Der Wanderfalke  

 

Kulturhistorisch: frühere Bezeichnung im Rheinland „gruete Stüeter“ = großer Stößer wg. seines jähen Herabstoßens auf seine Beute.

 

 

Demandt, ein früherer bekannter Vogelforscher, schrieb einst über den Wanderfalken, er sei ohne Zweifel die vollendetste Vogelgestalt unserer Fauna. Recht hat er!

 

 

 

 

 

Der Wanderfalke ist ein echter Kosmopolit, denn er besiedelt bis auf die Antarktis alle Kontinente unserer Erde. Lange Zeit ging es ihm aber in Deutschland insbesondere wegen DDT und anderer Pestizide sehr schlecht. Er stand bei uns sogar kurz vor dem Aussterben. In den 70. Jahren des letzten Jahrhunderts vermutete man nur noch rd. 40 Exemplare im damaligen Ost- und Westdeutschland zusammen. So wurde er 1971 vom damaligen Deutschen Bund für Vogelschutz zum Vogel des Jahres erklärt.

 

In unserer Heimat MG/Umgebung war er ohnehin nie Brutvogel, sondern nur vereinzelter Durchzügler, denn er bevorzugte lange Zeit grundsätzlich steile Felsen, die es im Niederrhein nun mal nicht gibt.

 

Seit ein paar Jahren brütet er - wenn auch nur vereinzelnd -  erfolgreich in unserer Stadt.  Aber wo sind die Felsen? Als sog. Kulturfolger hat er sich in vielen Städten Kirchtürme, Schornsteine und andere hohe Industriegebäude ausgesucht, die als Felsenersatz dienen; so auch in MG. Und Tauben, eine Hauptbeute des Wanderfalken,  gibt es in den Innenstädten ohnehin mehr als genug.

 

So hat Bernd Bäumer, der hiesige Vertreter der Arbeitsgemeinschaft Wanderfalken, mit einigen Helfern auch an verschiedenen Kirchtürmen des Stadtgebietes in luftiger Höhe Nisthilfen zur Unterstützung angebracht. Der Erfolg kann sich bisher sehen lassen.

 

Steckbrief

 

·        Größe: Das Weibchen ist etwas größer als das Männchen und wiegt rd. 900 g, mit einer Körperlänge um 48 cm. Männchen: Gewicht 600 g und Körperlänge 40 cm.

 

·        Kennzeichen: Der erwachsene Vogel ist auf dem Rücken schiefergrau und auf der Bauch weiß mit dunklen Wellenlinien. Der Kopf ist schwarz mit einem typischen dunklen Backenstreifen.

 

·        Nahrung: Singvögel, Tauben, Rabenvögel, Enten u.a.m., die im Flug erbeutet werden. Dabei erreicht er Geschwindigkeiten von 200 km/h, ja sogar über 300 km/h.

 

 

Text: Ludwig Winkens

 


Das Schweigen des Graureihers

 

 

In meiner Jugend war der Graureiher ein scheuer Vogel und man freute sich richtig, wenn man einen sah. Für meine Geschwister und für mich war das der Höhepunkt der Wanderung im Venn. Ein Graureiher stand im Schilf, an einer für Menschen unwegsamen Stelle .

 

 Was noch geheimnisvoller war, er schwieg immer. Bis in den 90´ern des vorigen Jahrhunderts habe ich geglaubt, Graureiher rufen nicht.

 

 

Als der Erste seinen rauhen Schrei hören ließ, war ich sowohl erstaunt als begeistert. Warum hat er so lange geschwiegen?

 

Der Mensch ist wahrscheinlich die Ursache. Graureiher sind, genau so wie Kormorane, noch immer nicht beliebt bei vielen Menschen. Hauptgrund: Nahrungskonkurrenz. Fälschlich wird behauptet: `Die essen alles auf.´ Diese Lebenshaltung heißt also, daß alles was kriecht, krabbelt und schwimmt in und am Wasser Besitz der Menschheit ist. Tiere sind ´Schädlinge´, wenn sie ´unsere´ Fische usw. verzehren. Schade, denn der Mensch ist es, der Überfischung der Meere und andere Gewässer betreibt. Und über Fische die einfach weggeworfen werden ohne verzehrt zu werden, sieht man kaum Daten. Das ist wirklich kriminell.

 

Ich genieße den Anblick des Graureihers. ´Meiner´ lügenstraft alle böse Vorurteile, läßt die jungen Entlein in Ruhe und frißt brav seine Portion Frösche. Oder kommt jetzt eine (französische) Widerstandbewegung gegen froschfressende Reiher?

 

Im Alten Ägypten war der Graureiher heilig, man schreibt sogar, daß er ´Modell´ stand für den Vogel Phoenix. Märchen von Gestern? Nicht wirklich, wenn am Abend die schwarze Silhouette eines Graureihers vor einem roten Feuerball steht.

 Steckbrief

Spannweite: 1,6 – 2 m
Gewicht: 1 – 3 kg
Länge: 84 – 100 cm

 

Nahrung
Graureiher ernähren sich hauptsächlich von Fisch, jedoch auch von Amphibien, Kleinsäugern, Reptilien, Jungvögeln und Insekten.

 

Schutzstatus International
Der Graureiher unterliegt wie alle europäischen Vogelarten dem allgemeinen Schutz der Europäischen Vogelschutzrichtlinie.

