Der Zilpzalp

 

(ruft unermüdlich seinen Namen)

 

Wie auch der Kuckuck, so gehört auch das kleine putzige Vögelchen zu den wenigen Arten, die ihren eigenen Namen rufen, nämlich „zilp-zalp- zilp-zalp“. Da sein taktmäßiger Ruf dem Wetzen einer Sense ähnelt, nannte man ihn früher auch et Schlieperke (schleifen) sowie Backövvke, da der überdachte Nestbau der Decke des alten Backofens ähnelt.

 

Obschon der zur Gattung der Laubsänger zählende Zilpzalp zu den häufigsten Singvögeln Europas und zu den Charaktervögeln unserer Fluren gehört, ist er vielen nicht bekannt, denn aufgrund seines gut getarnten Federkleides macht er sich im dichten Laub fast unsichtbar. Umso deutlicher ist sein lautes und unermüdliches „zilp-zalp…“ zu hören, das ab und zu durch einige wie „trrt-trrt-trrt“ klingende Laute unterbrochen wird und bei Erregung in ein hartes einsilbiges „hüit“ übergeht. Beim Singen schlägt der Vogel den Schwanz bei jedem Ton taktmäßig nach unten. Durch sein rastloses Hüpfen von Ast zu Ast und häufiges Flügel- und Schwanzzucken wirkt der Zilpzalp hektisch, hyperaktiv und wie ein mit ADHS-Syndrom befallener Zappelphilipp.

 

 

Steckbrief

 

·         Größe: Mit einem Gewicht um 9 g und einer Länge von nur 11 cm gehört er zu unseren kleinsten Singvögeln;

 

·         Vorkommen: Unterholzreicher Laub- und Mischwald, Auwald, dichtes hohes Gebüsch, Parks und Gärten. Er ist ein sog. Teilzieher (März-November), der je nach Witterung manchmal bei uns überwintert.

 

·         Brut: April bis Juli 1-2 Bruten;

 

·         Nahrung: Kleine Insekten und Spinnen.

Text: Ludwig Winkens (07/2019)

 

 


dat Liechevüejelche* Der Steinkauz

Der Steinkauz dat Liechevüejelche*

 

(früher auch als der Leichen-, Unglücks- oder Totenvogel bezeichnet und wg. seines Rufes ebenso „Kommittche“ genannt) *)

 

 

Bereits im alten Griechenland galt der Steinkauz als Symbol der Weisheit. Sein wissenschaftlicher Name (Athene noctua) hat er von der Göttin Athene geerbt und bedeutet nächtliche Athene.

 

Seine aufrechte Haltung, die nach vorne gerichteten Augen und seine Lider, die von oben schließen, verleihen dem Steinkauz eine gewisse Menschenähnlichkeit. Der Schnabel erscheint wie eine Nase.

 

 

Der etwa amselgroße putzige Kauz hat sich schon immer gerne in der Nähe von menschlichen Siedlungen aufgehalten. Aber durch das Fehlen geeigneter alter Bäume und durch die industrialisierte Landwirtschaft hat sein Bestand in den letzten Jahren rapide abgenommen. Vogelschützer wie Peter Wihan (NABU MG) und Ferdi Thelen bauen ihm künstliche Brutröhren und versuchen damit, sein Überleben in unserer Heimat zu sichern.

 

 

*Unsere Vorfahren sahen den Steinkauz als Todesboten an. Nach dem Volksglauben bedeutet sein nächtliches Rufen in der Nähe des hell erleuchteten Krankenzimmers das baldige Ableben des Schwerkranken. Der Ruf des Kauzes, der sich wie ein scharfes abfallendes „kuwitt, kuwitt“ anhört und als „komm mit“ gedeutet wurde, galt für den kranken Menschen als Aufforderung, in den Tod zu folgen bzw. geleitet zu werden.

