Willkommen beim NABU Mönchengladbach

Für Mensch und Natur

Aus dringendem aktuellem Anlass veröffentlichen wir hier den offenen Brief des engagierten Naturführers und Waldpädagogen Michael Zobel vom 18. Januar 2021 zur Situation am Tagebau Garzweiler.


Liebe Wald- und Naturschützer*innen, Pressevertreter*innen, Mitmenschen...

Sonntag, 24. Januar, 81 (!) Monate Wald- und Dorfspaziergänge, Wald statt Kohle - diesmal ganz anders - mehr weiter unten ...
 
Lockdown überall. Wirklich überall? Nein, NRWE hält keinen Abstand und baggert weiter, ein großes Polizeiaufgebot schützt die Zerstörung von Dörfern und die Vernichtung unserer Lebensgrundlagen, die Warnungen der Wissenschaft werden weiter ignoriert.
 
Die Menschen in Lützerath am Tagebau Garzweiler sind die ersten, die zu spüren bekommen, was vom frisch gebackenen CDU-Vorsitzenden Armin Laschet in Sachen Klimapolitik zu erwarten ist. So sah es heute Morgen, 18. Januar, in Lützerath aus.
         

Mit Billigung und tatkräftiger Unterstützung unseres „Landesvaters“ werden Wohnhäuser in einem bewohnten Ort zerstört, werden Menschen vertrieben...  was bedeutet nochmal das „C“ im Parteinamen?
 
Dazu die Meldungen der letzten Tage und Wochen, ein Auszug:
 
- ein von der Bundesregierung in Auftrag gegebenes Gutachten stellt fest, dass der Bedarf an Braunkohle bis zum endgültigen Kohleausstieg gedeckt werden kann, ohne weitere Dörfer zu vernichten und Menschen zu vertreiben. Was macht die Regierung mit dem Gutachten? Sie veröffentlicht es einfach nicht! Ein handfester Skandal, der aber wie viele andere Themen medial gerade wegen Corona komplett untergeht. Unter normalen Umständen müsste dieses Vorgehen zum Rücktritt des zuständigen Wirtschaftsministers und seiner Mitwisser führen.
 
- In Morschenich am Tagebau Hambach werden weiter Häuser abgerissen, obwohl feststeht, dass der Ort nicht mehr "bergbaulich in Anspruch genommen wird".
 
- Das Oberbergamt in Arnsberg erteilt eine vorläufige „Sümpfungsgenehmigung“ für den Tagebau Hambach. Klingt harmlos. Dahinter steckt allerdings, dass in Zeiten von zunehmender Trockenheit, in Zeiten von dramatisch sinkenden Grundwasserspiegeln RWE Jahr für Jahr bis zu 420 Millionen Kubikmeter wertvollsten Grundwassers abpumpen darf. Die fünffache Wassermenge des jährlichen Wasserverbrauchs der Landeshauptstadt Düsseldorf. Was ist eigentlich aus den 2400 Einwendungen zum Thema Sümpfung geworden?
 
- Dazu passt: Mit der Novelle des Landesplanungsgesetzes will die schwarz-gelbe Landesregierung die Beteiligung der Bevölkerung bei wichtigen Planungsvorhaben deutlich erschweren: Beteiligungsfristen sollen gekürzt, Erörterungstermine reduziert werden. Das trägt nicht zur Akzeptanz bei - im Gegenteil.
 
Das bedeutet: Wir werden nicht aufgeben, wir machen weiter. Der Kohleausstieg bleibt Handarbeit. Gelegenheit dazu gibt es  in diesem Jahr reichlich.
 
Sonntag, 24. Januar, 81 (!) Monate Wald- und Dorfspaziergänge, Wald statt Kohle - diesmal ganz anders
 
Selbstverständlich können wir unter den momentanen Umständen keinen wie üblich großen geführten Spaziergang anbieten.
 
Das bedeutet aber nicht, dass wir uns zurück ziehen dass wir still werden, dass wir nicht mehr zu sehen sind. Ganz im Gegenteil.
 
Unterstützung tut überall Not, sei es im Hambacher Wald, in Lützerath oder den anderen Dörfern rund um die Tagebaue. Das bedeutet für den kommenden Sonntag: Kommt in den Wald, in die Dörfer, zu den Orten der Zerstörung. Zeigt den Menschen dort, dass sie nicht alleine sind, dass sie speziell in diesem richtungsweisenden Jahr auf Euch zählen können. Im Wald und in Lützerath trefft Ihr Menschen, sie sind auf Euch vorbereitet, auf Gespräche, auf Fragen, auf spannende Begegnungen.
 
Auch wir werden im/am Hambi unterwegs sein. Wir haben einiges zu erzählen. Gegen alle Verlautbarungen ist der Wald nicht gerettet. RWE setzt das Zerstörungswerk fort, nicht ohne tatkräftige Unterstützung aus der Politik.
 
Startpunkt am Hambi sinnvollerweise die Unterstraße in Morschenich, von da zum Wald, am Tagebau Garzweiler die Mahnwache an der L277 in Lützerath
 
Und bitte schon mal die nächsten Spaziergänge in den Kalender eintragen, natürlich unter Vorbehalt: 14. Februar Keyenberg, 14. März Hambacher Wald, 11. April Dörfer, 9. Mai/Muttertag - das Jubiläum - 6 Jahre Waldspaziergang Hambacher Wald

Aktuelle Informationen, Fotos und mehr auf
 
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Wir halten Sie/Euch auf dem Laufenden, unter anderem auf www.naturfuehrung.com
bis bald, im Wald, in den Dörfern, auf den Straßen oder vor den Baggern,
 
Eva Töller, Michael Zobel, Alle Dörfer bleiben und viele Unterstützer*innen
 
Michael Zobel
Naturführer und Waldpädagoge
www.naturfuehrung.com
info@zobel-natur.de
0171-8508321