Die Rohrammer

Die Rohrammer ist auf unserem Stadtgebiet nur noch ein Durchzügler oder gelegentlicher Rastvogel. Zuletzt wurde ein Pärchen dieses sperlingsgroßen Vogels am vorderen Teil des renaturierten Mühlenbachs* nördlich vom Dorf Herrath gesichtet. Rohrammern gelten allgemein als Charaktervögel gewässernaher Schilf- und Verlandungszonen. Auf den ersten Blick sehen sie wie Sperlinge aus und wurden deshalb früher auch Rohrspatzen genannt.

 

Bereits seit vielen Jahren sind in Mönchengladbach keine Brutvorkommen dieser Ammerart mehr bekannt. Mitte der 70er Jahre des vorherigen Jahrhunderts fielen außerhalb der Brutsaison an vielen Abenden um die 150 Exemplare in die damals noch üppigen Schilfbestände des Wickrathberger Bruchs sowie in das Sumpfgebietes „op de Fleet“ am Schloss Wickrath ein, um dort in relativer Sicherheit vor Feinden zu übernachten. Leider sind die großen Schilfbestände nicht nur im Bereich der oberen Niers, sondern auch im gesamten Stadtgebiet verschwunden und somit auch die Lebensgrundlage und das Zuhause der kleinen Ammern.

 

Schon der Name verrät, dass Rohrammern Bewohner des Röhrichts an Seen und Flussufern sind. Hier klettern sie zur Nahrungssuche gewandt an den Schilfstengeln und an sonstigem Bewuchs rauf und runter und überfliegen meist sehr niedrig den schützenden Schilfgürtel. Der kleine Vogel zeigt sich in ständiger Unruhe, was durch sein fortwährendes Flügel- und Schwanzzucken besonders untermauert wird. Ihr recht unordentlich zusammengesetztes Nest errichtet die Rohrammer an wasserfreien Stellen zwischen Wurzeln und überhängenden Grassoden am Boden. Der Gesang besteht aus eher unauffälligen, kurzen, etwas stotternd klingenden Tonfolgen und klingt wie ein mehrfach vorgetragenes „zja-tit-taj-zissig“. Die Männchen kennzeichnet während der Brutzeit ein schwarzer Kopf mit weißen Nackenseiten, das sog. Prachtkleid. In der übrigen Jahreszeit sind Männchen und Weibchen ähnlich schlicht gefiedert und werden leicht mit anderen Ammerarten verwechselt.

 

* Das renaturierte Feuchtgebiet kurz hinter dem Ursprung des Mühlenbachs wurde von den Einheimischen früher die Wassersoth genannt.

 

Text: Ludwig Winkens, 04/26
Fotos: 
Bernd Hussner [1], Willi Eckers [2], Laurentius Ohlig [3]

Steckbrief

Größe Körperlänge ca. 15 cm; Gewicht um 18 g
Vorkommen Ein in fast ganz Europa vorkommender Teilzugvogel
Nahrung Jungvögel werden vor allem mit Insekten gefüttert, Altvögel verzehren auch kleine Schnecken, Spinnen und Sämereien.
Brut 4 bis 6 graue Eier mit dunklen Flecken