Schutzstatus National
Der Graureiher zählt als europäische Vogelart gem. § 7 Abs. 2 Nr. 13 zu den vom Bundesnaturschutzgesetz (BNatschG) besonders geschützten Arten.

Landesjagdgesetz
Nach der Landesjagdzeitenverordnung vom 31. März 2010 genießt der Graureiher weiterhin eine ganzjährige Schonzeit. Im Rahmen der Novellierung des Landesjagdgesetzes 2014 hat der NABU die Streichung des Graureihers aus der Liste der jagdbaren Arten gefordert. Der aktuelle Entwurf der Landesregierung sieht dies für den Graureiher vor.

 

Quelle: https://nrw.nabu.de/natur-und-landschaft/landnutzung/jagd/jagdbare-arten/wasservoegel/06747.html

 

Text: Caroline Dormans

 


Mösch oder Spatz?

 

 

 

Bei der jüngsten „Stunde der Gartenvögel“ war der Haussperling, so die genaue Bezeichnung, wieder einmal der am häufigsten gezählte Vogel in unseren Gärten, obschon sich in den letzten 30 Jahren seine Anzahl leider halbiert hat. So ist er auch in einigen Bereichen unserer Stadt kaum noch zu beobachten.

 

In früheren Jahren wurde der freche und kecke Spatz nahezu weltweit bejagt und verfolgt; auch bei uns.

 

Mitte des 19. Jahrhunderts wurden alle Jagdpächter der Stadt Erkelenz verpflichtet, jährlich mindestens 100 Köpfen dieser Feldschädlinge zu erlegen und abzuliefern. Bei Nichterfüllung der Abschusszahl musste der Jagdpächter für jeden an der Zahl fehlenden Kopf einen Silbergroschen an die Stadtkasse zahlen.

 

 

Selbst Tierforscher Alfred Brehm schrieb über den Sperling ein vernichtendes Urteil: „Er ist ein unerträglicher Schwätzer und ein erbärmlicher Sänger. Trotzdem schreit, lärmt und singt der Sperling, als ob er mit der Stimme einer Nachtigall begabt wäre; und schon im Nest schilpen die Jungen.“ 

 

Dabei ist doch den meisten ein Spatz in der Hand lieber als die Taube auf dem Dach!

 

 

Steckbrief

 

·        Gewicht um 30 g; Körperlänge um 15 cm;

 

·        Stimme: Der Gesang ist ein allgemein bekanntes  „schilp-tschilp“;

 

·        Nahrung: Der Haussperling ist ein Allesfresser, der neben Insekten, Körnern, Obst und  Knospen sogar Hausabfälle aufnimmt.

 


Vogelbeobachtungen

 

Alle Vögel sind schon da, alle Vögel alle!

 

Amsel, Drossel, Fink und Star und die ganze Vogelschar……

 

so wie einst Hoffmann von Fallersleben im 18. Jahrhundert dieses schöne und uns (allen?) bekannte Volkslied schrieb.

 

Welche ganze Vogelschar? Von der ganzen Vogelschar sind bedauerlicherweise etliche Vogelarten bei uns verschwunden; für immer! Selbst unser  Allerweltsvogel und Vogel des Jahres, der Star, reduzierte sich plötzlich und ohne Vorwarnung um 2,6 Millionen Paare.

 

Von den 128 Brutvögeln, die es lt. C. Maas vor rd. 60 bis 80 Jahren bei uns gab, ist vielleicht noch knapp die Hälfte in MG als Brutvogel vorhanden. Es ist bestimmt kein Zufall, dass zeitgleich mit dem großen Insektensterben ein Vogelsterben im Gange ist. Die Gründe für das Verschwinden sind hinlänglich bekannt (Zersiedelungen, traktorgerechte Agrarsteppen, Insektizide und, und, und).

 

Nicht nur der schöne Kiebitz Bild (Willi Eckers).

 

 

 

ist aus unserer Heimat MG mehr oder weniger ganz verschwunden, sondern auch noch Pirol, Girlitz, Grauammer, Ortolan, Rohrammer, Haubenlerche, Baumpieper, Feldsperling, Waldbaumläufer, Raubwürger, Neuntöter, Trauerfliegenschnäpper, Waldlaubsänger, Feld- und Rohrschwirl, Schilf-/Drossel- und Teichrohrsänger, Steinschmätzer, Braun-/Schwarz- und Blaukehlchen, Gartenrotschwanz, Nachtigall, Wasseramsel, Uferschwalbe, Wendehals, Wiedehopf, Ziegenmelker, Korn- und Wiesenweihe, Wespenbussard, Zwerg- und große Rohrdommel, verschiedene Entenarten, Turteltaube, verschiedene Wat- und Schnepfenvögel, Birkhuhn, Wachtel, Rebhuhn, Wachtelkönig u.v.a.m.

 

Etliche weitere hiesige Vogelarten befinden sich auf der Liste der gefährdeten bzw. der vom Aussterben bedrohten roten Liste. Sind unsere Vögel noch zu retten?

 

Niemand mit Verstand und ein wenig Sinn für die Natur möchte eines Tages auf das Zwitschern und Tirilieren unserer Singvögel verzichten. Deshalb muss jeder Naturfreund seinen persönlichen Beitrag leisten und sich massiv dafür einsetzen, dass ein weiteres Artensterben möglichst verhindert oder zumindest verlangsamt wird. Das Vogelsterben muss ein Ende haben.

 

 

 

Text: Ludwig Winkens