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Die Mauersegler sind weg

Den Städtern ist er durch seine wendigen Flugmanöver in unseren Straßenschluchten und durch seine hohen „sriii“-Rufe bekannt; zum Sommer gehört er wie Erdbeereis und Freibad: der Mauersegler. Doch bereits Anfang August läutet er das nahende Ende des Sommers und damit den jährlichen Vogelzug in die Winterquartiere ein.

 

„Mit den Mauerseglern kann man fast den Kalender stellen - jedes Jahr um den 1. Mai kommen sie zu uns und um den 1. August fliegen sie wieder fort“, sagt Christian Chwallek, stellvertretender Vorsitzender beim NABU NRW. Eine gigantische Flugleistung der an der sichelförmigen Silhouette am Himmel gut erkennbaren Vögel.

 

Zunehmend bereite der Mauersegler dem NABU jedoch Sorgen. „Der Vogel, der große Teile seines Lebens in der Luft verbringt, sogar sein Nistmaterial – Halme, Haare, Federn und anderes – im Flug schnappt, wird immer häufiger Opfer einer Maßnahme, die eigentlich dem Umweltschutz dient: Neubauten werden heute ebenso wie Altbauten perfekt gedämmt und abgedichtet; dadurch werden Mauersegler, regelrecht ausgesperrt, weil sie nicht mehr hinter Dachziegel und Verschalungen gelangen können, um dort zu brüten“, erklärt Christian Härting, Sprecher des Landesfachausschusses Ornithologie und Vogelschutz im NABU NRW. „Wenn wir diesen wunderbaren Vogel nicht verlieren wollen, müssen wir dafür sorgen, dass er neue Brutplätze erhält.“

 

Spezielle Mauersegler-Nistkästen schaffen hier Abhilfe. Sie lassen sich mit etwas Geschick leicht selbst zu bauen. „Unter Dachvorsprüngen angebracht, gern auch zu mehreren, können sie dem Mauersegler gute Brutdomizile bieten“, ruft der NABU-Vogelexperte dazu auf, selbst aktiv zu werden: „Es wäre schön, wenn schon jetzt viele Mauerseglerkästen gebaut und angebracht würden – diese können draußen noch auswittern, bis die Mauersegler im nächsten Jahr wieder bei uns eintreffen“, nennt Härting die Vorteile dieser Nistkästen. Auch ist etwas Geduld gefragt, Mauersegler sind Traditionsbrüter, ein neuer Brutplatz wird manchmal erst nach mehreren Jahren angenommen. Einmal angenommen kann er über mehrere Jahrzehnte genutzt werden.

 

Den Mauerseglern folgen bald schon weitere Zugvögel gen Süden. Bis Ende August werden sich auch Weißstörche, Kuckuck und Nachtigall auf den Weg machen, während andere noch länger bei uns verbleiben, wie zum Beispiel die Mehl- und Rauchschwalben. Allerdings werden es von Jahr zu Jahr weniger, die im Frühjahr zu uns zurückkehren. Ihre Nahrung wird weniger, denn sie sind von Insekten abhängig von denen es immer weniger gibt. Das betrifft sowohl Mitteleuropa als auch Afrika, denn auch dort nehmen die Monokulturen mit dem Einsatz von Pestiziden und Dünger zu. Chwallek: “Das Insektensterben zu stoppen ist deswegen die weit größere Anstrengung, die es zu meistern gilt, um insektenfressende Vogelarten wie den Mauersegler auch zukünftig im Sommer begrüßen zu können.“

 

Für Rückfragen:

Christian Chwallek, stellvertretender Vorsitzender des NABU NRW, mobil: 0172 30 50 359

Christian Härting, Sprecherteam Landesfachausschuss Ornithologe und Vogelschutz beim NABU NRW, mobil: mobil: 0151 579 89 876