 

 

Steckbrief

 

·         Vorkommen: Offenes Gelände mit niedriger Vegetation; liebt Streuobstwiesen und Kopfweidenbestände;

 

·         Lebensweise: Dämmerungs- und tagaktiv; meist territorialbezogen. Er sitzt manchmal am Tag frei auf einer Mauer oder auf einem Giebel (s. Bild unten);

 

·         Verhalten: Sitzt oft in geduckter Haltung, knickst häufig, vor allem bei Erregung. Die Beute wird im Suchflug oder von einer Warte aus am Boden geschlagen;

 

·         Nahrung: Mäuse und Kleinvögel, kleine Reptilien, Amphibien, aber auch Insekten und Regenwürmer.

 

 

 

Text: Ludwig Winkens, 6/2019

 


Der Kleiber (mundartlich früher jruute Boomlöper oder Boomkläver genannt)

Baumakrobat unserer Gärten und Parks

 

 

Der Kleiber war einst eine mittelalterliche Berufsbezeichnung für diejenigen, die Lehmwände hochzogen. Kleiber heißt so viel wie Kleber. Der Vogel verdankt seinen Namen seiner Fähigkeit, zu große Eingangslöcher einer Nisthöhle mit Lehm passend für seine Größe zuzukleben. Der Kleiber wird auch Spechtmeise genannt, obschon er weder zu den Spechten noch zu den Meisen gehört. Kleiber bilden eine eigene Familie. Er gehört zu den auffälligsten und temperamentvollsten unserer heimischen Singvögel.

 

Über den Kleiber schrieb einst ein Vogelkenner aus dem Heinsberger Land: „Wer schlechte Laune hat, sollte sich den Kleiber ansehen, den Akrobaten unter den Singvögeln unserer Heimat. Da lernt er bestimmt wieder lachen“. Welsch schöne und bildhafte Beschreibung des Naturfreundes, denn der possierliche Wicht mit dem gedrungenen Körper und dem kurzen Schwanz verhält sich fast wie ein Artist und Zirkusclown zugleich, wenn er kopfüber und kopfunter an den Baumstämmen seines Reviers mit Windeseile hinauf und hinunter klettert. Ein schönes Naturschauspiel, diesen agilen Pfiffikus einmal längere Zeit im Auge zu behalten, wie er dann als Fassadenkletterer an hohen Bäumen in Gärten, Parks und Wäldern unaufhörlich nach Nahrung sucht. Er ist der einzige Vogel, der imstande ist, auch längere Strecken mit dem Kopf nach unten an den Baumstämmen herunterzurutschen. Sein Klettern sieht wie ein ruckweises „Rutschen“ aus.

 

Steckbrief

 

·         Größe: Körperlänge ca. 14 cm; Gewicht ca. 23 g;

 

·         Stimme: Kleiber erkennt man leicht durch ihre lauten „twett, twett“ und scharfen „siet“ Rufe;

 

·         Vorkommen: In Europa bis auf weite Teile Skandinaviens verbreitet;

 

·         Brut: Höhlenbrüter, der sein Nest in Baumhöhlen und Nistkästen baut;

 

·         Nahrung: Im Sommer vor allem Insekten, aber auch verschiedenste Sämereien (Haselnüsse, Eicheln, Bucheckern u. ä.);

 

 

 

Text: Ludwig Winkens (5/2019)


Ackermännke oder Wippstärz

(frühere volkstüml. Bezeichnung)

Die Bachstelze

 

 

Unsere bekannteste und häufigste Stelze ist seit dem März aus dem Süden wieder zu uns zurückgekehrt und erfreut uns mit ihrem putzmunteren Wesen.

 

Rasche tippelnde Bewegungen, emsiges hin und her rennen, ständiges Schwanzwippen und rhythmische, ruckartige Kopfbewegungen charakterisieren den schmucken Vogel mit dem auffällig langen Schwanz. Im Frühjahr folgt die Bachstelze gerne dem Pflug des Bauern, um nach Insekten zu haschen; daher die Bezeichnung Ackermännke.

