Der Waldkauz

 Der Waldkauz, ein mit kompakter Statur ausgestatteter mutiger und angriffslustiger Nachtjäger, ist die häufigste Eulenart Mitteleuropas. Wegen seines auffällig großen, runden Kopfes und den eng anliegenden tiefbraun-funkelnden Augen wurde er früher bei uns auch „Kattekopp“ (Katzenkopf) genannt. Man trifft ihn in einer rot-braunen sowie grauen Gefiedervariante an, wie das Foto von Klaus Tenbrinck, aufgenommen am Schloss Rheydt, eindrucksvoll verdeutlicht.

 

Kaum ein Mensch hat den tagsüber versteckt lebenden dämmerungs- und nachtaktiven Kauz in freier Natur je gesehen. Gehört hingegen hat ihn fast jeder schon einmal, zumindest in zahlreichen Kriminal- und Gruselfilmen, wo er mit seinem schaurig-schön anzuhörenden langgezogenen Balzruf „huuuu hu hu hu huuuu“ für eine nächtlich unheimliche Atmosphäre sorgt.

 

Abends in der Natur ist neben dem besagten heulenden Balzruf ein weiterer auffälliger Ruf vom Waldkauz zu hören. Es handelt sich dabei um seinen Lock- oder Warnruf, der sich anhört wie ein grelles, lautes „Kjuwitt“. Die früher oft abergläubigen und frommen Leute haben diesen Ruf als ein „Komm mit“ gedeutet, was ein Aufruf an die Seele schwer Erkrankter bzw. Todgeweihter sein sollte, dem Kauz ins Reich der Toten zu folgen. Deshalb bezeichnete man den gefürchteten Kauz auch als den Totenvogel oder in unserem Umfeld „et Liekehonn“ (Leichenhuhn). Die Angst vor dem Totenvogel war jedenfalls so groß, dass ihm fast überall gnadenlos nachstellt wurde.

 

Menschen gegenüber zeigen sich Waldkäuze gelegentlich recht angriffslustig, besonders während der Brutzeit. Nichtsahnenden Spaziergängern können sie mit ihren scharfen Krallen blutige Wunden am Kopf zufügen, weshalb schon so mancher Parkweg vorübergehend gesperrt werden musste.

 

Dr. Ehrenreich Floericke, neben Alfred Brehm ein namhafter Naturwissenschaftler des vorletzten Jahrhunderts, verglich den Waldkauz wegen seines äußeren Erscheinungsbildes mit einer fliegenden Katze und schrieb u.a. in seinen Aufzeichnungen über ihn: „Sein lauter tremulierender Ruf während der Paarungszeit, das dem wilden Jauchzen eines Betrunkenen gleicht, hat sicherlich zur Sagenbildung vom Wilden Jäger* eine nicht unwichtige Rolle gespielt“.

 

* Der Wilde Jäger hatte bereits 99 Hasen erlegt und konnte partout den Hundertsten nicht treffen, bevor der Fluch begann.

 

Text: Ludwig Winkens, 02/21
Fotos:  Klaus Tenbrinck

Steckbrief

Größe Sehr kompakt wirkend bei einer Länge von knapp 40 cm (Weibchen); Männchen etwas kleiner.
Gewicht Rd. 500 g; Männchen etwas leichter.
Nahrung Überwiegend Mäuse, aber auch schlaftrunkene Vögel, die er nachts per Rüttelflug aus ihren Verstecken aufscheucht und dann ergreift.
Brut Als Brutplätze dienen Höhlen und Nischen, aber auch verlassene Horste anderer Vögel; im April werden 2 bis 6 weißgefärbte Eier gelegt.
Vorkommen Er kommt in Wäldern vor, aber auch in Parks innerhalb einer Großstadt.