flechtzäune, als Brennholz, zur Korbmacherei, als Stiele für Arbeitsgeräte, als Heureiter und zur Fertigung von Holzschuhen verwendet. Auch heute noch werden bei unseren niederländischen Nachbarn große Mengen des Kopfweidenholzes für den Küstenschutz verwendet.

 

Bei uns in Deutschland findet - in Form von Flechtfaschinen (Weidengeflecht) - das Weidenreisig zunehmend Verwendung bei der Befestigung von Böschungen, vor allem beim Autobahn- und Straßenbau. 

Auf der Kopfweide siedeln sich Pilze, Farne, Flechten und Moose an. Sogar höhere Pflanzen, wie der Holunder und die Feldrose, wachsen auf ihnen. 

Zahlreiche Tierarten sind in großem Maße von der Kopfweide abhängig, ob als Brut-, Fraß- oder Wohnstätte. Von den Insekten sind fast 1000 Arten, wie z.B. ca. 137 Großraupen- oder ca. 90 Käferarten, auf die Weide angewiesen. Von unserer heimischen Tier- und Vogelwelt sind insbesondere der Steinkauz, der Gartenrotschwanz, der Iltis, der Siebenschläfer und die Fledermausarten von den Kopfweiden abhängig.

 

 

Foto: L. Uhlig
Foto: L. Uhlig

Wir, der Naturschutzbund Mönchengladbach, haben uns als einen Schwerpunkt innerhalb des Stadtgebietes die Pflege der Kopfbaumbestände zur Aufgabe gemacht. Leider reichen unsere zahlreichen Aktivitäten nicht aus, um große Kopfbaumbestände zu überwachen und zu pflegen. Deshalb ist jeder einzelne gefordert, einen kleinen Beitrag für unsere Natur zu leisten. Mit wenig Aufwand können sie mit der Pflanzung einer Kopfweide einen wichtigen Beitrag zur Schaffung neuer Lebensräume für unsere Tier-, und Pflanzenwelt schaffen. Zunehmend, für viele Ofenbesitzer ist die Beschaffung von Brennholz wichtig geworden. Mit der Pflanzung eines Kopfbaumes (kann auch Buche oder Eiche) wird diese Baumnutzung wieder interessant.

Lebende Häuser aus Weidenstecklingen:


Früher boten sie den Schäfern Schutz vor Wind und Kälte, heute werden sie in Kindergärten, auf Spielplätzen oder auch im Garten immer beliebter: Die Weidenhütten. Aus den Ästen und Zweigen der Kopfbäume lassen sich recht einfach lebende Häuser bauen, die sich bei guten Standortbedingungen schnell begrünen und so dichte Wände bilden. Weiden eignen sich besonders gut dazu. Ihr Astmaterial ist sehr biegsam, die Stecklinge bewurzeln leicht und wachsen schnell. Sie wollen selbst zum Bauherrn werden? Das notwendige Material können Sie nach unseren Schneitelaktionen im Winter beim NABU bekommen.

 

Weiden benötigen einen feuchten Standort. Die Setzstangen sollten ca. 2,5 m bis 3,20 m lang sein. Um das Austrocknen der Weidenstecklinge zu verhindern, sollten diese vor dem Pflanzen am unteren Ende feucht gehalten werden; am besten stellt man sie ins Wasser. Das Pflanzloch muss 80 cm tief sein. Die Stecklinge werden gesetzt und vorsichtig angestampft. Bei freien Lagen sollte ein Pfahl zum Anbinden nicht fehlen. Auf Wiesen mit Vieh- oder Pferdebesatz muss ein Zaun mit einem Abstand von mind. 1,2 m vor Verbissschäden schützen. Der Abstand der Weidensetzlinge sollte 5-6 m nicht unterschreiten. Das Steckholz wird auf 15-20 cm unterhalb des Kopfendes aufgeastet. Dieses wird die nächsten 4 Jahre beibehalten. Danach muss die Schneitelung (Abschneiden des Zweiges am Austrieb) alle 4-6 Jahre durchgeführt werden.

 

Variationen:

Neben der oben gezeichneten aufwändigen Hausform können auch einfachere Bauformen gewählt werden. Zum Beispiel Zelt, Pyramide oder Schutzdach. Die Höhe und Größe der Bauten sollte sich nicht nur nach dem Flechtmaterial, sondern auch nach der Anzahl und Größe der Kinder richten.

 

 

Lange Freude haben Sie an Ihrer Weidenhütte, wenn Sie bei Trockenheit wässern. Außerdem sollten Sie junge Triebe bei Bedarf nachflechten und dürre herausstehende Teile wegen der Verletzungsgefahr herausschneiden.

 

Material:

Nicht alle Weidenarten eignen sich gleich gut zum Bau. Besonders gut geeignet sind die Purpurweide (Salix purpurea) und die Korbweide (Salix viminalis). Noch tauglich sind Silberweide (Salix alba) und Salweide (Salixcaprea). Ungeeignet sind die Ohrweide (Salix aurita), Grauweide (Salix cinerea) und die Bruchweide (Salix fragilis). Die Weidenäste sollten möglichst frisch geschnitten, lang und biegsam sein.

 

Standort:
Als Standort eignet sich am besten ein feuchter Boden. Ein zu trockener Boden muss ansonsten regelmäßig gegossen werden. Ein stark sandiger Boden eignet sich jedoch nicht. Bei weniger feuchtem Boden sollte man den Grundrissgraben etwas vertieft lassen, damit beim Gießen die Stecklinge besser Wasser bekommen. Die beste Bauzeit ist Ende Januar bis Anfang März, wenn die Weiden frisch geschnitten aber noch nicht ausgetrieben sind, und wenn der Boden nicht mehr gefroren ist.

 

Bauanleitung:
Beim Aufbau einer Weidenhütte gehen Sie folgendermaßen vor: Grundriss festlegen, dort Boden lockern, schmalen Graben ausheben oder Löcher in den Boden treiben. Die große Mehrzahl der Ruten müssen senkrecht oder diagonal im Boden eingebaut und oben verflochten werden, Einbautiefe 40-50 cm. Um größere Stabilität zu erreichen, sind einige Ruten waagerecht, also ohne Erdanschluss, einzuflechten. Sie sollten nicht zu dicht flechten. Je dichter, desto schwieriger. Besser später junge Triebe nachflechten.

 


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