 

Die Bachstelze war früher eher ein Vogel der feuchten Uferbereiche, wie der Namen des Vogels verrät. Die anpassungsfähige Bachstelze hat es aber als sog. Kulturfolger geschafft, mehr und mehr in den Siedlungsbereich des Menschen mit Erfolg vorzudringen.

 

Obschon sie zu unseren Singvögeln gehört, ist ihre Gesangsqualität nicht besonders ausgeprägt.

 

Aus ihrem hohen, aber durchdringenden Rufgesang, der sich anhört wie ein aneinander gereihtes „zititt-zititt und ziwitt-ziwitt-zizelipp“ hörte früher der geplagte Bauer folgendes heraus:

 

 

                                             

„Brigitt, Brigitt,  help mit, help mit.

 

      De Fuhr[1] ess lank, min Frau ess krank,

 

     säes Kenger deheem, sind all noch kleen,

 

    Brigitt, Brigitt, help mit, help mit.“ (E. Knorr, Erkelenz)

 



[1] Furche

 

 

 

         

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Steckbrief

 

·         Zierlicher grau-schwarz-weisser Vogel, ca. 18 cm lang;

 

·         Vorkommen: Gewässerufer, aber auch jenseits von Wasser in Dörfern, Städten, Gärten und Parks;

 

·         Nahrung: Überwiegend Insekten, besonders viele Fliegen und Mücken, die auf allerlei offenen Plätzen zwischen Kraut und Gras, auf Wegen und an Häusern mit großer Geschicklichkeit gejagt und aufgepickt werden.

 

 

Text: Ludwig Winkens (4/2019)


Der Grünspecht oder

 

Fliegender Zorro (wg. seiner vom Schnabelansatz bis zu den Augen schwarzen Kopfzeichnung, die wie eine Gesichtsmaske erscheint, wird der schmucke Prachtkerl gelegentlich auch als fliegender Zorro bezeichnet.

 

Aauch Erdspecht genannt und früher im Rheinland ebenfalls als Oamseekespecht (Ameisenspecht) wg. seiner Vorliebe für Ameisen bekannt.

 

 

Schon früh im Jahr ist sein charakteristischer und laut schallender Ruf zu hören, der sich wie ein lachendes „gjügjügjügjügjüg….“ anhört. Im Gegensatz zum Buntspecht, macht sich der Grünspecht durch Trommeln an den Baumstämmen deutlich seltener bemerkbar.

 

Seine Lebensraumansprüche haben sich zunehmend verändert. Waren es ursprünglich eher lichte Waldungen, so ist der Grünspecht immer häufiger in Gärten und Parks mit hohen, alten Bäumen sowie auf Grünflächen mit kurzem Rasen anzutreffen. Zur Nahrungssuche ist er meistens am Boden anzutreffen (Erdspecht), um dort mit seinem kräftigen Schnabel in den Boden zu hacken. Ameisen und deren Larven sowie andere Insekten im Boden sind seine Lieblingsspeise. Seine rd. 10 cm lange Zunge ermöglicht es ihm, auch in langverzweigte Gangsysteme der Insekten vorzudringen.

 

Als Nahrungsspezialist eher für Bodeninsekten sind langanhaltende, kalte und schneereiche Winter mit tiefgefrorenen Böden für ihn sehr verhängnisvoll. Solche Winter führen oft zum Hungertod von Grünspechten, weil der Energieaufwand zu hoch ist, um an die Nahrung zu gelangen.

 

Steckbrief

 

·         Größe: Gewicht um 200 g; Körperlänge ca. 32 cm (wie Eichelhäher)

 

·         Vorkommen: In ganz Europa außer Nordskandinavien verbreiteter Jahresvogel (kein Zugvogel)

 

·         Gefieder: Rückengefieder grün, Bauch gelblich, rote Kappe, schwarze Gesichtsmaske

 

 Text: Ludwig Winkens

 

(3/2019)


      Wintergast Bergfink

(auch Nordfink genannt)

 

 

 

Im Winter erscheint bei uns nicht selten der nordische Bergfink. Er ist ein Verwandter unseres Buchfinken, der überwiegend in der Taigazone des hohen Nordens brütet und zu Hause ist, wo der Buchfink fehlt.

