Der Gartenrotschwanz

 Der männliche Gartenrotschwanz, mancherorts auch Gartenrötel genannt, ist einer der buntesten und schönsten Singvögel in unserem Land. Mit seinem roten Schwanz und der orangefarbenen Brust kommt der Sommervogel recht auffällig und keck daher. Mundartlich bezeichnete man bei uns früher den kleinen Gartenrotschwanz „Ru`etschtätske“, aber auch „Be`ijeschnapp“ (Bienenschnäpper), weil er in der Lage ist, Bienen im Flug zu fangen.

 

Morgens ist der Gartenrotschwanz einer der ersten Sänger, der bereits knapp anderthalb Stunden vor Sonnenaufgang und damit vor dem Gesang von Amsel und Co., sein schlichtes Lied ertönen lässt. Auffällig hingegen ist sein Verhalten bei der Nahrungssuche. In typischer Weise knicksend und mit dem roten Schwanz zitternd späht er oft von zentraler Stelle aus nach kleinen Insekten.

 

Sein Name täuscht, denn in den meisten Gärten, besonders im Westen und Nordwesten Deutschlands, werden wir den Gartenrotschwanz kaum noch antreffen. Eher trifft man seinen weniger anspruchsvollen, robusteren und nächsten Verwandten an, den Hausrotschwanz. Bis Mitte des letzten Jahrhunderts war der schmucke Gartenrotschwanz immer ein regelmäßiger Brutvogel im gesamten Rheinland. Die Verluste von kleinbäuerlich geprägten Kulturlandschaften und naturnahen Gärten machen ihm besonders zu schaffen. Aber auch Veränderungen in seinem Winterquartier in Zentralafrika haben die Population deutlich schrumpfen lassen. Durch die globale Erwärmung und die damit verbundenen immer länger andauernden Trockenphasen, insbesondere im Savannengürtel unterhalb der Sahara, finden die Rotschwänze viel zu wenig Insekten und Wasser und kommen ums Leben.

 

Man braucht schon etwas Glück, um den schönen Gartenvogel im Rheinland wenigstens noch als Durchzügler oder Rastvogel zu begegnen. Brutvorkommen in Mönchengladbach sind z.Z. nicht bekannt. Zählungen und Schätzungen haben ergeben, dass der Bestand dieser Vogelart in NRW seit Mitte des letzten Jahrhunderts um bis zu 80 % gesunken ist. Der Gartenrotschwanz wird bundesweit auf der Vorwarnliste der gefährdeten Arten geführt. Die Zukunft für den Gartenrotschwanz sieht bei uns alles andere als gut aus. Hier richtet sich der Appell an viele Garten- und Streuobstwiesenbesitzer, Kommunen, Land- und Forstwirte, um für eine naturfreundlichere Gestaltung ihrer Umgebung zu sorgen.

 

Text: Ludwig Winkens, 07/26

Fotos: Willi Eckers

Steckbrief

Größe

Körperlänge ca. 14 cm; Gewicht um 15 g

Vorkommen In ganz Europa in lichten Wäldern, Parkanlagen und naturnahen Gärten anzutreffen
Brut Bevorzugt Baumhöhlen oder Nisthilfen mit großer Öffnung; legt 5 bis 6 blaugrüne Eier
Nahrung Verschiedenste kleine Insekten, Spinnen und manchmal Beeren