Der Kernbeißer

Er ist mit 18 cm der größte heimische Fink, deshalb bezeichnete man ihn früher auch als Finkenkönig. Kirchfink, Appelvenk (Apfelfink) oder Steenbijeter (Steinbeißer) wurde er ebenfalls genannt. Aber kaum jemand kennt den immer spärlicher werdenden Brutvogel, der im Winter bei uns noch am ehesten zu beobachten ist.

 

Den Kernbeißer erkennt man an seinem großen Kegelschnabel und er trägt ein braunes-beiges Gefieder mit rotbraunem Kopf. Wenn der Hunger ihn treibt, lässt sich der scheue Vogel im Winter gelegentlich an unseren Futterstellen blicken, wie auf diesem Foto in einem naturnahen Garten in Günhoven, wo er als „Finkenkönig“ recht dominant auftreten kann. Ansonsten lässt sich der etwas plump wirkende bunte Vogel mit dem kräftigen Schnabel nur schwer beobachten, weil er sich meist hoch oben in den Baumkronen aufhält. In der Regel fällt nur dem Kenner seine Anwesenheit auf, wenn er sich durch seinen Lockruf verrät, der sich anhört wie ein deutliches, scharfes „zicks, zicks, zicks“. In Mönchengladbach und Umgebung ist sein Bestand insgesamt recht spärlich. Immerhin ist er im Buchholzer- und Wickrather Wald sowie im Rheydter Stadtwald mehr oder weniger regelmäßig anzutreffen. Gelegentlich sogar im Hans-Jonas-Park mitten in unserer Stadt, im Schmölderpark in Rheydt oder auf unseren Friedhöfen mit hohem Baumbestand.


Sein Schädel ist fast doppelt so groß wie der des Sperlings und wiegt wegen seiner massiven Struktur fast viermal so viel. Kernbeißer besitzen eine enorme Beißkraft und können einen Schnabeldruck von 45 kg ausüben, um damit spielend leicht Kirsch- und andere Steinobstkerne aufzuknacken. Kernbeißer wehren sich heftig, wenn man sie z.B. zum Beringen ergreift und man sollte die Finger weit weg vom Schnabel halten. Sie beißen nämlich mühelos durchs Fleisch bis auf den Knochen.


Alfred Brehm war jedenfalls kein Fan vom Finkenkönig und schrieb unter anderem folgendes über ihn: „Der Kernbeißer ist ein träger Vogel, der sich wenig regt und sich erst nach einigem Besinnen zum Abstreichen bequemt. Auch sein Flug ist schwerfällig und erfordert offensichtlich beträchtliche Kraftanstrengung. ... Eine Kernbeißerfamilie in einem Kirschbaum ist ein Skandal“.


Text: Ludwig Winkens, 01/21
Fotos: Willi Eckers

Steckbrief

Größe Deutlich größer als ein Sperling; Länge um 18 cm
Gewicht ca. 55 g
Nahrung Zur Brutzeit vor allem Insekten für die Brut. Ansonsten spezialisierter Körnerfresser sowie gerne Samen von Steinobst; das Fruchtfleisch wird nicht gefressen.
Vorkommen Vor allem in Mittel-Und Südeuropa in lichten Laub- und Mischwäldern, aber auch Parks und Obstgärten.
Brut Kunstvoll gefertigtes Nest mit 4 bis 6 Eiern.