 

Er macht sich durch einzelne, aber umso auffallendere „Quäk-quäk-quäk“ Rufe bemerkbar, nach denen er den volkstümlichen Namen „Quäker“ bekommen hat.

 

Oft vergesellschaften sich Bergfinken in großen Schwärmen mit Buchfinken, Goldammern, Feldlerchen und Piepern, um gemeinsam auf Futtersuche durch die Lande zu streifen. Einzeln oder in kleinen Gruppen kommen Bergfinken auch regelmäßig in Parks und Gärten und haben auch keine Scheu, ins Futterhäuschen zu fliegen. Bergfinken kehren regelmäßig allabendlich in Scharen in dieselben Schlafbäume zurück. Wenn in klirrenden Nächten Hunger und Kälte ihre Opfer fordern, so ist morgens nicht selten der Boden unter den Schlafbäumen mit toten Bergfinken bedeckt.

 

                                  

 

Steckbrief

 

·        Größe und Gewicht wie Haussperling oder Buchfink

 

·        Nahrung: Insekten und deren Larven, im Winter Bucheckern und grobe Sämereien

 

·        Vorkommen: In lichten Wäldern des Nordens, im Winter Buchenwälder, Felder , Parks und Gärten Mitteleuropas

 

 

 

Text: Ludwig Winkens

 

(2/2019)

 


                                                                              Ansitzjäger Der Mäusebussard;

(auch Katzenbussard genannt)

 

 

Regungslos sitzt er auf einem Pfahl am Feldrand, als hätte er sich dort zur Ruhe nieder gelassen. Und dennoch entgeht seinem scharfen Blick nichts. Nicht die geringste Bewegung einer kleinen Maus entgehen seinen gestochen scharfen Augen; auch nicht aus einer Entfernung von einem halben Kilometer.

 

Und plötzlich geht alles ganz schnell. Rasch hebt er sich mit wuchtigen Flügelschlägen von seiner Ansitzwarte ab, gleitet flach mit streng fokussiertem Blick über den Boden, um zielgerichtet sein Opfer anzusteuern. Mit eng angezogenen Flügeln und weit nach vorne gestreckten Fängen ergreift er seine Beute am Boden. Meistens sind es Mäuse. Ist die Mäusepopulation gering, weicht er auf andere Beute aus wie Frösche, Eidechsen, Insekten und sogar Regenwürmer. Selten auch junge Kaninchen und verletzte oder geschwächte Vögel. Ferner geht er an Aas, besonders im Winter.

Beim Aufgreifen von überfahrenen Tieren wird der Greifvogel leider nicht selten selber zum Opfer unseres Straßenverkehrs. 

Im Sommer beanspruchen Bussarde jeweils ein so großes Revier, dass sie den Bestand der Beutetiere nicht gefährdet.

 

Heute weiß man, dass in den allermeisten Fällen nicht die Beutegreifer die Zahl ihrer Beutetiere regulieren, sondern die Beutetiere den Bestand der Beutegreifer!

 

Trotz eines strikten Jagdverbotes versuchen skrupellose Zeitgenossen nach wie vor und nicht selten dem Greifvogel mit Gift, Fangkörben oder mit Jagdwaffen nachzustellen; welch ein Frevel!

 

Steckbrief

 

·         Größe: 46 bis 58 cm lang; knapp 1 kg schwer; Spannweite rd. 130 cm;

 

·         Vorkommen: Kulturraum mit eingestreuten Wäldern. In Mitteleuropa ist er durch seine Anpassungsfähigkeit der häufigste Greifvogel;

 

·        Sonstiges: Sitzt oft auf Zaunpfählen und Masten, kreist gerne im Aufwind, ruft weit hörbar klagend-miauend        „hii-äh“ , daher auch der Name Katzenbussard.

