Der Gartenbaumläufer

Dieses kleine, zierliche Vögelchen unserer Heimat mit der Größe einer Blaumeise ist den Wenigsten bekannt und nicht viele haben den Winzling wegen seiner perfekten Tarnung bewusst zu Gesicht bekommen. Dabei ist der standorttreue Gartenbaumläufer auch bei uns gar nicht mal so selten und ganzjährig anzutreffen.


Der heimische Volksmund bezeichnete den Baumläufer einst „et Boommüßke“, denn ruckartig wie eine Maus läuft er spiralförmig am Baumstamm hoch. Wenn er die Krone erreicht hat, fliegt er steil zum Fuß eines anderen Baumes nieder und setzt dort sein spiralförmiges Klettern fort. Er krallt sich dabei mit seinen scharfen Krallen fest und stützt sich außerdem auf seine harten Schwanzfedern ab. Er sucht so die in Rindenritzen und Spalten verborgenen Insekten, deren Larven, Puppen und Eier. Mit seinem langen, dünnen und am Ende gekrümmten Schnabel kann er in die kleinsten Rindenritzen eindringen. Im Sommer frisst er zusätzlich Blattläuse, Blattwanzen, kleine Käfer und Raupen. Deshalb gehört er zu den nützlichsten Vögeln unserer Gärten und Parkanlagen. Er bewohnt auch lichte Laub- und Kiefernwälder.


Wer die kurze, aber prägnante Gesangsfolge des Gartenbaumläufers mit seinem auffälligen „titititeroititititt“ einmal verinnerlicht hat, dem fällt auf, wie verbreitet der possierliche Gartenbaumläufer auch in unseren städtischen Parks, Friedhöfen, größeren Gärten, Wäldern und an den Niersauen ist. Man muss aber viel Geduld und Übung aufbringen, um ihn zu entdecken und seine interessanten Kletterkünste bestaunen zu können.


Gartenbaumläufer übernachten gerne in Gemeinschaften; besonders im Winter. Dabei suchen sie oft die gleichen geschützten Verstecke auf, um sich eng einander gekuschelt besser vor Kälte, Wind und Regen zu schützen.


Erst 1850, also rd. 100 Jahre nach der allgemeinen Vogelartenfestlegung in Europa, wurde von Christian Ludwig Brehm, dem Vater des berühmten Alfred Brehm, erkannt, dass es bei uns zwei Arten von Baumläufern gibt. Der zum Verwechseln ähnliche Waldbaumläufer ist, wie der Name bereits sagt, überwiegend nur in Wäldern mit hohen Fichtenbeständen anzutreffen.

Text: Ludwig Winkens, 11/20

Fotos: Willi Eckers

Steckbrief

Größe

Körperlänge wie Blaumeise, ca. 12 cm; Gewicht ca. 9 g

Gefieder Oberseits rindenfarbig, unterseits weißlich mit zartbräunlichen Flanken.
Brut Das Nest wird in Spalten, Nischen, Baumhöhlen, hinter abstehenden Rindenstücken sowie in Mauerlöchern gebaut. Der Baumläufer nimmt auch gerne speziell gebaute Nisthilfen an.
Vorkommen Außer in Skandinavien und den Britischen Inseln in ganz Europa verbreitet.