 

Text: Ludwig Winkens


                                                              

 

Der Weihnachtsvogel

 

 

 

 

 

 

Das Rotkehlchen

rheinische Bezeichnung Ruetkällche oder Ruetkällke

 

 

 

Kaum ein Singvogel spricht uns so an wie das zierliche Rotkehlchen. Kein anderer Vogel ist uns so vertraut wie der treue und gern gesehene Gast unserer Gärten, Parks und Waldungen. Alles an ihm wirkt freundlich, zutraulich und liebenswürdig.

 

Geschickt huscht es durch das dichte Gezweig, hüpft in großen Sprüngen über den Weg, knickst sehr viel und fliegt rasch auf einen erhöhten Sitz und trägt in ungleichem Rhythmus den wohlklingenden perlenden, ja fast wehmütigen Gesang vor, den nur recht wenige Menschen kennen.

 

Doch untereinander sind die so friedlich wirkenden „Liebseelchen“ überaus zänkisch und streitbar, ja sogar derart aggressiv, dass Revierkämpfe durchaus bis zum Tode des Widersachers führen können.

 

In England gilt der kleine „Robin“, wie man das Rotkehlchen dort nennt, als Weihnachtsvogel. Gerne und oft werden auf der Insel Weihnachtsgrußkarten und Geschenkpapier mit Rotkehlchen-Motiven versehen.

 

Der Legende nach flog das Rotkehlchen zum gekreuzigten Jesus, um sein Leiden mit den melodischen Gesängen zu mildern. Als sich plötzlich ein Dorn aus Jesus Krone löste, färbten die spritzenden Blutstropfen die Brust des kleinen Vogels rot.

 

 

 

Steckbrief

 

·         Größe: Kleiner als der Haussperling; Körperlänge ca. 14 cm; Gewicht um 16 g;

 

·         Vorkommen: Bis auf Nordskandinavien in ganz Europa vertreten. Liebt naturnahe Gebiete und Waldränder mit Gestrüpp und Unterholz;

 

·         Nahrung: Im Sommer meist tierische Nahrung wie Insekten, Spinnen und Würmer, im Herbst auch Beeren. Kein seltener Gast an Futterhäusern.

 

 

 

Text: Ludwig Winkens

 

 

 

 

Kleiner Kerl mit großer Klappe

 

Der Zaunkönig;

 

auch Schnee-, Winter- oder Schlupfkönig bzw. Zaunschlüpfer genannt

 

 

Wer kennt ihn nicht, den winzigen, rundlichen Kobold mit stets keck nach oben gerichtetem Stummelschwanz. Er gehört zu den wenigen Vogelarten, die uns sogar im kalten Winter mit ihrer Stimme erfreuen. Sein kräftiger, oft langandauernder und schmetternd vorgetragener Gesang kann bis zu 90 Dezibel erreichen und ist dadurch noch auf einer Entfernung von bis zu einem halben Kilometer weit zu hören. Den Wenigsten ist bekannt, dass seine ursprüngliche Heimat Amerika ist. Wie eine Maus huscht er lebhaft und aufgeregt durch das bodennahe Gestrüpp. Und was ist der Grund für sein stets deckungssuchendes Verhalten? Das wusste früher wohl jedes Kind.

 

 

Dem Märchen nach wollten einst die Vögel einen König wählen und starteten einen Wettbewerb. Derjenige, der am höchsten fliegen könnte, sollte fortan ihr König sein. Der Adler startete als letzter und er flog höher als alle anderen Vögel vor ihm. Als er eben begann, wieder zur Erde hinabzugleiten, huschte ganz heimlich aus seinem Gefieder ein winziges Vögelchen, was bislang noch keinen Namen hatte. Der kleine Vogel hatte sich bislang im Rückengefieder des Adlers verborgen gehalten und flog noch ein Stück höher als der Adler. Lauthals schrie es: „Ich bin der König“. Unten auf dem Boden wieder angekommen, stürzten sich die anderen Vögel zornig auf den Betrüger, der schnell in ein Mauseloch flüchtete. Damit er daraus nicht entkäme, sollte die Eule davor Wache halten. Aber nach Stunden fiel die Eule in den Schlaf und das kleine Vögelchen konnte entwischen. So fürchtet noch heute der kleine Winzling den Zorn der anderen Vögel, hält sich daher stets bodennah in der Deckung verborgen und schlüpft durch die Zäune, die früher aus Dorngebüsch und Holzgeflecht bestanden. Seitdem heißt der Vogel Zaunkönig*.

 

 

Steckbrief

 

·         Größe: Körperlänge ca. 9 cm; Gewicht 9 g

 

 

·         Lebensraum: Unterholz, Dorngebüsch, Brombeerdickichte

 

 

·         Nahrung: Insekten und gelegentlich Beeren als Zukost

 

 

·         Sonstiges: Der kleine Zaunkönig verliert in kalten Nächten mehr Wärme als größere Vögel. So verbringen oft mehrere Zaunkönige zusammengekuschelt in einem Nest die Winternacht.

 

 

 

Text: Ludwig Winkens

 

 

 

* U. Westphal                                                    

 


                                                 

 

           Wildschönheit Turmfalke

 

Der Turmfalke,

 

auch Kirch-, Mäuse- oder Rüttelfalke genannt und früher sogar als Rüttelgeier bezeichnet, ist ohne Zweifel ein sehr schmucker kleiner Greifvogel. Neben dem Mäusebussard ist der Turmfalke der häufigste Greifvogel unserer Heimat.

 

Er ist ein schnittiger Falke, der gerne über dem freien Feld jagt. Das Bild ist jedem Naturliebhaber vertraut: Der Turmfalke flattert wie an einer Schnur festgehalten in der Luft (rüttelt). Seine scharfsichtigen Augen beobachten den Boden und halten nach Beute Ausschau. Plötzlich senkt er sich in jähem Absturz, hält aber manchmal auf halbem Wege an, wiederum rüttelnd und scharf beobachtend und schießt dann erst zu Boden auf die von ihm erspähte Beute.

 

Tiervater Alfred Brehm schrieb vor rd. 150 Jahren folgendes: „ Wer den Turmfalken kennt, weiß, dass er zu unseren nützlichsten Vögeln zählt und unseren Feldern nur zum Segen gereicht, mag auch dann und wann dem habgierigen Jäger ein Häschen oder Rebhuhn von ihm weggenommen und dieser Übergriff zu einem unsühnbaren Verbrechen aufgebauscht werden“.

 

Brehm hätte vielleicht besser ´Rebhuhnküken´ schreiben können, da ein erwachsenes Rebhuhn 30 cm. groß ist und eine viel zu große Beute wäre für eine Turmfalke. Mit dem Übergriff von Turmfalken auf Häschen liegt Brehm nach meinem dafür halten eher deutlich daneben. Es sei denn, das Häschen war bereits vor der Attacke mehr tot als lebendig.

 

Im Mittelalter erlaubte man übrigens seiner engsten Dienerschaft „großzügigerweise“ die Jagd mit einem Turmfalken, während man selber den für die Beizjagd idealen und deutlich größeren Wanderfalken bevorzugte.

 

Stellt sich nur die Frage, worauf das niedrige Volk denn einst mit dem kleinen Falken jagte? Auf Wühlmäuse vielleicht?

 

 

Steckbrief

 

·         Größe: Gewicht um 200 g; Körperlänge ca. 34 cm.

 

·         Stimme: Lauter, heller Ruf „kiliä-kiliä-ki-ki-ki“

 

·         Vorkommen: Über ganz Europa verteilt. Er bewohnt offenes Gelände, aber auch Ortschaften.

 

·         Nahrung: Vor allem Mäuse, aber auch größere Insekten. Kleinvögel jagt er meist vergebens.

 

 

 

Text: Ludwig Winkens

 


Drolliger Zappelphilipp (mit ADHS-Syndrom ?) und Frühaufsteher

 

 

Der Hausrotschwanz, regional auch Hausrötel und früher im Rheinland Ruetstättsche genannt

 

 

 

 

Ursprünglich war der Hausrotschwanz ein Gebirgs- und Felsenbrüter aus Süd- und Mitteleuropa, der vermutlich erst im 19. Jahrhundert zu uns in den Niederrhein einwanderte. Nun ist er ein getreuer Gast der menschlichen Siedlungen. Dort fällt er auf mit seinem Flügel- und Schwanzzittern, seinen knicksend und hastig ruckartigen Bewegungen; ein echt drolliger Zappelphilipp. Erstaunlicherweise sind Neubaugebiete und Industrieflächen bevorzugte Biotope von dem lebhaften Vögelchen. Als absoluter Frühaufsteher beginnt er meist als erster Singvogel des erwachenden Tages von einer hohen Position aus mit seinem schnarrend rauen Gesang und einem gepressten Ende. Jetzt im Frühherbst vernimmt man meistens nur noch seine auffälligen Warnrufe, die sich wie ein erregtes „fit tek tek“ anhören.

 

Als Zugvogel nimmt er es mit seinem Abflug gen Südeuropa nicht so genau wie andere Singvögel. Bietet ihm die Witterung noch ausreichend Insekten als Nahrung, verschiebt er seinen Abflugtermin nicht selten in den Spätherbst hinein.

 

 

Steckbrief:

 

·         Länge: ca. 14 cm, Gewicht: ca. 17 g

 

·         Männchen: schiefergrau, schwarze Kehle, rötlich äußere Schwanzfedern

 

·         Weibchen: graubraun, rötlicher Schwanz, blassgraue Kehle

 

 

 

Text: Ludwig Winkens

 


Goldammer bzw. Bauernkanari

 

 

wie in Teilen Deutschlands dieser reizende Singvogel, der etwas größer als unser Haussperling ist, volkstümlich auch genannt wird. Und mit der zweiten Bezeichnung ist bereits sein bevorzugter Lebensraum dieses Kulturfolgers des Menschen umschrieben. Nämlich: Traditionelles Bauernland mit Feldern, Wiesen, Brachäckern, Feldwegen, Hecken und Gebüsche.  Auf traktorgerechten Agrarsteppen fühlt sich die Ammer nicht wohl und sucht das Weite oder verschwindet leider für immer.

 

Gerne sitzt die Goldammer auf der Spitze eines Strauches oder Baumes, um selbst noch im späten Sommer, wenn andere Singvögel bereits ihren Reviergesang eingestellt haben bzw. sprichwörtlich ihren Schnabel halten, etwas wehmütig und melancholisch ohne Virtuosität ihre Gesangsstrophen vorzutragen.

 

Der Volksmund kleidet den Gesang in die Worte: „Wie, wie, wie, wie, wie hab ich dich sooo liiiiiiiieb“.  Man hört auch ein scharfes „zick“ und vom auffliegenden Vogel ein „zickürrr“.

 

Ihre Gesangstonfolge wählte einst Beethoven als Thema seiner „Fünften Symphonie“. Der Meister hat allerdings den abgerundeten Vortrag der Ammer so gekürzt, dass er offen wurde für eine Vielzahl von Variationen (Dr. F. Sauer).

 

Steckbrief

 

·         Kennzeichen: Das Männchen ist leicht an dem gelben Kopf, der gelben, rotbraun gestrichelten Unterseite zu erkennen. Das Weibchen ist etwas fahler gefärbt als das Männchen.

 

·         Größe: Gewicht um 30 g; Körperlänge ca. 17 cm;

 

·         Brut: Das Nest befindet sich meist im Gestrüpp dicht am Boden und besteht aus trockenem Gras, Halmen und Würzelchen. Die Nestmulde wird mit feinem Gras oder Haaren gepolstert.

 

·         Nahrung: Die Jungvögel werden vor allem mit Insekten gefüttert (Glyphosatopfer).  Ansonsten werden von den Altvögeln auch Samen und Beeren gefressen.

 

 

 

Text: Ludwig Winkens